Im Wasserwerk Schürholz in Dabringhausen werden Rekordwerte festgestellt.

Wasserverbrauch : Wo unser Trinkwasser herkommt

Im Wasserwerk Schürholz werden Rekordwerte beim Verbrauch festgestellt. Sorgen machen braucht sich noch niemand.

An den Maschinen der Filterstufe 1 im Wasserwerk Schürholz in Dabringhausen ist es eiskalt. Das Wasser und die dicken Steinmauern lassen einen von der aktuellen Hitze kaum etwas spüren. „Aber wenn wir auf den Wasserverbrauch blicken“, erklärt Werksleiter Günter Wasserfuhr, „dann spiegeln sich dort die heißen Tage sofort wieder.“

In seinen 40 Berufsjahren habe er noch nie Verbrauchswerte wie in den vergangenen Tagen erlebt. 1250 Kubikmeter Wasser würden im Wasserwerk in Dabringhausen pro Stunde aufbereitet. „In den vergangenen Tagen wurden in den Abendstunden bis zu 2000 Kubikmeter Wasser pro Stunde verbraucht“, sagt er. Trotzdem müssen Gartenbesitzer und Friedhofsbesucher am Abend dieser heißen Sommertage, wenn sie die Wasserhähne aufdrehen, keine Sorge haben, dass das Wasser verebbt. Denn die Mitarbeiter des Wasserversorgungsverbandes Rhein-Wupper sorgen im Wasserwerk vor.

Rund 140.000 Menschen werden von Dabringhausen aus versorgt – von Leichlingen bis Radevormwald, von Wermelskirchen bis Solingen. „Jeder von ihnen hat im vergangenen Jahr durchschnittlich 127 Liter Wasser am Tag verbraucht“, sagt Wasserfuhr. Drei Liter pro Tag mehr als noch im Vorjahr – wohl auch wegen der Trockenheit.

Während 33 Prozent des Wassers für die WC-Spülung nötig ist, schlagen Dusche und Bad mit 31 Prozent zu Buche, die Waschmaschine mit 13 Prozent, Wasser zum Trinken und Kochen nur mit zwei Prozent. „Trotzdem müssen wir die Trinkwasserqualität für das Wasser aus dem Hahn garantieren“, erklärt der Werksleiter und erinnert an die strengen gesetzlichen Vorgaben. Dies gelte auch für die heißen Tage.

Noch macht sich der Fachmann darum keine Sorgen. „Die Dhünn-Talsperre ist noch gut gefüllt“, sagt er, „auch dank des Niederschlags im Frühling.“ Trinkwassertalsperren seien auf zwei Trockenjahre ausgelegt. Würden die Sommer künftig trockener und heißer, müsse über die Trinkwasserversorgung neu gesprochen werden. Im Bergischen Land nämlich sei die Gewinnung von Trinkwasser aus dem Grundwasser wegen der Lehmböden nicht möglich. Während in anderen Regionen das Wasser also direkt aus dem Boden geholt werde könne, sei das Bergische auf Trinkwassertalsperren angewiesen.

Mehr als 80 Millionen Kubikmeter Wasser fasst die Dhünn-Talsperre. Seit mehr als zehn Jahren sei die Talsperre nicht mehr übergelaufen, sagt Wasserfuhr. Zur Trinkwasseraufbereitung werden jährlich etwa 42 Millionen Kubikmeter Wasser entnommen. „Und weil es sich um Oberflächenwasser handelt, ist ein aufwändiger Aufbereitungsvorgang notwendig“, erklärt der Fachmann und zeichnet den Weg des Wassers von der Talsperre bis zum Wasserhahn nach. Starke Pumpen transportieren das Wasser von der Talsperre zur Aufbereitungsanlage – mit einem Höhenunterscheid von 190 Metern. „Seit vier oder fünf Tagen laufen alle vier Pumpen“, sagt Wasserfuhr, „das habe ich bisher noch nicht erlebt.“ Aber weil der Wasserstand in der Sengbachtalsperre bereits weit abgefallen sei, versorge die Dhünn-Talsperre den kleinen Bruder mit. „Wenn der Wasserstand zu niedrig wird, sinken die Temperaturen des Wassers“, erklärt Wasserfuhr. 500 Kubikmeter Wasser werden deswegen jede Stunde auf den Weg nach Solingen geschickt. „Sollten wir selbst mal in Not geraten, haben wir eine Vereinbarung mit dem Aggerverband geschlossen“, sagt Wasserfuhr, „dann können wir Wasser aus der Wiehltalsperre erhalten.“

Im Werk durchläuft das Wasser dann sechs Stationen, um Trinkwasserqualität zu erreichen: Die Mikrosiebtonne siebt Algen und Schwebstoffe aus, mit Flockungsmitteln wird danach den kleinen Partikeln auf den Leib gerückt, die danach ausgesiebt werden können. Es folgen zwei Filterstufen. Um Geschmacks- oder Geruchsstoffe im Wasser zu entfernen, wird dabei Ozon eingesetzt, das sich dann teilweise selbst abbaut und teilweise rausgefiltert wird. Nach der mechanischen und organischen Reinigung, sorgt der letzte Mischtopf dafür, dass Kalk- und Kohlensäuregehalt stimmen und die Leitungen geschont werden.

In Schürholz sprudelt die „Quelle“: Der Brunnen wird gespeist mit dem Wasser aus der Dhünn-Talsperre. Foto: Dörner, Hans (hdo)

„Es gibt jährlich mehr als 10.000 Wasseruntersuchungen zur Kontrolle“, erklärt Wasserfuhr, „wir lassen die Qualität nie aus den Augen.“ Das Trinkwasser wird dann auf den Weg zu den 42 Übergabestellen gepumpt – an denen die zuständigen Stadtwerke oder Genossenschaften übernehmen.

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