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Wermelskirchen: Klettergarten ohne Perspektive

Wermelskirchen : Klettergarten ohne Perspektive

Gundel Ehlis hat mit Wermelskirchen abgeschlossen. Die Anlage wird aber nicht abgebaut. Neustart in Hückeswagen bereits am 20. März. Das Gewerbe wird sie hier abmelden. Neue Arbeitsplätze in der Nachbarstadt.

Der Hochseilgarten in Zurmühle gehört der Vergangenheit an. Gundel Ehlis blickt jetzt zuversichtlich nach Hückeswagen, wo sie ihren neuen Klettergarten am 20. März eröffnen will. "Wir werden auch das Gewerbe in der Nachbarstadt anmelden", zog sie letztlich den Schlussstrich unter den Hickhack mit der Stadtverwaltung. "Dann werden wir nur noch in Hückeswagen Gewerbesteuer zahlen und dort auch neue, vor allem auch mehr Arbeitsplätze schaffen."

Mit der Entscheidung des Stadtrates, das Bauleitverfahren einzustellen, war das Ende des Klettergartens im September besiegelt worden. Denn die Durchsetzung der gerichtlichen Ordnungsverfügung, die Anlage zu schließen, war nur durch das begonnene Verfahren aufgeschoben. Die Einstellung des Verfahren erfolgte, weil es mit den Anliegern nicht zu einem Konsens gekommen war. Der Betreiberin wurde lediglich eingeräumt, noch bis zum Jahresende ihre Verträge mit Kunden zu erfüllen, ehe der Hochseilgarten geschlossen wurde.

Zu hohes Risiko

Dass Ehlis weiterhin an Wermelskirchen hängt, machte sie gestern im BM-Gespräch deutlich. Sie habe erst jüngst noch mit dem Technischen Beigeordneten Dr. Prusa über mögliche Standorte im Gewerbegebiet gesprochen. Die hatte die Stadtverwaltung vorgeschlagen. Letztlich habe sie die Verwaltung aufgefordert, ihr mal Konkretes zu unterbreiten, was kurzfristig und ohne für sie kostspieliges Verfahren realisiert werden könnte. "Denn wer investiert heute, wo er das Risiko nicht einschätzen kann?"

Vorgeschlagen hatte Dr. Prusa zwei Grundstücke im Industriegebiet: Einmal gegenüber dem Verwaltungssitz von Obi sowie neben dem Getränkemarkte — beide an der Albert-Einstein-Straße gelegen. "Bei einem Grundstück waren die Bäume dafür nicht geeignet, das andere Grundstück war zu klein. Da hätten wir gerade fünf Stationen aufbauen können."

Abbauen wird Ehlis die Anlage in Zurmühle aber nicht. Ob sie noch Hoffnung hat, dass sich die Einstellung einiger Zurmühle-Anwohner ändert? Das ließ sie offen. "Das Material ist einfach nicht verwendbar in Hückeswagen. Es wurde an die Bäume in Zurmühle angepasst", argumentierte sie. Dort "hangelten" die Besucher an den Seilen zwischen 16 Holzplattformen hoch in den Bäumen — in Hückeswagen startet Ehlis mit 20 Holzplattformen. Nach ihrer Vorstellung soll der Klettergarten dann aber zügig auch erweitert werden. Geplant sind Kinderstationen sowie eine Einzelstation fürs Teamtraining. "Kunden haben schon Termine für April in Hückeswagen gebucht."

"Die Zeit läuft davon"

Sie sei nach wie vor sehr traurig, dass sie sich von Wermelskirchen verabschieden müsse. "Es ist schade für die Jugendlichen und die Bevölkerung, aber die Stadtverwaltung will uns nicht", so ihr Fazit der vergangenen Jahre. Überall würden inzwischen Hochseilgärten entstehen — wenn "die Verantwortlichen in Wermelskirchen irgendwann mal soweit sind", sei es für diese Stadt zu spät. Wermelskirchen laufe die Zeit weg. "Die Stadt ist auf uns angewiesen, wir nicht auf sie. Wir können überall hingehen", legte Ehlis ihre gute Ausgangsposition dar: "Andere Städte auch aus der Region haben bereits nachgefragt und Angebote gemacht. Da geht so etwas. Warum in Wermelskirchen nicht?"

(RP)