In Wermelskirchen hören viele Bürger die Sirenen nicht

Landesweiter Warntag : Warntag – viele hören die Sirenen nicht

Alle vier mobilen Sirenen waren gestern Vormittag an vier Standorten im Stadtgebiet im Einsatz. Technisch habe alles hervorragend funktioniert, bescheinigte das Ordnungsamt. Doch es war keine realistische Übung.

Um Punkt 10 Uhr drückte Stefan Glatzel vom Ordnungsamt gestern Morgen am Schwanenplatz den Knopf am Alarmierungsgerät. Zeitgleich lösten landesweit Kommunen den Probealarm aus – auch an der Balkantrasse auf Höhe der Berliner Straße, am Friedhofweg in Dabringhausen und an der Staelsmühler Straße in Dhünn. Auf den einminütigen Dauerton, der signalisiert, dass es sich nur um eine Übung handelt, folgte der entscheidende Alarm. Ton zur „Warnung der Bevölkerung“ heißt das Signal im Fachjargon und soll Menschen in größeren Gefahrenlagen warnen.

„Bei Großbränden, Unwetter, Hochwasser, Bombenentschärfung, Schadstoffaustritten oder anderen akuten Gefahren würden wir mit den mobilen Sirenen durch die Straßen fahren und die Menschen warnen“, erklärte Glatzel. Über die Lautsprecheranlage des Sirenensystems würden die Anwohner dann informiert. Und damit Anwohner und Ordnungsamtsmitarbeiter auf diesen Fall vorbereitet sind, schreibt NRW-Innenminister Herbert Reul seit diesem Jahr regelmäßige, landesweite Übungen vor. In diesem Jahr bedeutete das: Alle mobilen und fest installierten Sirenen in NRW sollten flächendeckend um 10 Uhr Alarm auslösen. „Technisch hat alles hervorragend funktioniert“, stellte Stefan Glatzel nach der Bilanz im Rathaus fest. „Allerdings“, so räumte er ein, „wurde das Signal wohl nicht flächendeckend gehört.“

Das bestätigten auch viele Wermelskirchener. Am Odderbach in Dabringhausen zum Beispiel sei es ruhig geblieben. „Ich hatte beim Hausputz die Musik angeschaltet und habe keine Sirene gehört“, erklärte Kirsten Robl. Auch in Hülsen, wo Gudrun Kauer den Alarm erwartete, hörte sie nichts. Ähnlich ging es Ehemann Friedrich-Wilhelm Kauer, der in der Wermelskirchener Innenstadt unterwegs war: „Ich habe nichts gehört“, befand er. Und auch Nadine Rieger, die in der Kindertagesstätte in Pohlhausen mit den Kindern turnte, hörte die Sirene nicht. Das ging auch den Bewohnern und Mitarbeitern in der Pflegeeinrichtung „Haus Vogelsang“ so. „Bei uns hat man gar nichts gehört“, erklärte Einrichtungsleiterin Heidi Popko auf Nachfrage der Redaktion und erinnerte sich an Zeiten, als die lauten Sirenen auf den alten Rhombus-Hallen regelmäßig zur Probe die Stadt in Atem hielten.

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Insgesamt 23 fest installierte Sirenen, die über das Stadtgebiet verteilt waren, sorgten bis in die 1990er-Jahre für die Alarmierung im Notfall. „Aber mit dem Ende des Kalten Krieges wurde die Notwendigkeit in Frage gestellt, Fördergelder zur Wartung wurden damals gestrichen“, erklärt Glatzel. Die Anlagen wurden zurückgebaut. Entscheidend sei auch gewesen, dass die Feuerwehr nicht länger über die Sirenen alarmiert wurde. Seit 2014 besitzt die Stadt nun vier mobile Sirenen – die seitdem nicht zum Einsatz kommen mussten. „Die würden im Ernstfall nicht an einem festen Standort ausgelöst“, betonte Stefan Glatzel, „wir würden stattdessen die Straßenzüge abfahren.“ Wenn bei einem Feuer etwa Giftstoffe austreten würden, könnten die betreffenden Straßenzüge schnell informiert werden. Eine flächendeckende Alarmierung sei unwahrscheinlich und höchsten im Fall einer Explosion in Atomkraftwerken oder bei Bayer nötig. Deswegen sei die Übung am Ende nicht repräsentativ gewesen. Die Rückmeldung des Ordnungsamts an das Innenministerium fällt also gemischt aus: Technische Anforderungen wurden erfüllt. Aber: Statt einer Alarmierung der mobilen Sirenen von einem festen Standort zu einem festen Zeitpunkt empfehle das Wermelskirchener Ordnungsamt beim nächsten Mal ein realistischeres Szenario. „Wir könnten zum Beispiel über eine Stunde lang Straßenzüge abfahren und so die Alarmierung proben“, regt Glatzel an.

In der Schwanenschule war die Sirene nicht zu überhören. „Bei uns war es ganz schön laut“, stellte Schulleiterin Katrin Wagner fest. Schließlich stand die Sirene direkt vor der Türe. „Wir haben den Kindern erklärt, dass sie sich keine Sorgen machen müssen“, erzählte sie, „die Stadt hat ja nur geübt.“

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