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Kindergärten in Wermelskirchen: Eltern suchen in Corona-Zeiten Antworten

Einsatz als Jugendamtselternbeirätin : Eltern suchen Antworten in Corona-Zeiten

Seitdem die Kindergärten in der Stadt wegen der Corona-Pandemie schließen mussten, häufen sich die Anfragen bei Jugendamtselternbeirätin Sarah Cardace. Sie will den Eltern mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Keine Stunde, nachdem die Landesregierung im März die Schließung der Kindertagesstätten angekündigt hatte, piepste bei Sarah Cardace das Handy. Der erste Elternbeirat eines heimischen Kindergartens hatte Fragen zusammengestellt: Wer würde die angekündigte Notbetreuung wahrnehmen dürfen? Wie würde sich die neue Situation auf die Kindergartengebühren auswirken? Und welche Möglichkeiten würde es für Alleinerziehende geben, auf die Situation zu reagieren?

Seitdem ist das Handy nicht mehr zur Ruhe gekommen – und Sarah Cardace auch nicht. Denn die zweifache Mutter nimmt ihr Amt als Jugendamtselternbeirätin ernst, erst Recht in diesen besonderen Zeiten. „Als ich zur Wahl antrat, wusste natürlich niemand, was da auf uns zukommen würde“, sagt sie. Damals hatte Sarah Cardace versprochen, das Amt wieder mit Leben zu füllen. Sie war bei den Elternbeiräten der Kindertagesstätten vorstellig geworden und hatte angeboten, die Brücke zu Bürgermeister, Jugendamt und Verwaltung zu sein. Und: Sie habe keine Angst davor, bei den zuständigen Stellen nachzufragen und Lösungen zu suchen.

Daran erinnerten sich die Elternbeiräte spätestens an jenem Tag, als Corona für die Schließung der Einrichtungen sorgte. Da hatte Sarah Cardace bereits WhatsApp-Gruppen mit den Elternbeiräten gegründet und stand in engem Kontakt mit den Eltern. „Ich habe sofort eine Mail an den Bürgermeister gesendet. Mit allen unseren Fragen“, erzählt Sarah Cardace. Noch am gleichen Abend kam eine Antwort.

Und auch wenn die – den Umständen geschuldet – noch wage war, fühlten sich die Elternbeiräte doch gehört und wahrgenommen, sagt die Beirätin. Die Antworten kamen dann tröpfchenweise. „Und sobald ich sie hatte, leitete ich sie an die Elternbeiräte weiter“, erzählt Cardace. Das galt für die erste Liste der „systemrelevanten Berufsgruppen“, für alle Neuerungen und Lockerungen.

Das galt auch für die erleichternde Information, dass die Stadt den Eltern die Kindergartenbeiträge erlassen würde. „Es gibt auch weiterhin offene Fragen, bei denen wir einfach ein bisschen Geduld brauchen“, sagt Sarah Cardace und denkt etwa an die Eltern, die gezwungen sind in der Krise Urlaub zu nehmen und sich um künftige Schließtage in den Einrichtungen sorgen, die ihnen dann zum Verhängnis werden könnten, weil der eigene Urlaub wegfällt. „Da sind wir im Gespräch mit der Stadt“, sagt die Jugendamtselternbeirätin.

Das sind die großen Themen, bei denen sie nachfragt, nachhakt und als Brücke zwischen den einen und den anderen fungiert. „Und dann gibt es noch Eltern in persönlichen Notsituationen, die sich bei mir melden“, erzählt sie. Das kommt dann vor, wenn sich Mütter oder Väter nicht trauen, selbst den Kontakt zum Jugendamt zu suchen. Oder wenn sie nicht wissen, wie sie ihr Anliegen formulieren sollen oder welche Rechte sie haben. Dann rufen sie bei Sarah Cardace an. Und sie versucht in vielen Fällen zu helfen.

Wie bei der jungen Mutter, die sich von ihrem Mann getrennt hatte und unsicher war, ob sie schon als alleinerziehend gelten würde und damit die Notbetreuung in Anspruch nehmen könnte. Sarah Cardace fragte nach, verwies die Frau in Not schließlich an die Kindertagesstätte und freute sich, als die Familie einen Platz zur Notbetreuung bekam. Oder der Anruf einer Mutter, die sich finanzielle Sorgen machte, weil sie ihr Kind nun Zuhause hatte und für ein gutes Essen sorgen wollte, Kindergartengebühren und Versorgungsgeld aber trotzdem anstanden. „Den Fall habe ich anonym in meinem großen Fragenpaket an den Bürgermeister gleich mitgeschickt“, erzählt Cardace. Inzwischen steht fest, dass die Gebühren für April und Mai ausgesetzt würden.

„Mütter und Väter leisten in diesen Wochen Zuhause eine anspruchsvolle Aufgabe“, weiß die Jugendamtselternbeirätin. Auf jede Lockerung werde mit Erleichterung reagiert. „Eltern, die einen Anspruch auf die Notbetreuung haben, nehmen den auch wahr“, sagt sie, „um die eigene Arbeit wieder erledigen zu können, aber auch weil wir sicher sind, dass den Kindern der Besuch in den Kindertagesstätten gut tut. Wir haben gesehen, wie sich die Kinder verändern.“

Aber immer noch seien die meisten Jungen und Mädchen Zuhause – ohne Anspruch auf Notbetreuung. Elternpaare, Alleinerziehende und Pflegeeltern: Neben dem eigenen Homeoffice würden dann Homeschooling und Homekindergarten anstehen. „Dafür verdienen sich die Familien ein Danke“, sagt Sarah Cardace.

Und gleiches gelte auch für die Erzieherinnen, die in der Notbetreuung im Einsatz seien und sich viele Mühe geben würden, um den Kontakt zu den Kindern Zuhause zu halten. „Halten Sie durch“, appelliert Sarah Cardace. Und bietet sich einmal mehr als Gesprächspartnerin an.