Wermelskirchen: Lebenshilfe baut Wohnungen

Wermelskirchen: Lebenshilfe baut Wohnungen

Neun behindertengerechte Appartements sollen an der Friedrichstraße entstehen. Das Projekt ist nur möglich, weil eine Wermelskirchenerin der Lebenshilfe 250 000 Euro vermachte. Es war eine Überraschung für alle.

Als im Juni vorigen Jahres das Testament von Waltraut Kirchner eröffnet wurde, fiel Jürgen Löhmer aus allen Wolken. Denn die im Mai verstorbene Wermelskirchenerin hatte die Lebenshilfe Rhein-Wupper als Alleinerbin eingesetzt. Mit einem Mal stand der Vorstand vor der Frage, was mit dem Geld passieren sollte — einer Viertelmillion Euro. "Ich habe sofort gesagt, dass wir das verbauen müssen. Also schnellstmöglich in eine entsprechende Immobilie investieren", erzählt Lebenshilfe-Vorsitzender Löhmer.

Bau kostet 1,1 Million Euro

Gestern berichtete Löhmer erstmals der BM vom Wohnprojekt. Auf dem Grundstück an der Friedrichstraße 13, wo jetzt noch ein städtisches Gebäude steht, soll bereits Ende Juni der Neubau von neun Appartements für alleinstehende Menschen mit Behinderung beginnen. "Ohne das Erbe hätten wir so etwas nie realisieren können, denn wir mussten ja über 20 Prozent Eigenkapital verfügen", sagt Löhmer. Etwa 1,1 Million Euro wird der Wohnkomplex kosten — inklusive 750 Quadratmetern Grundstück.

Warum Waltraut Kirchner der Lebenshilfe das Geld vermachte, war den Vorstandsmitgliedern zunächst ein Rätsel. Durch einige Nachforschungen erfuhr Löhmer dann, dass die Frau keine näheren Verwandten hatte und daher ihr Vermögen nach ihrem Tod gerne einem guten Zweck zuführen wollte. "Einzige Bedingung war, dass die Lebenshilfe das Geld für Projekte am Geschäftssitz Wermelskirchen verwendet", so Löhmer.

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Dass der Bedarf für behindertengerechte Wohnungen mit ambulanter Betreuung da ist, weiß der Lebenshilfe-Vorsitzende. "Ich bin mir sicher, dass wir die Wohnungen innerhalb kürzester Zeit aus unseren eigenen Reihen vermietet haben werden", sagt er. Grundsätzlich stehen sie jedoch jedem in der Mobilität eingeschränkten Menschen zur Verfügung.

Das zukünftige "Waltraut Kirchner Haus", benannt nach der Spenderin, wird auf drei Etagen je drei Wohnungen á 47 Quadratmetern haben. Alle Räume sind mit dem Rollstuhl erreichbar, das Bad ist behindertengerecht, das Schlaf- und Wohnzimmer großzügig geschnitten. Die Küche ist zum Wohnbereich hin geöffnet. Zu jeder Einheit gehört ein Balkon, vom Keller bis zum Dach fährt ein Aufzug.

Geplant hat ein Architekt aus Hilgen, der bereits in Radevormwald für die Lebenshilfe eine Wohnstätte für Mehrfachbehinderte gebaut hat. Doch auch Löhmer weiß aus seiner Arbeit im Behindertenbeirat der Stadt Wermelskirchen, auf was er achten muss. "Das Ziel ist einfach, den Menschen die Freiheit zu ermöglichen, selbst zu entscheiden, wie sie wohnen", sagt er.

(RP)