Konzert in Wermelskirchen von „Moi et les autres“

Konzert in Wermelskirchen : Chanson-Ensemble beseelt die Zuhörer

„Moi et les autres“ sorgte im Haus Eifgen für einen begeisternden Abend mit Liedern, die teilweise in keine Schublade passen.

Wenn Zuhörer zwischen den Zeilen vergessen, wo sie sich befinden. Wenn wie von Zauberhand Bilder vom Ufer der Seine vor ihrem geistigen Augen erscheinen, von der französischen Hauptstadt, an deren Wasserader plötzlich der Eiffelturm auftaucht. Dann hat Juliette Brousset alles richtig gemacht. Dann hat die französische Sängerin aus Mannheim den richtigen Ton getroffen, mit ihren schönen Zeilen das Leben, die Liebe und das Fernweh besungen. Und dann hat Eric Dann am Akkordeon dazu die Melodien beigesteuert, die Bilder von hochbegabten Straßenmusikern in romantischen Gassen lebendig werden lassen. Sie haben gemeinsam mit dem begnadeten Gitarristen und Komponisten David Heintz gezaubert und gewitzelt, zu den Rhythmen von Schlagzeuger Simon Tobias Ostheim getanzt und das Leben gefeiert und die Basstöne von Andreas Büschelberger nachklingen lassen.

Am Ende steht fest: Ein Abend mit dem Ensemble „Moi et les autres“ lohnt sich – als Seelenschulung, als Fernreise, als musikalisches Abenteuer. Und das Publikum im Haus Eifgen, das auf Einladung der Kulturinitiative zum Konzert der Chanson-Experten gekommen war, honorierte den Auftritt der fünf Musiker am Sonntagabend. Mit Jubel und Applaus, mit einem Tänzchen auf dem Parkett und mit fröhlicher Begeisterung, wenn die Sängerin zum Mitmachen einlud. Gleich zu Beginn stellte sich heraus: Die wenigsten der Besucher sprachen französisch. Die es taten, genossen den sprachlichen Ausflug sichtlich. Den anderen entging wenig: Denn „Moi et les autres“ machte die Musik fühlbar, erzählte die Geschichten ihrer Lieder auch auf Deutsch und hatte einen alten Diaprojektor mitgebracht, mit dem sie die Lieder bebilderten.

Und die waren so bunt und vielseitig, dass sich ihr Chanson so recht in keine Schublade stecken lassen wollte. Klassische Chanson-Melodien zum romantischen Schwärmen hatte das gut aufgelegte Ensemble genauso im Gepäck, wie flotten Tango.

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Melodien aus den Anfangsjahren nach 2008 gehörten ebenso zum Programm wie die jüngsten Stücke von der neuen CD. Lieder, in denen die Finger über das Akkordeon sausten, das Schlagzeug zu Höchstleistungen gepeitscht wurde, Gitarrist David Heintz seinem Instrument völlig unerwartete Töne entlockte, gehörten ebenso dazu, wie Melodien, die völlig ohne elektronische Unterstützung auskamen.

Dann standen die fünf Musiker am Bühnenrand oder schlenderten durchs Publikum und berührten. Blumige Wiesen und lachende Kinder besang Juliette Brousset, die nicht nur mit ihrem zauberhaften Akzent, sondern mit so viel Gefühl und Talent für ihr Fach aufwartete, ebenso wie schwere Themen.

„Solange Menschen auf dem Mittelmeer ertrinken, singen wir dieses Lied“, erklärte die Sängerin irgendwann. Und was dann folgte, sprengte mal wieder eine Chanson-Schublade. Der Synthesizer kam zum Einsatz, der Text wurde nur noch sparsam eingesetzt. Stimmen, Instrumente, Melodien: Sie klagten. Der Jubel verklang, aber der Applaus wollte kaum ­abreißen. „Moi et les autres“ begeisterte – und zeigte einmal mehr, warum die Kulturinitiative so wertvoll ist.

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