Lebendige Erinnerungen zum Mühlentag

Mühlentag auch in Wermelskirchen : Lebendige Erinnerungen in der Neuemühle

Krimhild Schimmelpfennig kann sich genau an diesen besonderen Geruch erinnern – damals in den 1960er Jahren. Da habe rund um die Neuemühle im Tal immer der Duft nach Brot gelegen. „Das habe ich nie vergessen“, sagt Krimhild Schimmelpfennig heute.

Der Geruch der Mühle gehört zu ihren Erinnerungen an die Kindheit im Finkenholl genauso wie die Feldwege und Winternachmittage auf Schlittschuhen. Und so entpuppt sich der Mühlentag für die Wermelskirchnerin als Zeitreise.

Gemeinsam mit Ehemann Hans-Peter Schimmelpfennig hat sie sich zur Führung des Landschaftsverbands Rheinland angemeldet, der pünktlich zum Aktionstag das Leben an den Mühlrädern im Bergischen Land wieder lebendig werden lässt. „Mehr als 1000 Mühlen gab es damals im Rheinisch-Bergischen“, erklärt Wanderführer Bernd Kaden, der am Pfingstmontag gleich zwei Besuchergruppen rund um die Neuemühle führt und schließlich mit den Gästen auch einen Blick hinter die Kulissen werfen darf. „Von vielen der alten Mühlen können wir heute nichts mehr sehen“, sagt er, „aber was wir hier haben: Das ist einmalig.“ Und dann deutet er auf das alte Gebäude, das Familie Büngen in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten nicht nur als Zeitzeuge, sondern auch als Restaurant am Leben erhalten hat.

„Die Mühlentechnik ist funktionstüchtig, im Keller wurde der alte Holzofen wieder in Betrieb genommen und die Errichtungsurkunden aus dem 19. Jahrhundert sind noch erhalten“, schwärmt Kaden. Bevor sich die Besuchergruppe aber mit Wiebke Büngen und deren Vater Stephan Büngen auf Entdeckungsreise in dem alten Gebäude macht, nehmen sie den Mühlengraben unter die Lupe, spazieren zum alten Wehr, durchqueren die Felder rund um die Mühle, erfahren Geschichten und Anekdoten und staunen nicht schlecht.

„Es ist halt interessant, wie das alles entstanden ist“, sagt Felizian, der mit seiner Familie zum Mühlentag gekommen ist. Wer den Neunjährigen nach Mühlrädern und Wasserkraft fragt, der entdeckt schnell: Das ist nicht die erste Mühle, die Felizian besucht. Aber als er am Ende mit seinen Eltern und seinen Brüder vor dem großen Ofen im Mühlenkeller steht, da staunt der junge Besucher doch. „Das hatte ich jetzt irgendwie nicht erwartet“, sagt er. Und wie ihm scheint es vielen der Gäste zu geben. Dass in der Neuemühle nach dem letzten Brot, das Ende der 1960er Jahre in den Ofen geschoben wurde, nun wieder gebacken wird, zaubert Kaden und seinen Besuchern am Mühlentag ein glückliches Lachen in die Gesichter. Das gilt auch für Krimhild Schimmelpfennig: Der Duft ihrer Kindheit steigt ihr zum Mühlentag erneut in die Nase.

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