Wermelskirchen: "K18-Markierung ein Anreiz zum Rasen"

Wermelskirchen : "K18-Markierung ein Anreiz zum Rasen"

Seit 2016 gibt es auf der Kreisstraße zwischen Dabringhausen und Hilgen über Rausmühle keine Mittelleitlinie mehr. Laut BM-Leser Michael Sterz würden besonders Motorradfahrer gern die ganze Fahrbahnbreite nutzen.

Ende 2015 wurde nicht nur die Fahrbahn der Kreisstraße 18 zwischen Dabringhausen und Hilgen saniert - sie bekam auch eine neue Markierung: Keine Mittelleitlinie mehr, nur noch seitlich eingerückte gestrichelte Leitlinien. Damit sollte vor allem die Zahl der Motorradunfälle auf diesem Abschnitt reduziert werden. Doch BM-Leser Michael Sterz ist gar nicht begeistert von der neuen Markierung: "Die neue Gestaltung ist besonders für Motorradfahrer ein Anreiz zum Rasen."

Als die Fahrbahndecke saniert wurde, änderte der Kreis zwei Dinge. Sprecherin Hannah Weißgerber: "Die Geschwindigkeit wurde auf Tempo 70 reduziert; die K 18 wurde die erste Straße im Kreis, die nach einer neuen Richtlinie, die seit 2012 gilt, markiert wurde."

Gerade hier setzt die Kritik von Sterz ein. "Durch die Wegnahme der Mittellinie nutzen gerade Motorradfahrer die komplette Breite aus", hat er beobachtet. Das führe immer wieder zu gefährlichen Situationen mit dem Gegenverkehr. "Autofahrer achten eher darauf, fahren vorsichtiger", so sein Eindruck. Weil's eben eng ist: Sie fahren eher rechts, auch über die Leitlinien hinaus.

Hannah Weißgerber teilte mit, dass der Kreis eher den Eindruck habe, dass die Verkehrsteilnehmer sensibilisiert seien, angesichts der neuen Verkehrsführung vorsichtiger zu fahren. "2016 ist auf jeden Fall die Zahl der Unfälle zurückgegangen."

Für den Rheinisch-Bergischen Kreis ist diese Markierung die erste ihrer Art, doch Straßen ohne Mittelleitlinie sind nicht neu. "Straßen unterhalb einer befestigten Breite von 5,50 Meter wurden ohne Mittellinie ausgebildet", heißt es in einem Antwortschreiben der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) in Bergisch Gladbach auf eine Anfrage der Bergischen Morgenpost. Die BASt hatte ein Forschungsprojekt beauftragt mit dem Ziel, das bestehende Straßennetz an das Entwurfskonzept der standardisierten Straßen zu klären. Es ist mittlerweile abgeschlossen. Dabei geht es auch um sogenannte Entwurfsklassen von Landstraßen - je nach Verbindungsfunktion sollen künftig alle Straßen in Deutschland einheitlich ausgebildet werden, damit zum Beispiel der Norddeutsche sich auch in Bayern zurechtfindet. Es soll nur noch vier Entwurfsklassen geben.

Die Kreisstraße 18 ist als Entwurfsklasse 4 eingestuft - in der Regel eher eine schwach belastete Straße. Auf die K18 bezogen soll erreicht werden, dass Verkehrsteilnehmer ein dichtes Fahren am Fahrbahnrand vermeiden, so BASt-Sprecherin Iris Schneidermann. "Sie kommen damit nicht von der Fahrbahn ab, gleichzeitig wird der bauliche Rand geschont." Überfahren werden dürfen diese gestrichelten Linien aber. "Das ist vorteilhaft auf schmalen Straßen, vor allem wenn es sich um eine Begegnung von zwei Lkw oder Bussen handelt."

Die BASt erklärte, dass es die vorhandene befestigte Breite der Fahrbahn nicht erlaube, zwei separate Fahrtrichtungen zu markieren. "Hier ist ein gewisses Maß an Abstimmung zwischen den Verkehrsteilnehmern aller Verkehrsteilnehmergruppen erforderlich", sagt Iris Schneidermann. Dies gelte auch für Motorradfahrer: Die müssten bei Kurvenfahrt eine Geschwindigkeit wählen, die eine sichere Begegnung mit dem Gegenverkehr erlaube.

In dem Forschungsbericht, der allerdings noch nicht veröffentlicht wurde, wird nur kurz über die K18 berichtet - über die Länge des betrachteten Abschnittes, die Verkehrsbelastung und die Art der Markierung. "Der Bericht dient als eines von mehreren Beispielen zur Gestaltung von Bushaltestellen und für Übergänge von innerorts zu außerorts", so Schneidermann.

(RP)
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