Wermelskirchen: Jutta Paulig tritt zurück

Wermelskirchen: Jutta Paulig tritt zurück

Nach fast 16 Jahren gibt Jutta Paulig das Amt der Fraktionsvorsitzenden der Grünen auf. Berufliche Belastung führt sie als Grund an. Sie räumt aber auch Probleme einiger Grünen mit der neuen Rolle als "Regierungspartei" ein.

Jutta Paulig legt zum Monatsende ihr Amt als Fraktionsvorsitzende von Bündis 90/Die Grünen unumstößlich nieder: Das teilte sie gestern der BM mit. Ihre letzte "Amtshandlung" als Fraktionsvorsitzende sollte die Fraktionssitzung gestern Abend sein, bei der auch ein Nachfolger für Jutta Paulig gewählt werden sollte. Bei Redaktionsschluss stand aber noch nicht fest, ob Pauligs bisherige Stellvertreter Andreas Willinghöfer oder Günter Klein kandidieren würden. Allerdings gibt es laut Paulig auch noch die Möglichkeit, die endgültige Wahl auf den Mai zu verschieben. Ihre Stellvertreter würden die sechsköpfige Ratsfraktion dann kommissarisch leiten.

Ängste vor Kompromissen

Jutta Paulig ist seit 1994 Fraktionsvorsitzende der Grünen gewesen. Im Mai 2008 hatte es bereits so ausgesehen, als ob die Grünen mangels Nachwuchs aufgeben müssten. Doch Willinghöfer kündigte bereits im Oktober 2008 als neuer Vorstandssprecher den Wiederantritt zur Kommunalwahl 2009 an. Im Juni 2009 hatten sich Jutta und Dietmar Paulig dann öffentlich positioniert, für Eric Weik bei der Bürgermeisterwahl zu stimmen, während es in ihrer Partei in dieser Frage zu keinem Votum kam.

Als die Kommunalwahl schließlich für die Grünen mit einem Zuwachs von drei Prozent ausging und sie kurz darauf als Kooperationspartner ins Regenbogen-Bündnis einstiegen, brachen neue Zeiten an: "Der Wechsel von der Opposition in die Regierungsverantwortung ist bei uns nicht allen leicht gefallen", gibt Paulig zu. Es gebe noch Ängste, Kompromisse einzugehen bei Positionen und Personen, zu denen mancher zuvor in der Oppositionsrolle noch folgenlos habe Nein sagen können. "Aber jetzt haben auch wir Grünen eine ganz andere Verantwortung. Da muss man auch mal die Grätsche zwischen grüner Politik und eigener Überzeugung und einem regierungsfähigen Kompromiss hinbekommen", weiß die scheidende Fraktionsvorsitzende.

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Paulig will sich treu bleiben

Sie selbst werde sich aber auch als "einfaches" Ratsmitglied treu bleiben, verspricht Jutta Paulig: "Der gerade Weg bleibt mein Weg", sagt sie. Sie werde auch weiterhin eine ehrliche, sachbezogene und transparente Politik machen. Und dies sei auch eines, was sich die Grünen trotz aller Veränderungen bewahrt hätten, freut sie sich. "Wir haben immer versucht, Politik nicht um die Gunst der Wähler oder für bestimmte Interessensgruppen zu machen."

Dazu habe zumindest in der Vergangenheit auch eine interfraktionelle Streitkultur gehört. Sie ziehe sich nun aber zurück, weil ihre berufliche Belastung in der Schuldnerberatung derart zugenommen habe, dass keine Zeit mehr für das Amt der Fraktionsvorsitzenden bleibe: "In der Schuldnerberatung gibt es inzwischen nur noch schwere Fälle", weiß sie. Zudem sei sie durch eine Weiterbildung zur Familienberaterin gefordert.

(RP)