Gewerkschaft nennt Trend alarmierend: Im Rheinisch-Bergischen Kreis gibt es immer mehr Zweitjobber

Gewerkschaft nennt Trend alarmierend : Im Rheinisch-Bergischen Kreis gibt es immer mehr Zweitjobber

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) kritisiert, dass immer mehr Menschen zwei Jobs machen. Der Haupterwerb müsse zum Leben ausreichen.

Etwa 9100 Menschen im Rheinisch-Bergischen Kreis haben neben dem Haupterwerb noch einen Minijob, sind also sogenannte Zweitjobber. Das sind 44 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mitteilt.

Die NGG Köln beruft sich dabei auf neue Zahlen der Agentur für Arbeit. Besonders verbreitet sind Zweitjobs demnach im Gastgewerbe: 830 geringfügig Beschäftigte arbeiten in der Branche im Rheinisch-Bergischen Kreis - zusätzlich zu einer sozialversicherungspflichtigen Stelle. Gegenüber dem Jahr 2007 stieg ihre Zahl damit um 59 Prozent.

"Das ist ein alarmierender Trend", sagt Mohamed Boudih, Geschäftsführer der NGG Köln. "Es kann nicht sein, dass immer mehr Menschen mit einem normalen Arbeitsverhältnis nicht über die Runden kommen." Auf den ersten Blick verzeichne der Arbeitsmarkt im Rheinisch-Bergischen Kreis steigende Beschäftigungsquoten. "Doch die hohe Zahl der Zweitjobber zeigt, dass nicht alles Gold ist, was auf dem Arbeitsmarkt glänzt", sagt Boudih.

Der Gewerkschafter kritisierte, die Gastgewerbe-Branche dürfe nicht zur Minijobber-Domäne werden. "In Hotels, Pensionen und Restaurants brauchen wir mehr gelernte Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigte", sagt er. "Aushilfen können auf Dauer keine Fachkräfte ersetzen." Bereits heute seien die Klagen über fehlende Köche und Oberkellner groß. Doch neue Fachkräfte gewinne man in diesen Bereichen nur, indem man faire Löhne bezahle.

Nach Zahlen der Arbeitsagentur im Rheinisch-Bergischen Kreis hat mittlerweile fast jeder achte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte einen Nebenjob. Aus diesem Grund sieht die NGG dringenden Handlungsbedarf bei der Politik. "Hier ist etwas aus dem Ruder gelaufen", sagt Mohamed Boudih. Der gesetzliche Mindestlohn sei zwar ein erster wichtiger Schritt gewesen, um extreme Niedriglöhne abzuschaffen. Doch mit derzeit 8,84 Euro pro Stunde liege die Untergrenze zu niedrig, um davon allein als Vollzeit-beschäftigter eine bezahlbare Wohnung in der Stadt zu finden.

Der Gewerkschafter plädiert dafür, dass ausgehandelte Tarifverträge in Zukunft in allen Betrieben einer Branche gelten sollen - unabhängig davon, ob der Chef in einem Arbeitgeberverband aktiv ist. "Die nächste Bundesregierung muss sich auch dringend um die Rente kümmern", sagt Mohamed Boudih. "Ein Großteil der Menschen, die heute auf einen Zweitjob angewiesen sind, wird im Alter mit Armutsbezügen leben müssen. Hier brauchen wir eine Haltelinie nach unten."

(mba)