Nach schweren Unfällen in Wermelskirchen: Landstraße 101 könnte entschärft werden

Nach schweren Unfällen in Wermelskirchen: Landstraße 101 könnte entschärft werden

Die L 101 zwischen Dreibäumen und Scheideweg ist gefährlich - das jedenfalls sehen ein SPD-Ratsherr und ein Anwohner so. Ihre Forderung nach Tempo 70 in diesem Bereich könnte Realität werden. Die Behörden wollen das nochmal prüfen.

Kurz nach dem tödlichen Unfall auf der Landstraße 101 im Bereich der Kurve oberhalb von Kurzfeld im Oktober hatte Jürgen Becker im Hückeswagener Fachausschuss gefordert, dass auf dem Teilstück die maximale Höchstgeschwindigkeit herabgesetzt wird. Der SPD-Ratsherr fährt täglich diese Strecke und hat dabei festgestellt, "dass hier ständig zu schnell gefahren und trotz Verbots überholt wird". Seine Forderung wiederholte er jüngst im Bauausschuss, denn getan hat sich bislang nichts.

Foto: Stephan Büllesbach

Kurz hinter der Einmündung Maisdörpe, in Fahrtrichtung Dreibäumen, wurde jedoch vor wenigen Wochen ein neues Schild aufgestellt - eins, dass das etwa 200 Meter zuvor angeordnete Überholverbot wieder aufhebt. Das hat (nicht nur) Thomas Klick verwirrt. Der Anwohner von Stoote stellt sich die Frage, warum das sein musste. Vor allem nach den vielen schweren, teils tödlichen Unfällen der vergangenen Monate. "Ausgerechnet dort, wo es im Oktober den tödlichen Unfall gegeben hat, wird das Überholverbot jetzt wieder aufgehoben", sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion und schüttelt den Kopf. Auch Klick fordert eine Temporeduzierung. "Denn hier müssen auch Schulkinder über die Straße gehen; das ist absolut gefährlich", argumentiert er.

Dr. Christian Dickschen, Dezernent bei der Kreisverwaltung, erläutert den Tausch der Schilder: "Das war ein Irrtum", sagt er. Vor 20 Jahren sei an der Kurve hinter der Einmündung Maisdörpe ein Schild angeordnet worden, das das Überholverbot wieder aufhebt. Damals sei aber das falsche Schild, das erneut ein Überholverbot kennzeichnete, angebracht werden. Erst bei einer Ortsbegehung von Polizei, Straßenverkehrsamt und Ordnungsamt der Stadt Hückeswagen vor einigen Monaten, als die Verkehrssituation auf und an der L 101 begutachtet wurde, sei das aufgefallen. Inzwischen wurde das richtige Schild installiert. Bislang waren die Behörden davon ausgegangen, dass es sich trotz der vielen Unfälle auf der L 101 nicht um einen Unfallhäufungspunkt handelt. Dazu müsste es innerhalb eines Jahres zu einer bestimmten Anzahl von schweren Unfällen mit der gleichen Ursache kommen. Das sah etwa der Kreis bislang nicht als gegeben an.

  • Hückeswagen : Landstraße 101 könnte entschärft werden

Doch Thomas Klick hat die Unfälle vor seiner Haustüre auf der L 101 in den vergangenen Monaten notiert - er kommt auf acht schwere Unfälle seit Oktober 2016. Diese Liste hat inzwischen auch die oberbergische Kreispolizei. Deren Sprecher Michael Tietze bestätigt auf Anfrage unserer Redaktion: "In unserer Datenbank ist einer dieser Unfälle nicht aufgetaucht, weil er irrtümlicherweise einer anderen Straße zugeordnet worden war." Dadurch, dass er nun aber der L 101 zugerechnet werden konnte, ändere sich die Situation: "Dieser Bereich könnte jetzt tatsächlich zu einem Unfallhäufungspunkt werden." Tietze kündigt an, dass aufgrund der Liste des Anwohners die Unfallkommission mit Vertretern von Polizei, Straßenverkehrs- und Ordnungsamt sich die L 101 zwischen Scheideweg und Dreibäumen noch einmal unter den neuen Gesichtspunkten anschauen wird. Dazu soll es demnächst eine Ortsbesichtigung geben.

Thomas Klick hat im Übrigen noch eine Randerscheinung der diversen Unfälle entdeckt: "Allein am Aktionstag ,Saubere Stadt' wurden zwei Säcke mit Glasscherben, Kunststoff- und Metallschrott gesammelt." Zudem seien mehrere Bäume und Zäune beschädigt, und eine Motorfüllung Öl sei an der Böschung des Golfplatzes ins Erdreich gesickert.

(büba)