Wermelskirchen: Immer mehr Rehe von Hunden gerissen

Wermelskirchen : Immer mehr Rehe von Hunden gerissen

In Pohlhausen verletzte ein Hund eine Ricke schwer - das Muttertier wurde durch einen Schuss von seinen Qualen erlöst. Die Zahl solcher Vorfälle steigt nach Angaben des Hegerings. Er appelliert an Besitzer, ihre Hunde an der Leine zu führen.

Ein Reh ist am Montag in Pohlhausen von einem oder mehreren Hunden gejagt und dabei schwer verletzt worden. Polizisten und der für dieses Revier zuständige Jäger waren vor Ort und fanden die Ricke. Das Muttertier blutete nach Angaben der Polizei stark, es rappelte sich noch mal auf und lief davon. "Die Ricke konnte wenig später aufgefunden und durch einen Schuss von ihren Qualen erlöst werden", berichtet Norbert Drekopf, Leiter des Hegerings Wermelskirchen, auf Anfrage der BM. Es ist einer von mehreren Vorfällen dieser Art in den vergangenen Monaten. Laut Drekopf ist ein deutlicher Trend zu beobachten: "Es ist mittlerweile in allen Wermelskirchener Revieren ein Problem, dass freilaufende Hunde Rehwild hetzen", sagt er. Immer mehr Rehe würden gejagt, das sei über das gesamte Jahr zu beobachten. "In meinem Revier Große Ledder habe ich in diesem Jahr bereits zwei tote Rehe gefunden", berichtet der Hegeringleiter.

Dass es immer mehr solcher Vorfälle gibt, führt Drekopf auch auf den boomenden Tourismus in der Region zurück. "Es gibt mehr Fälle, weil im Wald und auf den Wegen einfach mehr Hunde unterwegs sind. Wermelskirchen und das Bergische Land werden als Erholungsgebiet immer attraktiver", erklärt Drekopf. Er appelliert an Hundebesitzer, vor allem im Wald und auf den angrenzenden Wanderwegen ihre Hunde unbedingt an der Leine zu führen. "Oder sie sollten zumindest wenige Meter Abstand zu den Hunden halten, so dass sie die Tiere festhalten können."

Das Problem sei: "Wenn der Jagdtrieb der Hunde einmal geweckt ist, sind sie nur schwer aufzuhalten." Wenn Norbert Drekopf Hundebesitzer in seinem Revier sieht, die ihre Hunde nicht an der Leine führen, spricht er sie an. "Viele argumentieren dann, dass die Tiere teilweise nur hinter dem Rehwild herlaufen und die Rehe gar nicht erreichen", sagt er. Doch auch das sei gefährlich. Denn die Rehe kriegen laut Drekopf Panik und verletzen sich oftmals schwer, weil sie zum Beispiel in einen Zaun rennen. In den meisten Fällen müsste das verletzte Rehwild dann erlegt werden. "Oft bekommen die Hunde die Rehe aber auch zu fassen und zerbeißen sie", hat Drekopf festgestellt.

Einige Hundehalter würden auch mehrere Hunde mit sich führen, die sie aber nicht alle im Griff haben, berichtet Drekopf. "Von sechs Hunden haben sie fünf unter Kontrolle, einer läuft aber plötzlich weg."

Jedes verletzte Tier sei mit Blick auf den Tierschutz eine schlimme Sache. "Wir Jäger wollen die Tiere ordentlich behandeln", sagt der Leiter des Hegerings. Mit dem aktuellen Rehwildbestand in Wermelskirchen seien er und die übrigen Jäger zufrieden. "Der Bestand nimmt sogar zu."

Anwohner Gisbert Fortein hatte von dem verletzten Jungtier im Pohlhausener Wald erfahren. "Ich möchte alle Hundehalter dringend dazu aufrufen, ihre ,Lieblinge' nicht frei herumlaufen zu lassen", appelliert Fortein am "Heißen Draht" der BM-Redaktion. Die nicht mehr scheuen Rehe würden die Gefahr einfach nicht erkennen, "so kommt es immer wieder zu bedauerlichen Zwischenfällen", sagt der Anwohner. Der Rehbestand in Pohlhausen habe nach seinen Beobachtungen in den vergangenen Jahren rapide abgenommen. "Ich habe selbst schon mehrere verletzte oder tote Jungtiere entdeckt", sagt Fortein und fügt an: "In diesem Wald habe ich vor Jahren einmal bis zu 16 Rehe gezählt - mittlerweile sind es nur noch etwa fünf."

Die Polizei war in Pohlhausen vor Ort, um zu prüfen, ob möglicherweise eine Straftat vorliegt, wenn zum Beispiel Halter ihre Hunde zur Jagdwilderei nutzen. "Das war aber nicht der Fall", berichtet Sprecher Peter Raubuch. "Wir haben dann geholfen, das schwerverletzte Tier zu finden."

(RP)
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