Wermelskirchen Kein Skandal-Silikon eingesetzt

Wermelskirchen · Im Krankenhaus mehren sich die Anrufe von Frauen, die nach Brust-Operationen Prothesen tragen und nun durch die PIP-Diskussion verunsichert sind. Chefarzt Dr. Tzanov gibt Entwarnung: Nur hochwertige Implantate benutzt.

 Im Wermelskirchener Krankenhaus werden nur hochwertige Implantate benutzt, so Chefarzt Dr. Giorgi Tzanov.

Im Wermelskirchener Krankenhaus werden nur hochwertige Implantate benutzt, so Chefarzt Dr. Giorgi Tzanov.

Foto: Jürgen Moll

Die Frauen seien verunsichert, seit in den Medien über die defekten Implantate der französischen Firma "Poly Implantat Prothese (PIP)" diskutiert und gewarnt wird. Er erhalte Anrufe von ehemaligen Patientinnen, aber auch von Frauen, die von anderen Fachärzten operiert wurden, sagte gestern Chefarzt Dr. Giorgi Tzanov von der Gynäkologie des Krankenhauses in einem Pressegespräch.

Er ging offensiv in die Öffentlichkeit, um aufzuklären: "Wir haben im Wermelskirchener Krankenhauses dieses Produkt nie verwendet." Er benutze seit 2004 ausschließlich hochwertige Produkte von zwei marktführenden US-Firmen.

In 25 Kliniken und Praxen in NRW wurden in den vergangenen Jahren die mit gesundheitsgefährdendem Industrie-Silikon gefüllten Implantate eingesetzt. Hergestellt vom mittlerweile insolventen französischen Medizinhersteller PIP. Offenbar hat die Firma aus Kostengründen die Brustimplantate mit Industrie-Silikon befüllt. Es steht unter dem Verdacht, Krebs auszulösen.

Über 100 Frauen wurden seit 2004 etwa 200 Brustimplantate im Krankenhaus unter seiner Leitung eingesetzt. "Mir selbst ist diese französische Firma überhaupt nicht bekannt", sagte er. Viele Frauen hätten ihren Implantatpass verlegt und fragten nun nach. "Wir haben aber alles in den Akten und können Auskunft geben."

Schönheits-OP: Nachfrage steigt

Weit über 75 Prozent der Operationen in der gynäkologischen Abteilung des Krankenhauses seien erfolgt im Rahmen eines Brustaufbaus nach Brustkrebsoperationen oder zur Korrektur einer angeborenen Fehlbildung der Brüste. Aber auch bei ihm steige die Nachfrage nach kosmetischen Operationen — "immer häufiger bei Frauen im Alter unter 25 Jahren", so Dr. Tzanov.

Er steht der Brustvergrößerung sehr kritisch gegenüber, erläuterte er. "Ich versuche, Aufklärungsarbeit in Gesprächen zu leisten. Von zehn Frauen erfolgt die OP höchstens dann bei drei." Einige hätten auch schon verärgert das Büro verlassen. "Die jungen Frauen wissen überhaupt nicht mit langjährigen Nebenwirkungen und Risiken umzugehen. Vor allem, wenn sie noch keine Schwangerschaft gehabt haben." Bei Frauen über 40 Jahre und auch nach einer Schwangerschaft sei er da schon großzügiger. Aber: Brustprothesen über 180 Gramm hält er für nicht vernünftig. "Da gibt es Beschwerden."

Nach Darstellung des Chefarztes sei ein Implantatwechsel nach Ablauf von zehn Jahren überlegenswert. "Kleine Lecks können auch bei hochwertigen Implantaten entstehen. Sie laufen nur nicht aus." Winzige Lecks seien mit keiner Methode feststellbar. Deshalb sollten auch Frauen, wo es weder Gewebsreaktionen (Kapselfibrose) noch schmerzhafte Verhärtungen vorliegen, ihre Implantate alle zehn Jahre wechseln. Bei lokalen Beschwerden auch früher.

"Der Prothesenwechsel nach einer Operation, die medizinisch indiziert gewesen ist und die Kosten von der Krankenkasse übernommen wurden, bleibt weiterhin eine Kassensache, auch wenn sie mehrmals wiederholt wird", so der Chefarzt.

(RP/rl)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort