Mahnende Stimme des liberalen Urgesteins wird fehlen

Nachruf auf Robert Weber (FDP): Mahnende Stimme des liberalen Urgesteins wird fehlen

Er war das liberale Urgestein in Wermelskirchen, ein Mahner wie auch konstruktiver Kritiker, wenn nicht auf die Haushaltssituation geachtet wurde; er galt als knorrig-bergisch. Nur wer ihn lange genug kannte, entdeckte bei diesem alten, stets auf Sachlichkeit ausgerichteten Wermelskirchener auch die humorige Seite: Das war Robert Weber (90).

Am Dienstag ist er verstorben.

Über 55 Jahre war ‚Robert Weber politisch in Wermelskirchen tätig, ehe er 2011 sein Ratsmandat niederlegt. Er blieb bis Ende vorigen Jahres Mitglied der Fraktion; hochbetagt besuchte er die Sitzungen. Als ehemaliger Kaufmann ließ er mehr als einmal durchblicken, dass ihn die Haushalts-Entwicklung mit Schulden von 160 Millionen Euro bis 2025 mehr als nur betrübte – sie war für sein politischem Verständnis von Haushaltsführung undenkbar.

Als passionierter Waldbauer widmete sich in den vergangenen Jahren mit großem Engagement um einen Erholungswald für die Wermelskirchener. Mehr im Verborgenen entstand so hinter Obi im Tal des Sengbach ein renaturiertes Kleinod nach den Zielen des Landschaftsplans – leider unvollendet.

Einigen Liberalen war Robert Weber Mentor oder Vorbild. So für den aktuellen Fraktionsvorsitzenden Jürgen Manderla. „Er hat mich wesentlich geprägt im Denken, wie ein öffentlicher Haushalt zu gestalten und mit öffentlichen Geldern umzugehen ist“, sagt Manderla. Sicher sei Robert Weber in seiner bergischen Art kein einfacher Mann gewesen, aber sie hätten sich angefreundet und im Vertrauen zueinander gefunden. „Ich werde ihn vermissen.“

Für den FDP-Bundesvorsitzenden Christian Lindner war er ein politisches Vorbild und. Zwei Dinge habe er von Robert Weber gelernt: Seine Gradlinigkeit und Klarheit und seine Haltung, dass das Geld erst verdient werden müsse, bevor man es ausgebe. „Da steckte eine große Weisheit hinter.“

Robert Weber war seit 1964 zunächst als sachkundiger Bürger in diversen Gremien, dann ab 1979 ununterbrochen in vier ganzen Wahlperioden bis 1994. Von 2009 bis 2011 war er dann noch einmal im Rat. Bis Ende 2018 war er weiter als sachkundiger Bürger tätig, ehe er im Dezember 2018 ausschied.

2004 reichte der Liberale den ersten Einwohnerantrag in der Geschichte der Stadt ein; daraus wurde das Bürgerbegehren Schwanenplatz, mit dem er unterlag.

Weber ist fast 55 Jahre in der FDP gewesen, er ist seit 1989 Träger des Ehrenrings der Stadt, Ehrenmitglied im TC Grün-Weiß und Träger der Ehrennadel des Deutschen Sängerbundes.

Die Trauerfeier findet am Montag, 18. März, 12 Uhr, in der Stadtkirche statt.

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