Wermelskirchen: Klimakiller nicht reduziert

Wermelskirchen: Klimakiller nicht reduziert

Dicke Luft in der Region und eine schlechte Botschaft in Zeiten drohenden Dieselfahrverbots: Der Rheinisch-Bergische Kreis - und damit auch Wermelskirchen - hat Ziele des integrierten Klimaschutzkonzeptes nicht erreicht - im Gegenteil.

Die CO2-Belastung ist in der Region nicht gesunken, sondern sogar noch angestiegen. Das Treibhausgas gilt als Klimakiller, das zur Erderwärmung beträgt, Polkappen und Gletscher schmilzen lässt. Locker lassen wollen die acht beteiligten Kommunen aber auf keinen Fall: Das Klimaschutzkonzept soll in Zusammenarbeit mit den beteiligten Akteuren fortgeschrieben werden, Szenarien angepasst und konkrete Maßnahmen umgesetzt werden - dem stimmte am Dienstag auch der Umweltausschuss der Stadt Wermelskirchen in seiner Sitzung zu. Es geht auch um die Themen "Wärme" und "Mobilität/Verkehr". Außerdem soll ein Antrag auf weitere Förderung der Stelle des Klimaschutzmanagers gestellt werden.

Zum Start im Juli 2013 waren Zukunftsszenarien entwickelt worden. So sollte bis 2030 soll der CO2-Ausstoß gegenüber den Messwerten von 1990 um 58 Prozent gesenkt werden. Doch habe sich zum Beispiel gezeigt, dass sich der Einsatz von Windenergie nicht in dem Maß umsetzen lasse, wie angenommen, sagte Gerhard Wölwer, Dezernent für Umwelt und Planung bei der Kreisverwaltung, in seinem Vortrag. Der Grund: Die Bebauung ist zu dicht, vorschriftsmäßige Abstände können nicht eingehalten werden. Außerdem gebe es Schutzgebiete, in denen keine Windräder errichtet werden dürfen. Im Kreis könne nur eine Anlage neu errichtet werden. Unterm Strich müsse das integrierte Klimaschutz-Konzept überarbeitet und angepasst werden.

Andere Maßnahmen sollen greifen wie Ausbau von Photovoltaikanlagen auf Dachflächen (statt 35 Prozent werden 70 Prozent angestrebt), Biomassen- und Sonnenenergienutzung. Eine Wärmewende solle eingeleitet werden. Denkbar seien Wärmeverbundsysteme, ein Ausloten der Sonnenenergie-Potenziale durch ein Solardachkataster, das heißt, eine Auflistung, wo sich ein Solardach lohnt, und Energieeffizienz-Beratung vor Ort wie sie zum Beispiel durch Thermographie-Angebote bereits läuft.

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Dabei wird durch Wärmebildkameras aufgezeigt, wo die Energielecks im Hause stecken. Geplant sei zum Beispiel auch ein energieautarkes Gewerbegebiet im Kreis. Das sind einzelne Bausteine, die in der Summe der Energieeinsparung und -gewinnung - somit dem Klimaschutz dienen sollen.

Weil rund 40 Prozent des CO2-Ausstoßes durch Straßenverkehr verursacht werden, richten sich alle Augen auf eine Mobilitätswende. "Wir haben einen höheren Energieverbrauch durch größere Autos und mehr Verkehr. Das führt zu mehr CO2-Emissionen", zog Wölwer Bilanz. In diesem Bereich lasse sich der Luftschadstoff aber deutlich reduzieren. Helfen soll dabei das ebenfalls bereits beschlossene Mobilitätskonzept, das schrittweise umgesetzt werden soll. So sind Mobilitätsstationen geplant, die das Umsteigen vom Auto auf andere Verkehrsmittel erleichtern soll: Die Projektidee beruht darauf, in den Kommunen Verknüpfungspunkte verschiedener Verkehrsmittel einzurichten, um Bürgern den Wechsel von Verkehrsmitteln zu vereinfachen und flexible Verkehrsangebote anzubieten. Ziel ist es, ein Netz von Mobilstationen einzurichten, die aus unterschiedlichen Bausteinen zusammengesetzt werden. Dazu zählen etwa ein Pedelecs-Verleihsystem, Carsharing oder Ladesäulen für Elektrofahrzeuge.

"Mit dem Kauf von wasserstoffbetriebenen Busse hat der Kreis eine Vorreiterrolle eingenommen", merkte Ausschussvorsitzender Martin Bosbach (CDU) an. Angesichts der erschreckenden Zahlen über den CO2-Anstieg warnte Hans-Jürgen Klein (Grüne) vor einer Flickschusterei und appellierte: "Wir müssen Verkehr generell neu denken. Das Auto sollte nur noch in Ausnahmefällen genutzt werden." Sowohl Dr. Jürgen Scherkenbeck (SPD) als auch Dr. Bernhard Meiski (CDU) sahen sogar eine Verschärfung der Klimasituation nach dem Dieselurteil: Mehr Menschen würden auf Benziner umsteigen, dies würde zu einer höheren CO2-Belastung führen.

(pd)