Wermelskirchen Integration – nicht nur ein Strohfeuer

Wermelskirchen · Die Sportvereine setzen ein Zeichen

Sympathietreffen zwischen Behinderten und Nichtbehinderten hat es im Vorfeld des WM-Spiels am Freitag zuhauf gegeben. „Alle“ rissen sich plötzlich um die Behinderten, wollten ihnen etwas Gutes tun. Manchmal entstand der Eindruck, dass es schon fast ein wenig zu viel des Guten war. Wussten die Behinderten eigentlich noch, wie ihnen geschah? Die Gefahr bei solch einer „konzertierten Aktion“ besteht jetzt darin, dass ganz schnell alles wieder verpufft, das Interesse an den Behinderten so schnell nachlässt, wie es spontan geweckt werden konnte. Das wäre fatal, denn dann wären die Behinderten nur missbraucht worden, um das eigene Image zu polieren, womöglich als Unternehmen für sich zu werben. Doch gehen wir zunächst weiter davon aus, dass natürlich keiner der Beteiligten aus simplem Eigennutz zu Sympathietreffen eingeladen hat. Zu hoffen bleibt auch, dass diese ersten Begegnungen tatsächlich dazu angetan waren, ein Bewusstsein zu verändern, Vorurteile abzubauen. Ein wunderbares Zeichen dafür gibt es bereits bei den Sportvereinen, die jetzt alle ihre Angebote auch für Behinderte öffnen wollen. Wenn das funktioniert, dann ist Wermelskirchen der Gewinner der WM!

„Ich bin sehr, sehr glücklich. Als wir mit den Vorbeitungen zur Behinderten-Fußball-WM begonnen haben, da sind wir noch belächelt worden. Aber jetzt sind alle 3000 Eintrittskarten schon lange vergriffen. Die Organisation von Frau von Foller war einfach toll“, lobt der Vorsitzende der Lebenshilfe, Jürgen Löhmer. Er sei dankbar dafür, wie gut alles geklappt habe.

Auch die Schulen, bedauerlicherweise die auswärtigen eher als die Wermelskirchener, seien mit von der Partie – und natürlich die Firmen. „Wir haben 50 Firmenpartnerschaften mit den Behinderten, das Gros davon aus Wermelskirchen“, bilanziert Jürgen Löhmer. Viel sei auch spontan geholfen worden: Nur eines von vielen Bespielen sei der Lionsclub, der Busse für die Anreise von Behinderten zum WM-spiel finanziere. Insgesamt seien enorm viele Spenden für die Veranstaltung und für die Lebenshilfe geflossen, freut sich Löhmer. Auch habe Landrat Rolf Menzel sein Kommen zum WM-Spiel zugesagt, die Bürgermeister aller zur Lebenshilfe Rhein-Wupper gehörenden Nachbargemeinden seien natürlich ebenfalls eingeladen.

Bürgermeister Eric Weik hofft als lokaler Botschafter für die Behinderten-WM auf Nachhaltigkeit. Was im Vorfeld passiert sei, all’ die Begegnungen, die Selbstverständlichkeit, die sich in der Begegnung mit Behinderten eingestellt habe, das möge andauern, von Bestand sein, wünscht sich Weik. Da sei ein Prozess in Gang gesetzt worden, wie man ihn vorher nie erlebt habe. Weik nennt ein Beispiel: Bei der Kirmeseröffnung hätten erstmals auch Behinderte ganz selbstverständlich dabei gestanden und mit den Leuten Bier getrunken. Der Bürgermeister hofft, dass diese Aufbruchstimmung zur Integration von Behinderten nicht nur ein Strohfeuer war.

Für das Spiel am Freitag sagt Weik voraus: „Es läuft alles super!“ Die Vorbereitungen seien so gut wie abgeschlossen, alles Organisatorische sei von Seiten des Rathauses in trockenen Tüchern.

(RP)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort