Serie "Für Die Kirche Aktiv": Klingeln, klönen und Freude verbreiten

Serie "Für Die Kirche Aktiv": Klingeln, klönen und Freude verbreiten

Brigitte Ramm engagiert sich schon lange für den Besuchsdienst der Evangelischen Kirchengemeinde. Im Advent hat sie besonders viel zu tun.

Für Brigitte Ramm beginnt in den nächsten Wochen die Hochsaison: Im Advent besuchen die Mitarbeiter der Evangelischen Kirchengemeinde alle Gemeindeglieder über 80 Jahre. 20 Besuche übernimmt Brigitte Ramm. "Das ist ein straffes Programm", sagt sie, "denn der Advent ist in diesem Jahr kurz." Im Durchschnitt bedeutet das: ein Besuch an jedem Wochentag. Aber Brigitte Ramm wird keinen Namen auf ihrer Liste auslassen, wird keinen Termin versäumen. Schließlich zählen die Menschen auf sie. Viele erwarten ihren Besuch inzwischen, kochen Kaffee und backen Kuchen, wenn sich Brigitte Ramm ansagt. Und die nimmt sich Zeit für ein Gespräch. Keiner solle das Gefühl haben, alleine zu sein, sagt sie. Und es sei ihr wichtig, in der Adventszeit auch einen Gruß der Kirche zu überbringen. Vier Mal im Jahr trifft sie sich mit ihren Kolleginnen vom Besuchsdienst und plant die Einsätze.

Als Brigitte Ramm damals mit dem Besuchsdienst begann, da war sie nicht so routiniert wie heute. Da waren ihr manche Türen noch fremd. "Aber du lernst damit umzugehen, wenn du auch mal abgekanzelt wirst", sagt sie. Wenn Menschen ihren Besuch nicht wollen, dann sei das inzwischen völlig in Ordnung für sie. "Und manchmal gebe ich Karte und Geschenk auch nur an der Tür ab", erzählt Brigitte Ramm. Aber bei ihrem ersten Einsatz traf sie auch auf viele bekannte Gesichter: Menschen, die ihr bereits in der Gemeinde begegnet waren - in ihrer Kindheit, als sie in den Kindergottesdienst ging oder ihn später leitete. Menschen öffneten die Tür, die lachend riefen: "Du bist doch Otto seine Tochter." Inzwischen gibt es nur noch wenige Überraschungen, wenn Brigitte Ramm an den Türen der Menschen klingelt. Im Gepäck hat sie dann nicht nur die Karten der Pfarrer aus dem Ostbezirk und ein kleines Geschenk, sondern immer mal wieder auch selbst gekochte Marmelade. "In diesem Sommer habe ich 33 Gläser Mirabellen-Marmelade gekocht", erzählt Brigitte Ramm. Und die verschenkt sie großzügig - im Advent, aber auch wenn sie die älteren Gemeindeglieder zu deren Geburtstagen besucht. Vieles hat sich eingespielt: Zum Beispiel, dass ihr Mann häufig den Taxi-Dienst für sie übernimmt und dass der letzte Besuch am 23. Dezember immer bei der gleichen Dame stattfindet - die feiert an diesem Tag nämlich auch noch Geburtstag. "Und ich versuche, immer auch den letzten Weg mitzugehen", sagt Brigitte Ramm. Dann besucht sie Beerdigungen, nimmt Abschied von den Menschen, an deren Türen sie so oft geklingelt hat. "Wenn ich fröhliche Momente teile, dann auch die Traurigen", sagt sie.

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Inzwischen ist Brigitte Ramm selbst 74. Aber sie hilft noch immer, wo sie gebraucht wird. "Ich habe da so einen Sprachfehler", sagt sie und lacht, "ich kann nicht Nein sein sagen." Jungschar, Mädchenkreis, Frauenkreis, unzählige Sketch-Einsätze auf der Bühne und Termine, an denen sie zu Jubelkonfirmationen Kaffee ausschenkte, 30 Jahre Unterstützung beim Gemeindebasar und treue Besuchsdienst-Helferin: "Ich mache Menschen einfach gerne eine Freude", sagt sie. Und dafür verzichtet sie dann auch gerne auf ihr letztes, eigenes Glas Mirabellen-Marmelade.

(resa)