Wermelskirchen: Kinder verwandeln sich in Akrobaten

Wermelskirchen: Kinder verwandeln sich in Akrobaten

Die Mädchen und Jungen der Dhünntalschule proben seit Dienstag für ihren großen Auftritt in der Manege. Für heute r laden sie zu Zirkus-Aufführungen ein. Alle vier Jahre macht der Spielezirkus Station in der Verbundschule.

Mathilda setzt konzentriert einen Fuß vor den anderen. Die Achtjährige balanciert über ein dünnes Seil. Da ist Vorsicht geboten. Erst klettert sie durch einen Reifen, dann versucht sie sich vorsichtig an einer Verbeugung. Die Grundschülerin ist eines von rund 290 Kindern, die sich an der Dhünntalschule in diesen Tagen in Akrobaten verwandeln. Gemeinsam mit dem Team vom Kölner Spielezirkus proben die Mädchen und Jungen für ihren großen Auftritt am heutigen Freitag. Die Schule lädt zu drei Zirkus-Vorführungen in die Mehrzweckhalle ein.

Und dann wird auch Mathilda in ihr schmuckes Kostüm schlüpfen, ins Publikum strahlen und über das Seil spazieren, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Aufgeregt? "Nein, ich bin Tanzmariechen", sagt die Achtjährige, "ich habe keine Angst vor dem Publikum." Allerdings weiß sie auch, dass der Weg zum erfolgreichen Auftritt über das Training führt. Und deswegen nimmt sie in ihrer Gruppe jede Gelegenheit wahr, auf dem Seil neue Tricks auszuprobieren. Fast nur Mädchen haben sich dafür entschieden, Seiltänzer zu werden. Während vor allem bei den Clowns die Zahl der Jungs überwiegt. Bevor sich die Kinder für eine der sechs Zirkus-Gruppen entscheiden mussten, durften sie in die Angebote reinschnuppern. Akrobatik und Jonglage, Balancieren, Fakire, Clowns und die Feuershow standen zur Auswahl. Am Ende konnte sich zwar nicht jedes Kind seinen großen Traum erfüllen, aber alle fanden einen Platz. Eltern und Lehrer, die bereits am Montag zu Zirkus-Experten ausgebildet wurden, begleiten die Kinder seitdem und trainieren für den großen Auftritt.

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Besonders brenzlig geht es in der Feuergrupppe zu. Drei Regeln bringt Hendrik Heubach vom Spielezirkus den Kindern bei, bevor er die Brennstoffe aus der Kiste holt: Sitzen bleiben, auf keinen Fall Zuhause nachmachen und sagen, wenn man Angst bekommt. Dann entfacht er die erste Flamme und die Kinder bekommen große Augen. "Ich bin übrigens bei der Jugendfeuerwehr", erklärt die zehnjährige Dana noch, bevor sie Bekanntschaft mit den Feuerstäben macht. Währenddessen bereitet sich Mats (9) auf eine besondere Aufgabe vor: In einer der Shows übernimmt er den Part des Zirkusdirektors. "Das ist cool", sagt er, "und ich bin gespannt auf mein Kostüm."

Während die Kinder trainieren und in ihre neuen Rollen finden, beobachtet Friederike Kelzenberg-Gerloff, Schulleiterin der Dhünntalschule, begeistert das fröhliche Gewusel. Alle vier Jahre stellt das Projekt den Alltag für die Grundschüler aus Dhünn und Dabringhausen auf den Kopf - im besten Sinne. Sponsoren und die Fördervereine übernehmen die Finanzierung. "Und der Effekt ist groß", freut sich die Schulleiterin. Die Kinder würden auf einer völlig anderen Ebene als im Schulalltag lernen. "Sie lernen, sich zu überwinden und entdecken: Das schaffe ich", sagt Friederike Kelzenberg-Gerloff. Besondere Talente würden sichtbar, die Kleinen könnten genau zeigen, was sie können, wie die Großen. Und auch der Inklusionsgedanke werde während des Zirkusprojektes gut umgesetzt. Von dem Ergebnis können sich Eltern und Großeltern, aber auch alle anderen Interessierten, am Freitag überzeugen.

(resa)