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Landfrauen Wermelskirchen: Modern, sozial engagiert und offen für Neues

Landfrauen Wermelskirchen : Modern, sozial engagiert und offen für Neues

Ingrid Mühlinghaus ist die Vorsitzende der Landfrauen und spricht im Interview darüber, warum ihre Arbeit auch heute noch wichtig ist.

Frau Mühlinghaus, was genau sind eigentlich die Landfrauen?

Ingrid Mühlinghaus Früher kam die Landfrau ja traditionell immer aus einem landwirtschaftlichen Betrieb. Das ist heute allerdings nicht mehr so. Denn durch den Strukturwandel, der in den vergangenen Jahren stattgefunden hat - und dies ja auch bis heute noch immer tut –, und wodurch es auch bei uns immer weniger Vollerwerbsbetriebe in der Landwirtschaft gibt, kommt die Landfrau von heute schlicht und ergreifend „vom Land“.

Welche Philosophie steht dahinter?

Mühlinghaus Das große Ziel der Landfrauen ist die Gleichstellung der Frau auf dem Land. Dazu gehören auch die Chancengleichheit und die Gleichheit in der Bezahlung – was man als Equal Pay bezeichnet. Zu Beginn, also der Gründerzeit der Landfrauen, hat sich der Deutsche Landfrauenverband sehr intensiv für die Mütterrente stark gemacht.

Wie lange gibt es die Landfrauen schon in Wermelskirchen?

Mühlinghaus Der Deutsche Landfrauenverband als gesamtes wurde direkt nach dem Krieg im Jahr 1948 gegründet. Den Ortsverband der Wermelskirchener Landfrauen gibt es hingegen erst seit Mitte der 1950er-Jahre.

Waren Ihre Mutter oder Großmutter auch schon bei den Landfrauen?

Mühlinghaus Ich selbst komme ja ursprünglich aus der Stadt, denn ich bin in Neuss aufgewachsen. Und daher hatte ich von Haus aus – bis auf die Tatsache, dass mein Vater Bienen in Hobbyhaltung hatte – nun so gar keine oder nur wenige Berührungspunkte mit der Landwirtschaft. Das hat sich erst später geändert. Denn durch meine Ausbildung zur staatlich geprüften Ökotrophologin kam ich dann nämlich doch noch mit der Landwirtschaft in Berührung. Und als ich dann meinen Mann kennenlernte und schließlich auf seinen Hof einheiratete, war ich vollkommen mit dem Thema verbunden. Zu den Wermelskirchener Landfrauen bin ich dann letztlich durch meine Schwiegermutter gekommen, die dort ebenfalls bereits aktiv war.

Wie groß ist die Ortsgruppe in Wermelskirchen?

Mühlinghaus Die Wermelskirchener Landfrauen bestehen im Moment aus ungefähr 82 Mitgliedern. Davon sind sieben Mitglieder im Alter zwischen 31 und 50, 17 Mitglieder im Alter zwischen 51 bis 67 Jahre. Der Löwenanteil unserer Mitglieder, nämlich 58 an der Zahl, ist hingegen bereits über 67 Jahre alt. Wir würden uns also schon über Nachwuchs freuen.

Können sie einmal die typische Landfrau beschreiben?

Mühlinghaus Nun, die ist tatsächlich ganz einfach zu beschreiben: Die typische Landfrau ist nämlich eine moderne, kreative, sozial engagierte, unternehmenslustige Frau, die stets für Neues offen ist.

Profitieren sie mit Ihren Themen von der allgemein „grünen“ Stimmung in Politik und Gesellschaft?

Mühlinghaus Für uns ist das natürlich nichts Neues. Denn die Frau vom Land hat schon immer nachhaltig gelebt und gehandelt. Das hat sie zum Beispiel auf eine Weise gemacht, das sie das eigene Gemüse aus dem Garten eingekocht oder auf andere Art verarbeitet hat. Oder es wurde auch Kleidung selbst hergestellt. Das Imkern ist für die Herstellung von Lebensmitteln ein sehr gutes Beispiel. Und die Biene ist ja auch nicht umsonst das Symboltier der Landfrauen. Wir haben den Rheinisch-Bergischen Kreis in diesem Jahr daher zum Beispiel auf der Landesgartenschau in Kamp-Lintfort mit einem eigenen Stand zum Thema Bienen und Imkerei vertreten.

Können sie einen Überblick über Ihre Arbeit geben?

Mühlinghaus Bei uns Landfrauen werden die Geselligkeit und das Miteinander eindeutig besonders großgeschrieben. Wir veranstalten Bastelabende, treffen uns zum gemütlichen Suppenabend oder auch zum Erntedankfrühstück. Wir bieten unseren Mitgliedsfrauen auch Ausflüge an, etwa in das historische Köln, zu einer Fahrt mit der alten Eisenbahn durchs Brohltal, zur Besichtigung eines Ziegenhofes oder auch einfach einmal zu einer ausgiebigen Radtour durchs Bergische Land.

Warum ist die Arbeit der Landfrauen so wichtig?

Mühlinghaus Durch unsere Arbeit fördern wir den sozialen Kontakt der Frauen unter- und miteinander. Der Austausch unter unseren Mitgliedern ist immer sehr rege, man freut sich, die anderen zu sehen – und niemand muss sich alleine fühlen.

Wie oft und wo treffen Sie sich –wie funktioniert das in Zeiten von Corona?

Mühlinghaus Das Coronavirus hat uns Landfrauen natürlich in unserer Arbeit genauso ausgebremst wie alle anderen Vereine auch. Davon ist leider auch die Möglichkeit betroffen, sich zu treffen, was uns ja besonders wichtig ist. Normalerweise treffen wir Landfrauen in Wermelskirchen uns alle ein bis zwei Monate zu einer Veranstaltung.

In welcher Form sind die Landfrauen im Stadtbild präsent?

Mühlinghaus Nun, im Stadtbild sind wir so gesehen nicht wirklich präsent. Wenn man uns kennenlernen will, dann trifft man uns eher auf Kreisebene bei der Kreistierschau oder beim Erntedankempfang - oder eben wie in diesem Jahr mit einem eigenen Stand auf der Landesgartenschau in Kamp-Lintfort.

Können eigentlich auch Männer bei Ihnen mit dabei sein?

Mühlinghaus Wir sind ja die Landfrauen, daher können Männer nicht mitarbeiten. Sie sind aber bei unseren Fahrten als interessierte Begleiter herzlich willkommen.

Wie gehen sie das Thema Nachwuchsförderung an?

Mühlinghaus Grundsätzlich, auch wenn unsere momentane Altersstruktur ja etwas anders aussieht, sind wir offen für Alt und Jung, wir wollen jede Altersgruppe gleichermaßen ansprechen und vertreten. Dabei sehen wir möglichst zu, dass bei unserer Programmplanung für jeden etwas dabei ist. Ansonsten geht es uns auch nicht anders als andere Vereinen – die Nachwuchsgewinnung funktioniert am besten über die direkte Ansprache von potenziellen Neumitgliedern. Es gilt aber auf jeden Fall dies: Jede Frau, die Interesse hat bei uns Mitglied zu werden, ist uns auch willkommen. Man kann uns auch gerne einfach kontaktieren.