Sternsinger in Wermelskirchen: Kinder sind in wichtiger Mission unterwegs

Sternsinger in Wermelskirchen: Kinder sind in wichtiger Mission unterwegs

Die Sternsinger aus Sankt Michael und St. Apollinaris hinterließen gestern an mehr als 300 Haustüren ihren Segensspruch.

Sie sind seit zehn Uhr auf den Beinen. Von Müdigkeit aber keine Spur. Gerade haben die sechs Mädchen gut gelaunt jeweils einen großen Teller Suppe verdrückt, und schon schlüpfen sie wieder in ihre weiten Gewänder, setzen sich die glänzenden Kronen auf und stürmen auf den Kirchhof. Die kleine Bolor schüttelt fröhlich die Dose: "Ich nehme das Geld", sagt sie dann.

Währenddessen haben andere Gruppen es schon geschafft und kehren ins Pfarrheim zurück. Es ist ein Kommen und Gehen. In der Gruppe von Nico Thümler und Anna Lorena Gnielinski hat jedes der sechs Mädchen eine eigene Aufgabe. Die Kinder sind einen Tag nach dem offiziellen Dreikönigstag in wichtiger Mission unterwegs. "Wir sammeln Spenden für arme Kinder", erklärt Samantha und springt fröhlich in ihrem flatternden Gewand hinter den anderen Mädchen her. Vorher ergänzt sie noch schnell: "Und wir wollen, dass Gott auf die Leute aufpasst. Deswegen gibt es den Segensspruch."

Der Wind pfeift ihnen um die Nase, der Weg bis zum Stadtrand ist ganz schön lang, aber die Mädchen beklagen sich nicht. "Wir sind gerne Sternsinger", sagt Saruul. Schließlich hätten sie ja Schals und Handschuhe gegen die Kälte. Und die Mädchen verstehen sich gut. Noch bevor sie an der ersten Haustür schellen, stimmen sie laut und fröhlich ihr Lieblingslied an: "Gott segne euch" schallt über die Straße und kündigt die Kinder schon von weitem an. Dann endlich dürfen sie an der ersten Tür nach der Mittagspause schellen. Sie klettern in den vierten Stock, stehen dann in einem wildfremden Wohnzimmer und hinterlassen lautstark ihre Botschaft - alle drei Strophen, fast ohne auf den Zettel zu gucken.

Jedes der großen Mädchen hat den Text eines Königs übernommen. Casper, Melchior und Balthasar. Die Zeilen sitzen. Lynn erklärt noch den Zweck der Spendendose. Und dann haben Lilli und Bolor ihren großen Auftritt: "Christus Mansionem Benedicat" sagen die beiden Jüngsten der Gruppe und ergänzen dann: "Das bedeutet: Christus segne dieses Haus." Bevor sie wieder aus der Wohnung stürmen, hinterlassen sie den schwarzen Aufkleber mit der Kombination aus Buchstaben und Zahlen an der Tür.

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Der Auftritt der Kinder rührt, ihre Botschaft zu Beginn des Jahres ebenfalls. Und so fällt die Spende großzügig aus: Neben dem Geldschein gibt es gleich zwei Tafeln Schokolade für die Mädchen. Lynn steckt die Geschenke in die große Sammeltasche der Mädchen, aufgeteilt wird am Ende. Allerdings ist Naschen unterwegs ausdrücklich erlaubt. Während einer kleinen Rast toben sich die Mädchen auf dem Spielplatz aus, bevor sie an der zweiten Haustür schellen.

Zuvor müssen sie wieder ein paar Meter hinter sich legen. Während die größeren Mädchen ein bisschen ins Trödeln verfallen, laufen die Jüngeren vorne weg und suchen mit Lolo, wie sie Betreuerin Anna Lorena Gnielinski liebevoll nennen, schon die nächste Hausnummer. Nico Thümler wirft einen Blick auf sein Handy. Per GPS-Daten führt das Gerät die Gruppe von Haus zu Haus. Der ehrenamtliche Betreuer hat eine Route für die Gruppe erarbeitet.

An der nächsten Haustür werden die Kinder herzlich empfangen. "Welches Lied?", fragt Marie-Claire noch schnell in die Runde und schon stimmt sie die nächste Melodie an. Auch hier gibt es eine großzügige Spende für den Einsatz gegen Kinderarbeit und auch hier gibt es Süßigkeiten. Die werden direkt verdrückt, bevor die muntere Gruppe den Weg zur nächsten Haustür antritt - ohne müde zu werden.

(resa)
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