Wermelskirchen: Kampf dem Festtags-Speck

Wermelskirchen : Kampf dem Festtags-Speck

Trotz des Feiertags herrschte im Fitness-Studio "Fit-Inn" am Montagvormittag reges Treiben.

Gestern um 10.30 Uhr: Der zweite Weihnachtsfeiertag nimmt langsam Fahrt auf. Der graue Himmel, Windböen und Regen machen den vormittäglichen Spaziergang mit dem Hund zu einem unangenehmen Unterfangen. Dem bergischen Wetter entsprechend sind die Straßen noch leer. Im "Fit-Inn" an der Burger Straße zeigt sich ein völlig anderes Bild, in dem Fitness-Studio "brennt der Baum".

Nicht einmal 40 Minuten nach der Öffnung schwitzen hier bereits knapp 60 Sportlerinnen und Sportler - wuchten Gewichte, rennen auf Laufbändern, strampeln auf "Fahrrädern" oder nutzen die Trainingsbänke für Sit-ups. Die fitnessbegeisterten Wermelskirchener kämpfen gegen den sprichwörtlichen "inneren Schweinehund", der an den Feiertagen gerne zum Faulenzen verführt und trotzen den Speckröllchen auf den Hüften, die sich nach üppigem Festtagsschmaus nur allzu gerne entwickeln.

"Nach den ausgiebigen Weihnachtsessen hat man schon ein schlechtes Gewissen. Da hat man dann eher einen Grund, sich am Feiertag den Wecker zu stellen, um zeitig ins Fitness-Studio zu gehen", zeigt sich Daniela Thiel motiviert. Für die 32-Jährige ist das Training im Studio zudem Stressabbau und Ausgleich vom Alltag. "Ich treffe immer nette Leute. Mein Ziel ist es, fit zu bleiben. Beruflich sitze ich im Büro, da macht es Sinn, etwas für den Rücken zu tun", sagt Daniela Thiel und fügt hinzu: "Ich gehe drei Mal in der Woche ins Fitness-Studio. Wenn heute nicht Weihnachten wäre, wäre ich ja auch gegangen. Mein Mann Achim faulenzt jetzt auf der Couch - der hat als Schreiner im Beruf aber sowieso viel Bewegung."

Ähnlich sieht es Ajez Abasin. Er nutzt die vierstündige Öffnungszeit am zweiten Weihnachtstag, nachdem am ersten geschlossen war: "Heute ist die Zeit da. Ich habe meinen Trainingsplan, möchte Kraft und Kondition aufbauen und die Beweglichkeit erhalten." Der 36-jährige Vertriebsleiter war schon immer sportlich, ist begeisterter Fußballspieler, lief einen Halbmarathon. Er lacht: "Nachher gibt es ja wieder das nächste Weihnachtsessen. Meine Frau ist auch nicht sauer, weil ich am Vormittag eines Feiertages trainieren gehe - sie unterstützt mich dabei."

Einen gewissen "Sucht-Faktor" bestätigen die beiden "Fit-Inn"-Mitarbeiter Melissa Guerreiro (25 Jahre) und Tim Birkenhauer (31): "An Feiertagen wie heute sind nur Stammkunden hier, die nicht möchten, dass ihre Trainingsrhythmen komplett unterbrochen werden." Birkenhauer trainiert seit 2011 im "Fit Inn", arbeitet dort seit 2013 nebenberuflich als B-Lizenz-Trainer und ist hauptberuflich Krankenpfleger. Melissa Guerreiro arbeitet im Hauptberuf als kaufmännische Angestellte: "Tim und ich sind ein eingespieltes Team. Deshalb macht es uns nichts aus, am Feiertag zu arbeiten."

Was die beiden "Fit-Inn"-Mitarbeiter ein wenig stört, ist, dass sie während der Arbeitszeit nicht selber trainieren können: "Wir sind hier und sehen die Kunden beim Training. Da juckt es uns natürlich auch in den Fingern." Das Duo weiß aus Erfahrung: "Am zweiten Weihnachtstag ist immer viel Betrieb. Noch mehr Zulauf haben wir am Tag nach Neujahr. Danach brummt es im gesamten Januar."

(sng)
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