Knapp 500 Besucher bei Dieter Nuhr

Ausverkaufte Kattwinkelsche Fabrik in Wermelskirchen : „Kein Scherz“ – Nuhr ausverkauft

Mit seinem neuen Programm bricht Dieter Nuhr bei seinem Auftritt in der Katt erneut eine Lanze für das Nachdenken und Hinterfragen.

Vermeintliche Schwarm-Intelligenz, Massen-Wissen und -Hysterie oder gar gängige Mainstream-Meinungen sind seine Sache nicht – damit beliebt die unaufgeregt-entspannte Speerspitze des deutschen Kabaretts nicht zu scherzen. In seinem neuen Programm „Kein Scherz“ bringt Dieter Nuhr den Irrwitz aktueller Diskussionen auf den Punkt – pointiert, durchgerechnet, humorvoll vereinfachend, aber nie simpel.

Der erfolgreiche Kabarettist schlägt dem Publikum verbal um die Ohren, dass das Dasein nicht einfach ist: „Das eine Problem gelöst, prompt kommt das nächste – das nennt man Leben.“ Mit „Kein Scherz“ tritt Nuhr abermals den Beweis an, dass Denken Spaß macht und die Wirklichkeit lustiger als jeder Witz ist. Den scharfzüngigen Worten Nuhrs entkommt keiner: Das sprachliche Gender-Ungetüm steht genauso in Nuhrs Schusslinie wie die klimawandelnde Greta, die AfD, die Wut-Bürger oder die Forderung nach einem Tempolimit.

Knapp 500 Besucher füllten die bestuhlten Bogenbinderhalle der Katt, als Dieter Nuhr seinen zweistündigen Auftritt mit einem Loblied auf unser System startet: „Man darf hier alles sagen, wir haben totale Meinungsfreiheit. Man darf als AfD-Mitglied in jeder ARD-Talkshow sagen, dass Eins und Eins gleich Drei ist.“ Zwei sei da eine Mainstream-Lösung: „Nirgendwo gibt es diese Freiheit, die unsere Rechten und unsere Linken so verachten – ich bin ein überzeugter Verfechter dieser Demokratie.“ Damit nicht genug: „Was wollen Wut-Bürger überhaupt? Die Politik ist nicht dafür verantwortlich, wenn ihr Duschvorhang schimmelt.“

Gleich zu Beginn erteilt Nuhr sprachlichen Kapriolen humorvoll eine Absage: „Dieses Programm ist ‚unge-gendert‘, um Minuten, Minutinnen und Minutenden zu sparen.“ Das Thema Klimawandel, das Nuhr schon mehrfach in die Diskussion gebracht hat, ließ er auch in der Katt nicht aus: „Wir können nichts tun. Zwei Prozent der Treibhausgase stammen aus Deutschland. USA, Indien und China müssen mitmachen.“ Der Klima-Aktivistin Greta schrieb Nuhr gar diktatorische Züge eines Hitlers oder Stalins zu und dachte seine Einschätzung laut durch: Wenn der Welthandel zugunsten des Klimas gestoppt würde, könnten vielleicht zwei Milliarden Menschen biologisch subsidiär mit Nahrung versorgt werden. „Ich fürchte, dass wir keine fünf Milliarden Menschen finden, die freiwillig ableben würden. Wer wählt die dann aus – macht das Greta selbst?!“ Da blieb manch einem Besucher das Lachen im Hals stecken.

Auflockernd ruft Nuhr dem Publikum entgegen: „Ganz andere Dinge entscheiden über Ihre Lebenserwartung. Die Entfernung zum nächsten Krankenhaus und ob die jemand mit dem Diesel oder mit dem Lastenfahrrad dorthin fährt.“ Logischerweise müssten Landstraßen in Autobahnen umgebaut werden. Das würde im Gegensatz zu einem Tempolimit zur Sicherheit beitragen, weil schließlich 56 Prozent der Verkehrstoten auf Landstraßen verunfallen, stellt Nuhr fest. Und fügt an: „Wir wollen die ganze Welt von Plastik befreien, das ist zu viel für uns. Das mit der ganzen Welt hat bei uns Deutschen noch nie hingehauen.“ Schlussfolgernd erkennt er zum Ende von „Kein Scherz“: „Der Verstand hat den Menschen den Tieren überlegen gemacht. Jetzt wird sich zeigen, ob der ausreicht, dass der Mensch seinen eigenen Erfolg überlebt.“

Mehr von RP ONLINE