Naturpark Bergisches Land : Immer auf dem richtigen Weg

Markierungen, Wegekontrollen, Ansprechpartner sein: Klaus Böcher übernimmt die Wegepatenschaft für rund zehn Kilometer des Panoramasteigs. Im Ehrenamt.

Klaus Böcher und seine Frau sind neulich mit der Gartenschere losgezogen. „Der Weg war völlig zugewachsen“, sagt der 72-Jährige und zeigt auf der Wanderkarte auf einen kleinen Punkt direkt um die Ecke seines Hauses in Stoote. „Wenn wir die Menschen einladen, auf dem Panoramasteig zu wandern, dann müssen wir ja auch dafür sorgen, dass sie sich zurechtfinden“, findet Böcher. Also brachte er den Wanderweg wieder in Form. Ein Problem. Eine Lösung.

Seit Anfang des Monats unterstützt Klaus Böcher als ehrenamtlicher Wegepate die Profis beim Zweckverband Naturpark Bergisches Land. Und so pragmatisch wie er beim Freischneiden vorgeht, ist Böcher auch, wenn es um andere Fragen rund um die Wanderwege geht. „Ich bin selbst ein begeisterter Wanderer“, sagt Böcher, der früher als Lehrer an der Wermelskirchener Realschule tätig war. Die Bewegung, die Natur, die Entschleunigung. Aber er kennt auch jene Momente, in denen er auf einer Wanderung plötzlich vor einem freien Feld stand, Bäume mit Markierungen gefällt worden, Verbindungswege verschwunden waren, eine unerwartete Mähweide Fragen aufwarf. „Ich habe gelernt, Karte zu lesen und mir in diesen Momenten zu helfen“, sagt er.

Aber so gehe es vielen anderen eben nicht. Und dann erzählt er von der Begegnung mit einem jungen Paar an der Knochenmühle: „Die beiden waren so Ende 20, standen an der Knochenmühle und wussten nicht weiter – und zwar weil dort die Markierung fehlt“, erzählt Böcher. Ein Glücksfall also, dass sie den neuen Wegepaten trafen, der ihnen nicht nur den Weg wies, sondern gleichzeitig noch ein paar Tipps für die schönste Strecke gab und ihnen sogar einen Fahrdienst anbot, wenn der später am Tag nötig würde. „Da ist mir noch mal bewusst geworden, wie wichtig es ist, dass unsere Wanderwege übersichtlich markiert sind“, sagt er. Vor allem junge Leute würden sich doch heute nicht mit Karte auf den Weg machen und beim Wandern auch nicht ständig auf ihr Smartphone gucken wollen. „Sie müssen sich auf die Markierungen verlassen können“, findet Böcher.

Und damit hat er dann auch die Motivation für sein neues Ehrenamt auf den Punkt gebracht. „Als ich las, dass der SGV und der Naturpark Wege-Markierer suchen, da habe ich mich zum Lehrgang angemeldet“, erzählt er. Und dort traf er Wastl Roth-Seefrid vom Naturpark. Während er die hauptamtlichen Fäden zusammenhält, zählt er auf den Einsatz der ehrenamtlichen Wegepaten. „Es ist allerdings wichtig, dass sie gut ausgebildet sind“, sagt Roth-Seefrid. Schließlich müssen sich Markierer an die Regeln halten. Rund 32 Markierungen sollten sich auf einem Kilometer Wanderweg-Strecke befinden – an entscheidenden Kreuzungen, aber auch als „Beruhigungszeichen“, damit Wanderer wissen, dass sie noch auf dem richtigen Weg sind.

Als dann Jürgen Flöttmann vom SGV Lennep seine Wegepatenschaft aufgab, klingelte bei Klaus Böcher das Telefon. Er werde nicht mehr nur als Markierer, sondern auch als Wegepate gebraucht, hieß es. Und Böcher sagte zu.

Seit dem ist er nicht mehr nur als Markierer unterwegs, sondern auch für neun Kilometer Wegstrecke am Panoramasteig zuständig – zwischen der Knochenmühle und Hückeswagen. Der Weg führt direkt an seinem Zuhause vorbei.
„Und genau darin liegt auch das Erfolgsrezept dieses Konzepts“, sagt Wastl Roth-Seefrid, „die Wegepaten kennen die Strecken und die Menschen.“ Für die Zertifizierung würde es reichen, den Weg als Pate zweimal im Jahr abzuschreiten, die Markierungen und den Zustand zu prüfen, zu protokollieren und zu melden. Aber Klaus Böcher ist ohnehin mit Hund regelmäßig unterwegs. „Natürlich habe ich dann auch einen Blick auf Markierungen, Schäden und den Zustand des Weges“, sagt er. Im Rucksack befinden sich die Klebemarkierungen samt Aluplatten, Handschuhe und Gartenschere und vor allem das Handy samt App. Mithilfe des „Wege-Detektivs“ schickt Böcher Schadensmeldungen mit Handy-Foto direkt an den Naturpark. Fehlende Markierungen ersetzt er, kleinere Schäden repariert er und den Rest meldet er an die Hauptamtlichen – damit Wanderer den richtigen Weg finden.

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