Ausstellung Im Markt 9: Künstlerinnen wollen Werke in Dialog treten lassen

Ausstellung Im Markt 9 : Künstlerinnen wollen Werke in Dialog treten lassen

Wer für den 8. Mai 2015 - dem 70. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges - zur Vernissage lädt, muss sich schon etwas Besonderes einfallen lassen. Den 60 Millionen Toten dieses Krieges will schließlich an solch einem Tage gedacht werden.

Das war den beiden Künstlerinnen, deren Gemeinschaftsausstellung an diesem Tage in den Räumen des Kunstvereins im Markt 9 begann, durchaus bewusst: Sie hatten ihre Ausstellung ganz bewusst am Freitag beginnen lassen. Beate Harmel (Zeichnungen) aus Bergisch-Gladbach und Marie-Louise Lichtenberg (Fotografien) aus Wermelskirchen sind Mitglieder des hiesigen Kunstvereins. Sie wählten für ihre Schau den Titel "Zeichnung und Fotografie im Dialog". Und dieser Dialog, der sich für den unbedarften Betrachter zunächst nicht erschloss, entwickelte sich nun bei der Vernissage.

Zunächst deutete Beate Harmel ihre Zeichnungen, die sie unter dem Schlagwort "Essenz" gebündelt wissen wollte. Die elf Konterfeis von Zeitzeugen des NS-Regimes, die Marie-Louise Lichtenberg zeigte, überschrieb sie mit "Gegen das Vergessen". Zudem las Lichtenberg Texte über drei der abgebildeten Persönlichkeiten. Aus dem Zusammenspiel von Text und Kunst öffnete sich dem Betrachter nun der Blick für die Schnittmenge der Werke. Gegenstand der Auseinandersetzung von Harmels als auch Lichtenbergs künstlerischer Arbeit ist: das Leben. Natürlich, letztendlich geht es bei jedem Künstler, von Anselm Adams bis Frank Zappa, um das Leben, die Existenz und deren Darstellung mit allen Facetten, was sie zu bieten hat. Das kaum vorstellbare Leid, das die Nazis über die Welt gebracht hatten, gehört dabei genau so dazu wie die Konzentration auf das, was die wichtigste biologische Grundlage des Lebens auf unserer Erde ist: das Wasser.

Harmel geht mit ihren Bleistiftzeichnungen diesem Element im wahren Sinn des Wortes auf den Grund. Ihre Zeichnung "Mündung" etwa bietet den Blick durch glasklares Wasser auf den Boden eines Flusses, der in ein anderes Wasser mündet. Derart setzt sich das Leben fort, es strömt und ergießt sich in ein anderes und erzeugt so neues Leben. Mit ihren Bleistiftstrichen verdeutlicht die Künstlerin ein Grundprinzip des Lebens auf unserer Erde.

Andere Prinzipien für das menschliche Leben sind Freiheit, Toleranz und Menschenwürde. Dafür lohnt es sich zu kämpfen. Geduld und der Glaube an das Gute sind Mittel, mit denen die von Lichtenberg porträtierten Menschen dem Staatsterror erfolgreich begegneten. Bernd Geisler

Die Ausstellung ist noch bis Sonntag, 24. Mai, im Markt 9 zu besichtigen, jeweils am Mittwoch und Sonntag von 15 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

(bege)
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