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Kinderyoga-Kursus in Dabringhausen

Kinderyoga-Kursus in Dabringhausen : Wenn sich Kinder in Delfine verwandeln

Beim Kinderyoga entdecken schon die Jüngsten eine Methode, um zur Ruhe zu kommen. Spielerisch versteht sich. Das sei im lauten Alltag zuweilen eine große Hilfe, weiß Yoga-Lehrerin Vanessa Wiemann.

Elisa schwingt ihre Beine in den Lotossitz und legt die Handflächen gegeneinander. „Nase in den Tee“, sagt die Siebenjährige dann und atmet tief durch. Es macht gar nichts, dass Carlotta nebenan ein bisschen kichert, weil sie die gar nicht so indische Begrüßungsformel so gerne mag. Oder dass Toby gerade das Gleichgewicht verliert und auf die grüne Yoga-Matte kippt. Elisa mag diesen Moment der Ruhe, wenn die Yogastunde beginnt. Sie mag es, auf ihre Atmung zu hören und ihre Arme und Beine in die bereits vertrauten Figuren zu bringen.

Als sie die Augen wieder öffnet, streicht Vanessa Wiemann gerade über die Klangschale. Es ist ein dumpfes Geräusch, das sich einen Weg durch den kleinen Raum im Obergeschoss im Markt 57 in Dabringhausen sucht. Und jedes der acht Kinder, das mit Yoga-Lehrerin Vanessa Wiemann auf den Matten im Kreis Platz genommen hat, darf diesen Ton einmal durch den Raum schicken. Die einen schlagen kurz und kräftig, die anderen erzeugen den Ton durch ein sanftes Streichen. Jeder auf seine Art. Immer mal wieder streichen die Hände über den lustigen Yoga-Frosch aus Ton in der Mitte, dessen Krone ein bisschen wackelt.

Nicht jedem der Kinder gelingt es gleich gut, zur Ruhe zu kommen. Dann holt Vanessa Wiemann die Gefühlskarten aus der kleinen Schachtel und die Mädels und Jungs stürzen sich auf die Symbolbilder. Hier und da entbrennt ein kleiner Streit, bevor die Kinder zu erzählen beginnen – vom Tod des Großvaters, vom Ärger in der Schule, von der besten Freundin.

„Ich finde es wichtig, dass Kinder lernen, ihre Gefühle einzuschätzen und zu verbalisieren“, wird Vanessa Wiemann später erklären. Und deswegen hört sie an dieser Stelle einfach nur zu, ohne zu bewerten oder nachzufragen. Die Kinder erzählen, was sie erzählen wollen. Danach landen die Karten wieder in der Schachtel und die Yoga-Lehrerin nimmt die Runde mit auf eine Reise, auf der sie Schildkröten und Delfinen begegnen, Schmetterlingsschwärmen, Seeadlern und alten Bäumen mit großen Kronen. Und weil die Kinder inzwischen kleine Yoga-Profis sind, entdecken sie in den Erzählungen von Vanessa Wiemann schnell vertraute Yoga-Figuren. Sie verwandeln sich in Tiere, halten mal mehr oder mal weniger gekonnt das Gleichgewicht, sind mal ganz ernsthaft bei der Sache und beginnen dann wieder fröhlich vor sich hin zu kichern.

Vanessa Wiemann reagiert in aller Ruhe. Das ist ihre Philosophie. „Ich habe den Eindruck, dass Kinder heute unter Freizeitstress leiden“, sagt sie später. Schon die erste Klasse setze hohe Anforderungen an die Jungen und Mädchen, die Tage seien oft vollgepackt. „Ich bin aber der Überzeugung, dass sich Kindern nicht nur auspowern müssen, sondern auch entspannen“, ergänzt sie. Und dabei will sie den Jungen und Mädchen helfen. Das habe auch viel mit Koordination und Körperbewusstsein zu tun, aber auch damit, Stille auszuhalten in einer häufig reizüberfluteten Welt. Atem- und Konzentrationsübungen bringt sie den Kindern bei. „Und wenn ihr mal ganz aufgeregt oder ängstlich seid, dann könnt ihr diese Übungen ausprobieren und euch selbst beruhigen“, erklärt sie.

Bevor die Gruppe wieder in den Alltag saust, lädt die Yoga-Lehrerin noch zur Entspannung ein. Und jetzt werden selbst die Wildesten ganz ruhig und beginnen, mit bunten Steinen Muster auf die Rücken ihrer Freunde zu legen, die es sich auf der Yogamatte gemütlich gemacht haben. Es wird ganz leise im Raum, nur eine sanfte Musik begleitet die Kreativität. Dann enden Musik und Yogastunde und die Kinder laufen fröhlich die Stufen hinunter, um auf dem Kirchhof zu toben.