Wermelskirchen Kunstausstellung beschert Aha-Erlebnis

Wermelskirchen · Viele ungewöhnliche Anregungen warteten am Sonntag auf die Besucher der Vernissage der „III Kunsthalle Katt“.

 Imposant: Die raumgreifende Installation „Die Kulisse“ der Künstlerin Jaana Caspary.

Imposant: Die raumgreifende Installation „Die Kulisse“ der Künstlerin Jaana Caspary.

Foto: Domenica Holtkamp

Unter dem Motto „Kontrolliert unerwartet“ präsentierten die Künstler Jaana Caspary, ihr Vater Peter Caspary, Frank Hinrichs und Andreas My in den Räumen der Kattwinkelschen Fabrik viele inspirierende Werke, die den Betrachtern faszinierende Einblicke in die Welt der Kunst gewährten.

Nach der Eröffnungsrede von Stefan Görnert, führte Simone Rikeit die Besucher durch die Ausstellung. Unter den Exponaten befanden sich viele Gemälde und Skulpturen, aber auch einige originelle Installationen, die eine 360-Grad-Betrachtung erlaubten. So unterschiedlich und vielfältig die Werke auch waren, veranschaulichte jedes von ihnen jedoch auf eine ganz eigene Weise die Magie des Unerwarteten.

Zwischen den vielen Kunststücken stach die raumgreifende Installation „Die Kulisse“ der Künstlerin Jaana Caspary besonders hervor: Deren imposanten Bergspitzen aus Teichfolie mit übergossener weißer Farbe zeigte eine dennoch verkleinerte Panorama Ansicht einer alpinen Landschaft und erinnerte gleichzeitig an ein großes Zelt. „Das Besondere dieses Werkes ist dessen Interaktion mit dem Raum, in dem es ausgestellt wird. Bei jeder Ausstellung nimmt die Kulisse immer eine neue Form an. Ihre Beweglichkeit und Dynamik fasziniert den Betrachter, der sich gerne auf eine Entdeckungstour begibt“, erklärt die junge Künstlerin.

Ein besonderes Aha-Erlebnis bekamen die Besucher bei der Betrachtung der Werke von Peter Caspary, der die Zerbrechlichkeit sowie die energiefreisetzenden Prozesse der Natur thematisiert „Bei jedem Gemälde bekommt der Beobachter immer zwei verschiedene Bilder zu sehen. Während im Nahbereich nur ein abstraktes Motiv zu sehen ist, ergibt sich ab einer gewissen Entfernung ein reales Bild. Das sorgt für ein Überraschungseffekt“. Mit seiner Kunst möchte Peter Caspary zeigen, wie das Kontrollierte und Unerwartete gleichermaßen Teil der Kunst und des Lebens sind. „Wir alle unterliegen diesem Phänomen“, sagt Caspary, der sich selbst als Zeichner und Forscher sieht.

Ebenso spannend waren die Werke von Frank Hinrichs, in denen Zufall und Ordnung die Formgebung seiner Kreationen gleichermaßen beeinflussen. Bei seiner Kunst lässt sich Hinrichs von dem Rhythmus und der Lebendigkeit der Musik inspirieren. „Sein Ziel ist das Unvorhersehbare zu öffnen und zuzulassen. Dafür muss er das Erwartete zur Seite legen“, erklärt Simone Rikeit. „Ich bin gegen die Erstarrung der Kunst, deshalb lasse ich mich gerne auf das Unerwartete ein“, sagt Hinrichs.

Ein löchriges Dasein stellt Andreas My in seinen körperhaften Gebilden dar. „Mit meinen Werken möchte ich die Labilität der Existenz und der heutigen digitalen Welt ausdrücken“, erklärt My. Der Bezug zur Virtualität gibt seinen Wunsch nach Versöhnung zwischen Natur und Technik preis.

Die Ausstellung lockte zahlreiche Kunstinteressierte an, die neugierig die originellen Exponate in Augenschein nahmen. Vor allem die Botschaft der Künstler fand viel Zuspruch bei den Besuchern. „Die heutige Gesellschaft erwartet, dass man alles unter Kontrolle hat. Es gibt keinen Platz für unerwartete Dinge. Diese Werke zeigen uns aber, dass es durchaus schön und magisch sein kann, wenn man das Unerwartete akzeptiert und zulässt“, sagte Besucherin Marie Giertz.