Wermelskirchen Kündigung nach Arbeitsunfall

Wermelskirchen · Vier Finger der rechten Hand sind Stephan Wind bei einem Arbeitsunfall abgetrennt worden. Danach wurde er in der Probezeit gekündigt. Nach Scheitern der Güteverhandlung geht es nun vor die Kammer des Arbeitsgerichtes.

Stephan Wind klagt auf Wiedereinstellung: Er sagt, ihm sei wegen seiner Handverletzung gekündigt worden.

Stephan Wind klagt auf Wiedereinstellung: Er sagt, ihm sei wegen seiner Handverletzung gekündigt worden.

Foto: Hans Dörner

Blass und nervös sitzt Stephan Wind neben seiner Rechtsanwältin vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) im Saal des Solinger Arbeitsgerichtes. Er wickelt den Verband von seiner rechten Hand, legt sie auf den Tisch: Gut sichtbar die Narbe, die sich über die ganze Hand zieht, ein Finger fehlt. Bei einem Arbeitsunfall sind dem 41-jährigen Wermelskirchener von einem herunter fallenden Messer vier Finger abgetrennt worden, drei konnten ihm wieder angenäht werden. Aber die Firma hat ihm nach dem Unfall noch in der Probezeit gekündigt.

Arbeitgeber: Nicht teamfähig

Gegen diese Kündigung wehrt sich Wind nun, vertreten durch die DGB-Anwältin und beraten von Tevfik Eryalcin, dem Gewerkschaftssekretär der IG Metall, vor dem Solinger Arbeitsgericht. Sein Ziel: Er will, wenn er seine Hand wieder benutzen kann, von der Firma in Wermelskirchen wieder eingestellt werden. Die will dies aber nicht, lässt die Firma durch ihren Rechtsbeistand vor dem Arbeitsgericht vortragen.

Wind sei nicht teamfähig gewesen und habe Sicherheitsvorkehrungen nicht beachtet. Ihm habe schon vor dem Unfall gekündigt werden sollen, aber der Betriebsleiter sei erkrankt gewesen, so dass das Kündigungsgespräch noch nicht habe stattfinden können. Dann sei der tragische Unfall geschehen, den der Arbeitgeber auch außerordentlich bedauere. "Der Unfall hat aber nichts mit der Kündigung zu tun", beharrt der Anwalt der Firma. Die Kündigung sei im Übrigen erst etliche Wochen nach dem Unfall ausgesprochen worden, da es sich bei seinem Mandanten um einen sehr sozialen Arbeitgeber handele.

Winds Gewerkschaftsberater sieht den Kündigungszeitpunkt aber in einem ganz anderen Licht: Wind habe die Kündigung erst erhalten, nachdem er auf Anraten der Kriminalpolizei Strafanzeige gestellt habe, sagte Eryalcin gestern der BM nach der gescheiterten Güteverhandlung. Zu einem Gespräch zwischen Stephan Wind, seiner Anwältin und seinem ehemaligen Arbeitgeber soll es nun zwar möglicherweise noch kommen. Aber es wird im Mai auf jeden Fall auch einen Termin vor dem Kammergericht geben. Und strafrechtlich laufen die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, wer die Schuld an dem Arbeitsunfall trägt.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Zwei Darstellungen stehen dazu seit gestern im Raume: Der Arbeitgeber trägt jetzt vor, Stephan Wind habe die Maschine verlassen und ohne Grund und von zwei Kollegen unbemerkt, plötzlich mit der Hand unter das herabfallende Messer gegriffen. Er habe weder einen Arbeitsauftrag an der Maschine gehabt, und es befinde sich auch keine Rolle an der Maschine.

Denn Stephan Wind hat vorgetragen, der Vorarbeiter habe ihn beauftragt, nach der Maschine zu sehen: "Es sei irgendetwas mit einer Rolle." Als er die Rolle mit der rechten Hand berührt habe, müsse irgendjemand die Maschine angestellt haben oder das Messer sei nicht ausreichend gesichert gewesen, so dass es habe auf seine Hand herabfallen können. Von der Staatsanwaltschaft ermittelt wird laut DGB-Anwältin jetzt, ob der Arbeitgeber oder andere Arbeitnehmer eine (Mit)Schuld an dem Unfall haben.

(RP/top)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort