Wermelskirchen Kostbarkeiten im Tausch-Regal

Wermelskirchen · Die "Give-Box" im zweiten Stock des Rathauses erfreut sich großer Beliebtheit. Die Dinge, die der Besucher dort finden kann, sind erstaunlich. Neben Büchern liegt dort beispielsweise auch mal ein Toaster bereit zum Mitnehmen.

Die obersten Reihen sind voll mit verschiedenen Büchern: Vom Horror-Roman "The Stand" von Stephan King, über Geburtsratgeber bis hin zu kryptischen Büchern wie "Schlag auf - sieh nach!". Hier findet sich einiges. Die Reihen darunter sind fast durchweg mit unterschiedlichen Kleidungsstücken gefüllt. Hosen, Hemden, Röcke oder auch Pullover. Beinah eine Kollektion ist hier zu finden. Die Rede ist von der sogenannten Give-Box im Wermelskirchener Rathaus.

Angelehnt an die Idee der öffentlichen Bücherschränke, die in vielen Städten Deutschlands zu finden sind, eröffnete die Stadtverwaltung vor rund zwei Jahren die Tausch-Box. Eine Erfolgsgeschichte, wie sich schnell herausstellte. "Die Give-Box läuft wirklich super. Innerhalb von nur wenigen Minuten wechseln hier ohne Ende Stücke den Besitzer", sagt die städtische Mitarbeiterin Christiane Beyer. Zu manchen Uhrzeiten sei der Schrank sogar ganz leer.

Neben Büchern, Kleidungsstücken und Zeitschriften gibt es auch immer wieder sehr außergewöhnliche Objekte in dem Regal zu finden. "Wir haben hier wirklich schon fast alles gehabt - Wolle zum Stricken, Kissenfüllungen und sogar kleinere wie größere elektronische Geräte", erzählt Beyer. So seien bereits ein Toaster sowie ein alter Röhrenfernseher in den Schrank gestellt worden. "Es gibt nichts, was es nicht gibt. Auch High Heels und Unterwäsche findet man schon mal in der Box", sagt Beyer. Oft kommt es nicht vor, aber hin und wieder gibt es Gegenstände, die aus der Box entfernt werden müssen. "Kaputte Geräte werden direkt aussortiert, wir wollen ja nicht als Abgabe für Elektroschrott gelten", betont Beyer. Auch verderbliche Lebensmittel sind in der Box verboten, gefährliche Objekte selbstverständlich auch. "Einmal haben wir beispielsweise ein scharfes Messer gefunden, das geht natürlich nicht." Eine wichtige Regel des Schranks ist auch, "dass Menschen, die etwas hineinstellen, nach 14 Tagen noch einmal nachschauen müssen, ob ihr Gegenstand auch abgeholt wurde. Damit keine Müllkippe daraus wird", erklärt Beyer.

Die ganze Idee der Give-Box funktioniere so gut, weil "viele Menschen ihre Dinge nicht einfach wegwerfen wollen, sondern weitergeben möchten." Die Box biete dafür die ideale Gelegenheit. Es sei ein "unproblematisches Abgeben". "Wichtig ist auch, dass jeder sich etwas aus der Box nehmen darf. Egal, ob man bedürftig ist oder nicht", betont sie. Zu finden ist der Schrank vor dem Sozialamt im zweiten Stock des Rathauses - die Give-Box ist immer zu den Öffnungszeiten der Stadtverwaltung zu erreichen.

Zu den Kernzeiten sammelt sich dort inzwischen sogar eine wirkliche Stammkundschaft. "Viele Menschen kommen oft zur Box und wissen inzwischen, wann sie wieder besonders gefüllt und vielleicht etwas Gutes zu finden ist", sagt die städtische Mitarbeiterin. Montagmorgens sei so ein Beispiel. Chaos bricht dabei im Rathaus allerdings nicht aus. "Es gibt ein paar wirklich ordentliche Menschen, die den Schrank aufräumen", sagt Beyer erfreut. Und auch sie schaut ganz gerne einmal in den Schrank - "man findet wirklich hin und wieder sehr schöne alte Bücher. Dafür stelle ich aber immer etwas rein", erzählt sie. "Und sobald ein Buch durchgelesen ist, stelle ich es wieder zurück."

(se)
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