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Wermelskirchen: "Leidtragende sind die Eltern"

Wermelskirchen : "Leidtragende sind die Eltern"

Vor allem die kirchlichen Kindergärten der Stadt stehen vor einem Dilemma: Sie wollen und müssen den gesetzlichen Anspruch auf U3-Plätze erfüllen, bekommen aber nicht mehr die bereits zugesicherten Fördermittel.

"Erschreckend", nennt Jugendamtsleiterin Birgit Ludwig-Schieffers die offenkundige Misere, die jetzt vor allem die kirchlichen Kindergartenträger zu spüren bekommen: Einerseits müssen auch sie den gesetzlichen Anspruch auf die U3-Plätze für Kinder zwischen zwei und drei Jahren erfüllen. Das fordert die Landesregierung. Andererseits soll es die bereits zugesicherten Mittel für den erforderlichen Raumausbau der Kitas nicht mehr geben.

Von den insgesamt für den U3-Ausbau in Wermelskirchener Kitas beantragten Fördermitteln in Höhe von 1,08 Millionen Euro sollen jetzt nur 291 640 Euro ausgezahlt werden, nachdem das Land die Vergabekriterien verschärft hat: "ein Riesenloch, die Notlage trifft uns alle", betont Ludwig-Schieffers.

Beim Land intervenieren

Die drastischen Konsequenzen für die Kitas der evangelischen Kirchengemeinde Stadt, die Einrichtungen Heisterbusch, Wielstraße und Tente, machte Presbyter Frank Stobbe jetzt dem Jugendhilfeauschuss deutlich: "Die Leidtragenden sind die Eltern", sagt Stobbe. Denn die Misere betreffe letztlich alle Kitas, nicht nur die kirchlichen. Dem pflichten auch die Jugendamtsleiterin und Sozialdezernent Jürgen Graef bei, der deshalb versuchen will, auf Landesebene zu intervenieren. Denn nicht nur Wermelskirchen, auch andere Kommunen könnten den Rechtsanspruch auf U3-Plätze nicht erfüllen. Stobbe befürchtet auch einen negativen Standortfaktor, wenn Wermelskirchen nicht für die Betreuung der Kinder und damit auch nicht für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sorgen könne. Besonders drastisch sehe es für den Kindergarten Tente aus, bei dem 720 000 Euro für zusätzliche Räume im Rahmen der U3-Betreuung verbaut werden müssten. Ohne die zunächst zugesicherten 240 000 Euro vom Land könne die Kirchengemeinde diese Summe aber nicht stemmen. Die Folge: "Ein Kindergarten, der keine U3-Kinder aufnehmen kann, ist nach drei bis vier Jahren tot", verdeutlicht Stobbe. Außerdem habe die Kirchengemeinde im Vertrauen auf das Land bereits 160 000 Euro investiert. Auch Caritas-Vertreterin Brigitte Krips beklagt die bereits in Vorleistung auf die fest zugesicherten Landesmittel getätigte Investitionen für den Kindergarten St. Michael. Die Anmeldezahlen von 21 Interessenten für die sechs U3-Plätze dort zeigten auch, wie groß die Nachfrage der Eltern sei.

Für den evangelischen Kindergarten Dhünn schlug Pfarrer Reinald Rüsing eine andere Lösung vor: Dort sollen zwölf U3-Kinder betreut werden, wobei sich der Fehlbetrag durch Eigenleistung und Spenden aus der Gemeinde wahrscheinlich auffangen ließen: "Ich werde mich in der Gemeinde dafür stark machen", kündigte der Pfarrer an.

(RP)