Stefan Weiller gastierte in Wermelskirchen Die Kraft der Musik auf dem letzten Weg

Wermelskirchen · Stefan Weiller war mit seinem Programm „Letzte Lieder“ auf Einladung des Hospizvereins und der Buchhandlung van Wahden in der Kattwinkelschen Fabrik zu Gast.

 Bei seinem Auftritt in der Kattwinkelschen Fabrik nutzte Stefan Weiller auch eine Leinwand auf der Bühne.

Bei seinem Auftritt in der Kattwinkelschen Fabrik nutzte Stefan Weiller auch eine Leinwand auf der Bühne.

Foto: Jürgen Moll

Dass der Tod auch mit Humor genommen werden kann, dürften wohl vor allem diejenigen Menschen bestätigen können, die sich viel mit dieser neben der Geburt elementarsten Erfahrung des menschlichen Lebens beschäftigen. Etwa Menschen, die im Hospizdienst tätig sind, die andauernd mit anderen Menschen zu tun haben, die sich auf ihrem letzten Weg befinden. Oder ein Autor wie Stefan Weiller, der sich seit nunmehr bereits 14 Jahren mit dem Zusammenhang zwischen Sterben und den Liedern, die die im Sterben liegenden Menschen als „mein Lied“ bezeichnen würden, beschäftigt hat. Um diese Erfahrungen herum hat der Pfälzer sein passend betiteltes Programm „Letzte Lieder“ gestrickt.

Damit war Weiller in einer gemeinsamen Veranstaltung der Buchhandlung van Wahden und des Wermelskirchener Hospizvereins in der gut besuchten Kattwinkelschen Fabrik zu Gast.

Aus seiner Erfahrung als Berufsanfänger im Journalismus, als er für eine Reportage in einem Hospiz war, um dort mit einer unheilbar kranken Frau zu sprechen, lag der Ursprung des Programms. „Du wirst ins Hospiz geschickt - und schreibst über Musik?“, so habe seine Redaktion ihn danach gefragt. „Ja, denn es sind die Lieder, die uns unser ganzes Leben lang begleiten – bis zuletzt“, habe Weiller geantwortet. Und das waren dann eben auch mal etwas ungewöhnliche Stücke, denn beim Betreten des Zimmers einer todkranken Frau Cindy & Berts „Immer wieder sonntags“ zu hören, war nicht unbedingt zu erwarten.

Der Abend in der Katt war für das Publikum ein Ritt durch die Musikgeschichte, mit vielen Klangbeispielen, dem einen oder anderen Plattencover oder Künstlerbild auf der Leinwand und immer wieder auch der Frage - welches Lied hat welche Bedeutung für einen selbst? Warum war etwa Madonnas „Like A Virgin“ für den Jugendlichen Stefan Weiller ein Rettungsanker? „Weil sie der Welt, und damit auch mir, lautstark entgegengesungen hat: Sei doch einfach du selbst!“ Gerade auch am Ende des eigenen Lebens sei das wichtig. So zeigte er etwa einen Film, in dem er seine Projektarbeit darstellte. „Jedes Lied ist grundlegend anders, es ist immer auch ein bisschen Humor dabei.“ Weiller hatte dazu Texte und Lieder von Sterbenden gesammelt, die dann in einer Hamburger Kirche vorgetragen wurden.

Das war dann auch die Quintessenz eines Abends, der so ganz und gar nicht traurig war, sondern bei dem im Gegenteil die Erinnerung, die Lebensfreude, die Trauer und das Nachdenken der Menschen lebendig wurden. Dabei waren es durchaus auch ein wenig romantisierende Momente, die Stefan Weiller auf sehr sympathische Weise präsentierte. „Es gibt ja auch wirklich schwere Wege, keine Frage. Aber wenn Sie ein bisschen daran glauben, dass das Leben hier vielleicht doch nicht alles war, dann lassen sie sich das nicht nehmen.“ Deswegen war es, bei allem Humor und sehr viel Leichtigkeit vor allem dies: ein wertvoller Abend.

Das sah auch Tanja Franken, Vorsitzende des Hospizvereins, so: „Ich finde es toll, man lacht und im nächsten Augenblick weint man. Es ist eine Mischung aus Tragik und Komik.“ Sie freute sich über den guten Publikumszuspruch – schließlich gingen pro Eintrittskarte drei Euro an den Verein.

(wow)
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