Wermelskirchen: Ist eine Todesursache ungeklärt, steht die Kripo im Haus

Wermelskirchen: Ist eine Todesursache ungeklärt, steht die Kripo im Haus

Stehen nach dem Tod eines Menschen plötzlich nicht nur ein Arzt, sondern in der Folge erst die Schutz- und dann die Kriminalpolizei in der Wohnung, ist das für die Angehörigen eine unangenehme, möglicherweise sogar traumatische Situation - Trauer findet dann vorerst kaum ihren Raum.

In einer Informationsveranstaltung setzten sich 30 Zuhörer mit diesem Thema auseinander. Udo Andriessen vom Bestattungshaus Andriessen an der Berliner Straße hatte dazu Dr. Gabriele Bauer und Kriminalhauptkommissar Rüdiger Heil gewonnen. Das Credo der Referenten: Vorbereitung kann aufkommende Fragen klären und die Polizei verschafft allen Beteiligten Sicherheit.

Als Bestatter beschäftigt Udo Andriessen das Thema "Plötzlicher Tod" immer wieder: "Wir sind diejenigen, die die Abläufe erklären müssen. Das nimmt zu. Und gerade ältere Menschen haben Angst vor der Kripo." Ein Bestatter käme angesichts der formaljuristischen Maschinerie an seine Grenzen.

Grundsätzlich muss in Deutschland jeder Verstorbene von einem Arzt untersucht und ein Totenschein ausgestellt werden. Die Krux liegt in der Frage, ob ein natürlicher oder nicht-natürlicher Tod vorliegt. "Nicht nur ein offenkundiger Mord, sondern ein Unfall von vor zwei Jahren oder die schädigende Fremdeinwirkung durch beispielsweise eine zurückliegende Operation können Gründe für einen nicht-natürlichen Tod sein", erläuterte Dr. Gabriele Bauer, die als Allgemeinärztin und Naturheilpraktikerin tätig ist, das Problem. Würde der Arzt des Notdienstes gerufen, kenne der die Vorgeschichte des Toten in der Regel nicht. Bauer erinnerte sich an eine 86-jährige Verstorbene: "Erst passierte ein Unfall mit Oberschenkelhalsbruch. Es erfolgte eine erfolgreiche Operation und anschließende Reha-Maßnahmen. In der Rehaphase trat eine Lungenembolie mit Todesfolge ein. Das ist dann kein natürlicher Tod, sondern Todesursache war letztlich der Unfall." Für die Ärztin sei klar, dass sie zur Sicherheit die Polizei rufe, wenn sie keinen natürlichen Tod mit Gewissheit attestieren könne.

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Die rechtliche Basis erläuterte Rüdiger Heil. Demnach lasse ein ungeklärter Tod den Verdacht eines nicht-natürlichen Todes zu. Dann müssten Polizei sowie Staatsanwaltschaft unverzüglich tätig werden. Er wisse um die Sensibilität: "Werden wir in einem solchen Fall gerufen, kommen wir in eine Atmosphäre, in der wir uns fehl am Platz fühlen." Heil bestätigte die Sorge der Polizei vor Eskalation: "Es ist schwer, Verständnis zu finden. Wir beschlagnahmen den Leichnam und verwehren den Angehörigen den Zugang." Der Kriminalhauptkommissar warb um Einsicht: "Wir wollen Sicherheit für alle schaffen, nicht Angst verbreiten."

Hilfreich seien schriftliche Unterlagen, betonten Bauer und Heil. Als Beispiele nannten sie Krankenakten des Verstorbenen oder Verfügungen, die nachweisen, dass der Tote nach Möglichkeit zuhause und nicht im Krankenhaus sterben wollte. Bei einem absehbaren Tod sei es hilfreich, die Erreichbarkeit des Hausarztes, der die Krankengeschichte des Toten bestätigen kann, im Vorfeld zu sichern. Darauf könne ein Notarzt zurückgreifen.

(sng)