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Kriminalitätsrate steigt durch „Enkeltrick“

Straftaten in Wermelskirchen in 2019 : Mehr Kriminalität durch Enkeltrick

Die Zahl der Straftaten im Rheinisch-Bergischen sank in 2019 gegenüber dem Vorjahr – in Wermelskirchen nahm sie zu. Betrüger haben daran einen Anteil. Kreisweit registrierte die Polizei in 2019 insgesamt 11.335 Straftaten .

Während landesweit und auch im Rheinisch-Bergischen Kreis die Zahl der Straftaten in 2019 gegenüber dem Vorjahr gesunken ist, nahm sie in Wermelskirchen zu – genauso wie in Leichlingen und Rösrath, wobei sie in allen anderen Städten des Kreises sank. Insgesamt ereigneten sich im vergangenen Jahr auf dem 75 Quadratkilometer großen Stadtgebiet von Wermelskirchen 1194 Strafttaten, in 2018 waren es noch 1124. Das entspricht einem Anstieg um 6,23 Prozent oder absolut 70 Taten. Aufklären konnte die Polizei 606 Straftaten, also mit 50,75 Prozent gut die Hälfte.

Als „wesentliche Parameter“ für diese Zunahme nannte Ralf van Uden, Leiter der Direktion Kriminalität im Rheinisch-Bergischen Kreis, die Steigerung bei zur Anzeige gebrachten Sachbeschädigungen (von 129 in 2018 auf 159 in 2019) sowie bei Vermögens- und Fälschungsdelikten (von 210 auf 280), letztere mit einem Plus von 70 Fällen die gravierendste Zunahme.In diesen Bereich fallen betrügerische Machenschaften wie der sogenannte Enkeltrick oder Anrufe von Verbrechern, die sich vornehmlich bei älteren Menschen melden, als Polizei ausgeben und zu Zahlungen auffordern. „Das Problem mit dieser Masche ist virulent“, betonte Ralf van Uden. Darüber dürften die statistischen Zahlen, wonach diese Fälle von bekannten 57 (Schadenssumme: 650.520 Euro) in 2018 auf 38 (219.307 Euro) in 2019 kreisweit gesunken sind, nicht hinwegtäuschen, denn: „Nur die Verfahren, die in 2019 abgeschlossen wurden, tauchen in der Statistik auf.“ Es habe jedoch zum Ende des vergangenen Jahres mindestens sechs Fälle im Kreis gegeben, die noch nicht abgeschlossen sind und eine Schadenssumme von allein mindestens 600.000 Euro ausmachten.

Van Uden kündigte an, dass das NRW-Innenministerium landesweit in den kommenden Wochen entspechende Präventionskampagnen starten werden. „Diese Aufklärung ist der direkte Weg, wir wollen Senioren weiterhin sensibilisieren“, ergänzte Polizei-Pressesprecher Richard Barz. Auch der indirekte Weg helfe: „Nachbarn und Enkel sollen Acht geben. Genauso Bankmitarbeiter, wenn langjährige Kunden plötzlich völlig untypisch große Summen abheben oder transferieren, um über sie verfügen zu können. Betrüger sind auf dem Vormarsch.“ Häufig nähmen derartige Delikte ihren Ursprung in Callcentern in der Türkei, analysierte Ralf van Uden. Dort konnte die rheinisch-bergische Polizei, die in 2019 eigens für diesen Bereich die Einsatzgruppe „Dackel“ gründete, im vergangenen Jahr eine Festnahme erwirken, deckte Netzwerke dieser Täterkreise in Rheinland-Pfalz und Bayern auf – wer anruft, muss nicht in Rhein-Berg sesshaft sein. Der demografische Wandel und vergleichsweise wohlhabende Senioren machten den Rheinisch-Bergischen Kreis für diese Betrüger zu einem „attraktiven“ Aktionsgebiet, stellte Landrat Stephan Santelmann fest: „Die Schadenssummen durch diese Masche erreichen schwindelerregende Höhen.“

Aber, so der Landrat weiter: „Unser Kreisgebiet gehört zu den sichersten Regionen in Nordrhein-Westfalen.“ Bei der Wahrscheinlichkeit (der relative statistische Wert wird auf 100.000 Einwohner hochgerechnet, um eine Vergleichbarkeit zu erzielen), in Rhein-Berg Opfer einer Straftat zu werden, rangiere der Rheinisch-Bergische Kreis auf einem „hervorragenden vierten Platz“.

Kreisweit registrierte die Polizei in 2019 insgesamt 11.335 Straftaten und damit 868 weniger als im Vorjahr (minus 7,11 Prozent). Landesweit nahm die Zahl der Straftaten um 4,25 Prozent ab. Die Aufklärungsquote betrug 53,13 Prozent (2018: 52,29 Prozent) – insgesamt klärten die Beamten 6381 Fälle auf.