1. NRW
  2. Städte
  3. Wermelskirchen

Kulturleben in Wermelskirchen: Politiker wollen Katt-Förderung ändern

Kulturleben in Wermelskirchen : Politiker denken über Umschichtung der Katt-Förderung nach

Der Veranstaltungsbereich der Katt bekommt jährlich 100.000 Euro, ehrenamtlich geführte Kulturvereine gehen leer aus. Das könnte sich 2021 ändern. Der Hauptausschuss hat über eine Umverteilung der Förderung beraten.

„Ist der Veranstaltungsbereich der Kattwinkelschen Fabrik das einzige kulturelle Zentrum in der Stadt, dass förderwürdig erscheint und jährlich mit rund 100.000 Euro aus dem städtischen Haushalt unterstützt wird?“ Mit dieser Kernfrage löste Oliver Platt (Büfo) im Hauptausschuss eine Diskussion aus, die nicht ohne Folgen für den nächsten Haushalt bleiben wird. Mittlerweile gibt es immer mehr Vereine, die vorsichtig Hilferufe formuliert haben. Manche ausgelöst wegen der Corona-Krise, aber eben nicht alle.

Auslöser der Äußerung von Platt war ein Antrag des Kulturvereins zur finanziellen Unterstützung. Der Verein hat Sorge, das gleiche Schicksal zu erleiden wie 2014 der „alte“ Kulturverein. Damals zog sich der Vorstand wegen finanzieller und logistischer Schwierigkeiten zurück; der neue Vorstand übernahm, um das Kulturleben durch Live-Theateraufführungen in kleinerem Rahmen weiterzuführen. Ebenso das Kindertheater. Der Antrag datiert aus Dezember 2019, also vor der Corona-Krise. Besser geht es dem Verein heute trotzdem nicht, denn alle Veranstaltungen wurden abgesagt – das Problem ist aber geblieben. Denn durch fehlende Zinserträge wird die Unterstützung durch die Bürgerstiftung der Sparkasse ganz oder teilweise in Frage gestellt. Deshalb bittet der ehrenamtlich geführte Verein die Politik, einen „überschaubaren Zuschuss von 10.000 Euro“ zu gewähren. Dazu gab es jetzt keine Entscheidung. Denn mit dem lokalen Rettungsschirm gebe es inzwischen eine andere Situation, „der Antrag ist obsolet“, meinte Stephan Janosi (Grüne). Für Oliver Platt ist der Antrag aber Anlass, den Finger in die Wunde zu legen: Was sei mit AJZ, Haus Eifgen oder dem Kulturverein, die alle ehrenamtlich geführt werden? Warum bekämen die keinen städtischen Zuschuss? Alle sollten von einer Förderung profitieren, sagte Platt, und griff den Begriff „Kulturfonds“ auf.

Henning Rehse (WNKUWG) unterstützte den Gedanken von Platt, über die Kulturförderung nachzudenken. Aber ein „Kulturfonds“ sei eine hilflose Einrichtung. Denn wo solle das Geld herkommen? „Wir haben die Bürgerstiftung, aber keine Erträge mehr, weil die EZB mit ihrer Zinspolitik alles vernichtet“, sagt er.

„Wir brauchen eine Reform der Finanzierung für das Kulturleben“, sagte Jochen Bilstein (CDU), damit die Mittel auf Dauer sinnvoll verteilt werden: „Wir haben eine vielfältige, aktive Kulturszene, die nicht städtischerseits organisiert wird.“ Ziel müsse ein Gesamtkonzept sein.

Bürgermeister Rainer Bleek erklärte, dass im Haushaltssicherungskonzept keine Chance bestehe, kulturtreibende Vereine zu unterstützen. In der Haushaltsberatung 2021 (dann will Wermelskirchen das Haushaltssicherungskonzept verlassen haben, Anm. d. Red.) soll die Förderung der Vereine thematisiert werden. Mittel aus dem Entwicklungs- und Handlungskonzept werden wohl nicht in Anspruch genommen werden können, meinte Bleek. Danach hatte Martin Fleschenberg (CDU) gefragt. „Die Mittel sind nur für eine strukturelle Förderung“, erklärte Bleek.

Platt ging zufrieden aus der Sitzung, denn einer Umverteilung der Mittel im Rahmen der städtischen Kulturpolitik widersprach niemand.