1. NRW
  2. Städte
  3. Wermelskirchen

Kirchen schränken Abendmahl ein

Auswirkungen von Corona in Wermelskirchen : Kirchen schränken Abendmahl ein

Im Kirchenkreis gibt es keine einheitliche Lösung. Hoteliers stehen vor „sehr angespannter Situation“: Kurzarbeit droht.

Das Coronavirus macht nicht vor der Kirchentür halt. Das haben in den vergangenen Tagen viele Gläubige in den katholischen und evangelischen Gemeinden auch in Wermelskirchen zu spüren bekommen. Pfarrer Michael Knab von St. Michael und St. Apollinaris: „Mit der fortschreitenden Infektionsrate verändern sich tagtäglich die Verhaltensregeln.“

Seit 14 Tagen wird in der katholischen Kirche beim Friedensgruß auf körperliche Berührung verzichtet – es gibt weder Handschlag noch Umarmung. Auch das Weihwasser als mögliche Infektionsquelle wurde aus dem Becken entfernt. Beim Kommunionempfang wird die Hostie auf die Hand gelegt und nicht mehr in den Mund; bei der Kelchkommunion trinkt nur noch der Priester aus dem Kelch. „Wenn mehrere Personen aus dem Kelch trinken, könnte das ein direkter Übertragungsweg sein“, sagt Knab.

Auch der Kollektenbeutel wird nicht mehr von Hand zu Hand durch die Reihen gereicht – er wird künftig im Mittelgang stehen. Gottesdienste werden gegenwärtig nicht abgesagt, wohl aber Veranstaltungen wie ein Kirchenkonzert in Burscheid.

Ähnlich sieht die Situation auch in der evangelischen Kirche aus. Superintendent Pfarrer Hartmut Demski: „Wir ringen um eine einheitliche Lösung. Bislang gibt es nur die verschiedenen Entscheidungen der unterschiedlichen Presbyterien.“ So hat lediglich die Kirchengemeinde Lennep eine Abendmahlfeier abgesagt, er selbst habe am Sonntag in der Stadtkirche auf das Austeilen von Wein verzichtet und nur Brot ausgegeben. Ähnlich verfahren nach seinen Informationen auch Dabringhausen, Eipringhausen und Neuenhaus. „Das ist hygienischer“, sagt er. Das Abendmahl habe gerade in der Passionszeit und Ostern eine große Bedeutung. „Wir wollen mal schauen, wie es weitergeht.“ Vor Panik sollten sich die Menschen hüten, aber diesen Virus auch nicht auf die leichte Schulter nehmen. „Wir sollten uns nicht fragen, wie wir uns anstecken könnten, sondern wie wir verhindern, das Virus zu übertragen und dabei an Alte und Risikopersonen denken.“

Sehr angespannt ist die Situation für die heimischen Hoteliers. Christian Warnke (Hotel „Zum Schwanen“): „Wir haben einen Komplettausfall der Messegäste, auch Firmen stornieren zunehmend die Betten für ihre Geschäftskunden. Davon leben wir aber letztlich, und das macht sich jetzt bemerkbar.“ Er schätzt, dass 50 bis 60 Prozent der gebuchten Zimmer bislang wegen des Coronavirus storniert wurden.

Anders sei es da im Restaurantbereich. Da verzeichnet der Inhaber keine Einbrüche. „Wir im Gastgewerbe haben sowieso schon einen hohen hygienischen Standard. Da ist Händewaschen einfach Pflicht.“ Er sieht harte Wochen und Monate auf das Gastgewerbe zukommen.

Nicht nur Messegäste stornieren im Hotel „Zur Eich“. Mit der Absage von Veranstaltungen wie in der Katt und im „Haus Eifgen“ verliert Tina Jörgens auch diese Kunden. „Und dann hat auch noch eine Tagungsgruppe mit 25 Personen, die Ende April kommen wollte, abgesagt.“ Dazu sagen auch Übernachtungsgäste ab, die privat hier feiern wollten. „Es wird von Tag zu Tag schlimmer“, sagt die Inhaberin. „Wir werden wohl Kurzarbeit anmelden für unsere 13 Mitarbeiter“, kündigte Tina Jörgens im Gespräch an. Sie hat dazu nächste Woche einen Termin in Köln.

Die betriebswirtschaftliche Situation, ausgelöst durch das Coronavirus, hat wohl auch Auswirkungen auf große Investitionen. Tina Jörgens: „Ich überlege im Moment, die zweite Dachsanierung zu verschieben. Ich möchte nicht unsere Liquidität einschränken, da nicht absehbar ist, wie lange diese Auswirkungen des Coronavirus anhalten.“