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Wermelskirchen: Lachmuskeltraining mit Sträter

Wermelskirchen : Lachmuskeltraining mit Sträter

Der lässige Typ mit schwarzer Mütze, schwarzem Hemd und schwarzer Jeans hatte noch nicht viel getan, außer die Bühne zu betreten. Doch das Publikum in der ausverkauften Katt feierte den Kabarettisten Torsten Sträter schon gleich zu Beginn wie einen Rockstar. Am Samstagabend gastierte er mit seinem neuen Programm "Es ist nie zu spät, unpünktlich zu sein" in Wermelskirchen.

Mit seiner Mischung aus komödiantischer Lesung, "drei Minuten Polit-Kabarett vom Feinsten" und spontaner Komik schaffte es der 50-Jährige von der ersten Minute an, die Zuschauer zu begeistern und die Lachmuskeln an dem Abend ordentlich zu strapazieren. Selbst dem ernsten "Facility Manager" aus der ersten Reihe, dessen verschränkte Arme Sträter ein Dorn im Auge waren, konnte er den ein oder anderen Lacher abgewinnen.

Die spontane Interaktion mit seinem Publikum ist ganz klar Sträters Stärke. Die vorgetragenen Texte schienen bei seinen vielen gewollten aber unabsichtlich wirkenden Abschweifungen fast schon nebensächlich. Sie geben ihm aber das nötige Gerüst für die Programmgestaltung. Wo die Zeit bleibt, weißt der Entertainer trotzdem nicht. Aus den geplanten zwei Stunden wurde wie im Flug eine halbe Stunde mehr. Macht nichts, die Lachmuskeln konnten auch die Überlänge gut vertragen. Inhaltlich verstand es das Multitalent, die nötige Prise Ernsthaftigkeit geschickt zu platzieren, ohne das Humoreske zu aus dem Vordergrund zu verdrängen. Denn mit 50 schien es für ihn an der Zeit, einen etwas ernsteren Blick zurückzuwerfen. Der Tod seiner Mutter und ihr Einfluss auf ihn waren der rote Faden für den Abend.

Erinnerungen an die Teilnahme bei Familienduell, ein extremer Sonnenbrand, der zur Polizeikontrolle führte, oder der Verlust seines hart verdienten ersten Flummis waren unter anderem Themen. Auch die Highlights seiner zweiwöchigen Afrika-Reise, bei der Sträter seinen Koffer verlor und die Zeit im selben Hemd verbringen musste, sorgten für Lachsalven.

Außergewöhnlich war seine letzte Geschichte: Weil seine Mutter immer zu ihm sagte "Bring' doch einmal in deinem Leben etwas zu Ende", holte er seinen ersten Schultag mit selbstgebastelter Schultüte aus Raufasertapete und kuriosen Erlebnissen nach, an dessen Ende sein verlorener Flummi stand.

Zurecht erhielt Sträter am Ende des Abends und nach zwei weiteren kurzen Zugaben euphorischen Applaus.

(RP)