In Wermelskirchen werden Werke des demenzkranken Künstlers Hans Oberhoff gezeigt.

Ausstellung : Wenn die Kunst über die Krankheit siegt

Unzählige Male hatte das Team der Tagespflege der Wermelskirchener Diakoniestation Hans Oberhoff schon um eine Zeichnung gebeten. Die Mitarbeiter wussten von der bedeutenden Geschichte ihres Besuchers als Künstler, kannten seine Skulpturen vor der Solinger Klinik, vor Schulgebäuden und die Kapelle im Solinger Krankenhaus, die seine künstlerische Handschrift trägt.

Sie ahnten also um das Genie. Aber Hans Oberhoff wollte nicht. Er wollte die Stifte nicht mehr zur Hand nehmen, litt unter der Demenz, die ihn zunehmend einnahm und lehnte ab. Die Mitarbeiter der Diakonie gaben nicht auf: Und eines Tages nahm Hans Oberhoff das Angebot der Stifte und Blätter plötzlich an – und malte.

„Als ich ihn abholte, sagte er: Ich habe einen Hasen gemalt“, erzählt seine Frau Ute, „das konnte ich damals kaum glauben“. Er zeigte ihr das Bild und sie erkannte: Ihr Mann hatte die Schublade geöffnet, die lange verschlossen geblieben war. „Er malt seitdem ganz anders als früher, aber seinen Farben ist er treu geblieben“, sagt sie. Zuhause hat er wieder einen Schreibtisch. Zu den alten Werken an den Wänden gesellen sich die neuen. Fantasiegestalten. Bunte Figuren, aus deren Köpfen Blumen quellen. Akrobaten und Musiker, Blumenmädchen und Tiere. Bunt. Er sei wie versunken, wenn er male. Er summe und habe sich anfangs für jedes Bild viel Zeit gelassen, erzählt seine Frau. Die Mitarbeiter der Tagespflege beobachteten das Schaffen des Künstlers staunend, kauften neue Stifte, unterstützten Hans Oberhoff. Aber der wollte vor allem den Blick aus dem Fenster und seine Ruhe.

Seit gestern können Besucher der Diakoniestation in seine Welt eintauchen: Die Bilder sind in den Räumen an der Telegrafenstraße zu sehen – und wollen Mut machen. „Viele Angehörige können erstmal nur die Defizite der Demenzkranken sehen“, sagt Regina Schöneweiß von der Diakoniestation, „aber wir sehen die Ressourcen“. Und wer über den Flur schlendere und die Bilder betrachte, könne gar nicht anders, als sich auf genau diese Ressourcen zu konzentrieren. Ja, die Überraschung sei groß gewesen, als ein Kunstwerk nach dem anderen in der Tagespflege entstand, sagt Mitarbeiterin Martina Theiß. Aber man wisse eben auch, dass bei Demenzkranken die Erinnerungen, das Können und Wissen nur in Schubladen verborgen sei. „Und manchmal öffnet sich dann eine Schublade“, sagt Regina Schöneweiß. Hans Oberhoff befreite Kunst aus dieser Schublade. Neben den Bildern, die in der Diakoniestation auch verkauft werden, gibt es inzwischen auch ein kleines Buch mit den gesammelten, neuen Werken des Solinger Künstlers.

Hans Oberhoff kam gestern aus gesundheitlichen Gründen nicht zur Ausstellung. Aber er freue sich über die Möglichkeit, sagte seine Frau. Und: Er habe sich schon beklagt, wo das ein oder andere Bilder sei. Es würde ihm an der heimischen Wand bereits fehlen.

(resa)
Mehr von RP ONLINE