Zirkusprojekt in Wermelskirchen: Kinder verwandeln sich in kleine Artisten

Zirkusprojekt in Wermelskirchen : Kinder verwandeln sich in kleine Artisten

Die Haiderbach-Schüler verbringen ihre Vormittage seit Montag im Zirkuszelt. Sie bereiten vier große Shows vor.

Lenny setzt langsam einen Fuß vor den anderen. Der Achtjährige blickt hochkonzentriert auf das dünne Drahtseil unter seinen Füßen. Auf seinen Schultern hat Moritz (7) Platz genommen. Das macht die Herausforderung noch größer. Aber Lenny zeigt Nerven – wie ein großer Artist. Er schreitet bedacht über das Seil, während Michelle Maatz vom Zirkus-Team ihm eine dünne Stange zum Halt anbietet. Dann grinst der Achtjährige über das ganze Gesicht. „Zirkus ist einfach cool“, stellte er fest. Und da stimmen ihm die kleinen Artisten aus der Drahtseilgruppe lautstark zu.

„Hier bekommen wir die Chance, auch mal selber aufzutreten“, sagt auch Leni (8). Und dieser Perspektivwechsel gefällt den Kindern der Grundschule Am Haiderbach, die seit Montag den Schulalltag ins Zirkuszelt verlegt haben. Und das nehmen nicht nur die Schüler, sondern auch die Teammitglieder vom Mitmachzirkus Proscho ernst. „Die Kinder lernen in diesen Tagen auch, dass im Zirkus Disziplin wichtig ist“, sagt Pascal Maatz, „und sie stellen sich den Herausforderungen.“ Das gilt für die Jüngsten, die sich kurzerhand in kleine Löwen verwandeln und Wippen, Rutschen und Reifen überwinden. Das gilt aber auch für die Kinder, die die Kunst des Hulahoops lernen, Bodenakrobatik ausprobieren, bei der Glas-Balance ihr Können zeigen, am Trapez oder bei den Clowns. Jedes der Kinder aus Hünger und Tente hat vor dem großen Zirkusprojekt einen Wunschzettel ausgefüllt und trainiert nun in einer der Gruppen für die große Show. „Am besten gefällt mir die Musik“, sagt Elia, „dann tanzen die Löwen und bekommen Ärger vom Dompteur.“ So viel sei verraten: Am Ende schwingt Dompteur Marcel Maatz auch selbst das Tanzbein – sehr zur Freude seiner kleinen Löwen. Freitag schlüpfen die Kinder dann zum ersten Mal in ihre Kostüme und proben das letzte Mal vor ihrem großen Auftritt.

Vorfreude und Aufregung liegen schon jetzt in der Luft. „Die Kinder sind mit Feuereifer dabei“, stellt Lehrerin Andrea Malischke fest. Sie hätten die Chance, sich selbst mal in einer ganz anderen Situation zu erleben. „Und es ist toll zu sehen, wie sie sich den Herausforderungen stellen und über sich hinauswachsen“, sagt sie. Und dann erzählt sie von einer ihrer Schülerinnen, die sich im Sportunterricht nicht an den Purzelbaum wagte. Auch im Zirkus sei das zuerst ein Problem gewesen. „Aber dann hat sie sich überwunden“, sagt Andrea Malischke, „das war ein Riesen-Moment.“ Sie stelle fest, dass Kinder lange von der Arbeit im Zirkus zehren. „Und für uns kommt dazu, dass sich die Jungen und Mädchen der beiden Schulen in Hünger und Tente begegnen“, sagt sie, „und dass auch Freundschaften über Klassengrenzen hinaus entstehen.“ Ein Gewinn auf ganzer Linie.

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