Wermelskirchen: Kinder genötigt? Gericht stellt Verfahren gegen Rentner ein

Wermelskirchen : Kinder genötigt? Gericht stellt Verfahren gegen Rentner ein

Der Angeklagte widersprach heftig. Der Staatsanwalt im Amtsgericht warf einem 75-jährigen Rentner aus Wermelskirchen vor, zwei neun und zwölf Jahre alte Jungen mit Worten bedroht und dadurch genötigt zu haben.

Er soll zu den Jungen gesagt haben: "Wenn du das noch einmal machst, trete ich dir in den A... und verprügel deine Fresse." Das habe er nicht gesagt, sagte der Angeklagte. Er wisse genau, was er gesagt habe, nämlich: "Hey, du frecher Lümmel! Wenn du das noch einmal sagst, dann trete ich dir in den Hintern."

Aber, so erklärte er weiter, er habe die Jungen nicht einschüchtern wollen. Das Ganze tue ihm leid. Obwohl gegen ihn "ungeheuerliche Anschuldigungen" erhoben worden seien. Er habe sich auch bereits schriftlich bei der Polizei entschuldigt. Aber nicht bei den Eltern und den Jungen?, wollte der Richter wissen. Nein, er habe eine Mitteilung erhalten, dass er zu einem Täter-Opfer-Ausgleichsgespräch mit den Eltern der Jungen geladen werde. Bei dieser Gelegenheit habe er sich entschuldigen wollen. Aber auf die Ladung zu diesem Mediationsgespräch warte er noch heute.

Richter und Staatsanwalt sahen sich fragend an. Tatsächlich, in den Akten fand sich keine entsprechende Ladung. Da müsse wohl etwas schief gelaufen sein, sagte der Richter. Er wünsche den Jungen nur alles Gute, sagte der Angeklagte. Gleichwohl gehe es ihm um die Eltern, die ihre Kinder nicht beaufsichtigten. Mit dieser Bemerkung und kurzen nachgeschobenen Sätzen wurde dem Gericht am Rande klar, dass man es hier offensichtlich "mit der Spitze eines Eisbergs" (Staatsanwalt) zu tun habe. Ein langjähriger Nachbarschaftsstreit schien am Horizont heraufzuziehen.

Da machte der Richter den Vorschlag, das Verfahren einzustellen gegen Zahlung einer Geldbuße an eine gemeinnützige Einrichtung. Der Angeklagte war damit sofort einverstanden - er wolle diese Sorge loswerden, das belaste ihn unerträglich, sagte er. Die Geldbuße konnte er sogar noch von 500 Euro auf 300 Euro herunterhandeln - mehr könne er nicht zahlen, sagte er. Ob damit allerdings auch das Kriegsbeil unter den Nachbarn begraben ist, scheint angesichts eines kurzen Wortgefechtes nach der Verhandlung zwischen der Mutter der Jungen und dem Rentner fraglich.

(bege)
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