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Lange Schlangen bei Ausgabe der Tafel in Wermelskirchen

Sonderausgabe der Tafel in Wermelskirchen : Lange Schlangen bei Ausgabe der Tafel

Mehr als 30 Ehrenamtliche waren am Mittwochnachmittag bei der Sonderausgabe der Tafel im Einsatz, um etwa 160 Haushalte zu versorgen. Auch ältere und kranke Menschen wurden per Bringservice versorgt.

Die Tasche ist voll. „Ich habe endlich frisches Gemüse bekommen und Saft“, sagt die Frau, die gerade aus dem großen Zelt tritt, das das Technische Hilfswerk neben der Feuerwache aufgestellt hat. „Das sind wirklich schwere Zeiten“, sagt die Frau, „da weiß ich nicht, wie ich meine vier Kinder satt bekommen soll.“ Die günstigen Nudeln zum Beispiel gebe es seit Wochen nicht im Supermarkt, und auch andere Produkte seien ihr inzwischen ausgegangen. Deswegen sei ihr die Einladung zur Sonderausgabe der Tafel am Mittwochnachmittag so willkommen gewesen. „Jetzt können wir den Rest dieser Woche gut überbrücken“, sagt sie – und dann stellt sie sich noch in der zweiten Schlange an, die sich am Tafelgebäude gebildet hat. Dort gibt es heute gekühlte Ware.

„Das ist eine Art Experiment“, sagt Brigitte Krips, Vorsitzende der Tafel. Um auch Milchprodukte, Fleisch und gekühlte Nudelprodukte ausgeben zu können, hat das Team der Ehrenamtlichen zwei Fenster an der Straße geöffnet und versorgt die Kunden direkt aus den Kühlfächern. „Vielleicht wäre das sogar eine Möglichkeit, bald wieder eine wöchentliche Ausgabe zu organisieren“, sagt Brigitte Krips, „dann würden wir noch mehr Fenster öffnen und die Ausgabe so regeln.“ Das sei aber noch Zukunftsmusik.

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Seit der Verschärfung der Corona-Pandemie hat die Tafel ihre Türen geschlossen – weil im Gebäude kein Einbahnverkehr möglich ist. Deswegen helfen die Ehrenamtlichen seitdem mit gelegentlichen Sonderausgaben unter erschwerten Bedingungen. Ein großer Teil des Teams der Tafel gehört selbst zur Risikogruppe und ist deswegen im Moment nicht im Einsatz. „Dadurch können wir auch nicht alle Märkte anfahren“, erklärt Brigitte Krips. Weil in den Supermärkten auch weniger Überschüsse anfallen, gebe es insgesamt deutlich weniger Lebensmittel. Die Bäckereien allerdings seien ihnen treu und hätten Brot für die Tafel-Kunden zurückgelegt, auch der Verband habe Lebensmittel auf den Weg geschickt.

Die Erleichterung über die 25.000 Euro-Spende der Bethe-Stiftung, die die Tafel jüngst bekommen hat, sei trotzdem groß. „Davon konnten wir Gemüse und Gutscheine für die Discounter kaufen“, erklärt Krips. Nur so sei es überhaupt möglich, die Menschen bei der Sonderausgabe zu versorgen. Mehr als 30 Ehrenamtliche sind am Mittwoch seit den Morgenstunden auf den Beinen. Bereits um 8.30 Uhr rückte das Technische Hilfswerk an, um ein Zelt aufzustellen, das gegen den Regen schützen soll. Eine halbe Stunde später kamen die ersten Freiwilligen. Unterstützung bekommt die Tafel in diesen Zeiten vom AJZ Bahndamm, von der Initiative „Gemeinsam sind wir stark“ und der Nachbarschaftshilfe. Viele der Freiwilligen teilen bis zum Nachmittag Lebensmittel aus – mit Mundschutz und unter Einhaltung der Abstandsregelungen. Schnell bilden sich rund um das Gebäude lange Schlangen.

Währenddessen machen sich freiwillige Helfer wie Marga Ottersbach auf den Weg zu den älteren und kranken Kunden der Tafel. Wer über 65 Jahre alt oder vorbelastet ist und sich anmeldet, bekommt die Lebensmittel per Lieferservice. Insgesamt 39 Kunden der Tafel nehmen dieses Angebot an und bekommen am Mittwoch die Tüten zur Haustür gebracht. „Die Menschen sind so dankbar“, erzählt Marga Ottersbach, die gerade von ihrer Tour zurückkehrt. Viele seien auf die Lebensmittel angewiesen und würden sich sehr über die vollen Tüten freuen. „Einmal kam sogar ein Hund mit zur Tür, der wohl schon das Hundefutter gerochen hatte“, erzählt sie und lacht.

(resa)