Im Gespräch mit Adrian Borner Im Freiwasser ist größte Vorsicht geboten

Wermelskirchen · Adrian Borner ist seit 2003 Mitglied in der DLRG Hückeswagen. Er spricht über die Aufgaben der DLRG und über Gefahren beim Schwimmen.

 Adrian Borner ist Vorsitzender der DLRG Hückeswagen.

Adrian Borner ist Vorsitzender der DLRG Hückeswagen.

Foto: Schütz

Herr Borner, ist die DLRG Hückeswagen bereit für die Badesaison an der Bever-Talsperre?

Borner Ja. Das Boot ist auf dem Wasser, die Wachstation an den Wochenenden besetzt und es wurden schon der erste Einsatz absolviert und verschiedene Regatten abgesichert.

Von wann bis wann ist die Badesaison in der Region?

Borner Unsere Wachstation ist regelmäßig von April bis Oktober an den Wochenenden und an Feiertagen mit ehrenamtlichen Kräften besetzt. Es gibt einige Schwimmer, die sich auch außerhalb dieser Monate ins Wasser trauen. Aber auch die müssen sich nicht unsicher fühlen, denn die DLRG Hückeswagen ist 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche über den Notruf 112 alarmierbar und einsatzbereit.

 Die Bever-Talsperre (Foto) ist ebenso wie die Wupper-Talsperre ein beliebtes Freigewässer, wo die Bergischen gern im Sommer zum Schwimmen gehen. Die Freigewässer haben aber ihre Tücken.

Die Bever-Talsperre (Foto) ist ebenso wie die Wupper-Talsperre ein beliebtes Freigewässer, wo die Bergischen gern im Sommer zum Schwimmen gehen. Die Freigewässer haben aber ihre Tücken.

Foto: Dörner

Welche Gewässer betreuen Sie hier in der Region?

Borner In erster Linie betreiben wir unsere Wachstation an der Bever-Talsperre. Allerdings werden im Rahmen der allgemeinen Gefahrenabwehr die gesamten Gewässer des Oberbergischen Kreises sowie die Wupper-Talsperre durch die DLRG-Kräfte des Oberbergischen Kreises sowie der Stadt Remscheid ehrenamtlich betreut. Dabei erfolgt die Alarmierung durch die Kreisleitstelle über den Notruf.

Was sind genau Ihre Aufgaben?

Borner Die DLRG ist zur Stelle, wenn sich im oder in der Nähe des Wassers ein Unfall oder Notfall ereignet. Unser Personal ist sowohl zur Rettung als auch Versorgung verunglückter Personen geschult. In diesem Rahmen verstehen wir vor allem Prävention und Aufklärung als wichtiges Element unserer Arbeit. Wir sind froh, wenn kein Schwimmer zu Schaden kommt. So klären wir auf, worauf man beim Schwimmen achten muss, an welchen Stellen ein Sprung ins Wasser gefährlich sein könnte und warum ein Freigewässer nicht mit einem Hallenbad zu verwechseln ist.

Wo genau darf man im Bergischen eigentlich schwimmen?

Borner Außerhalb von Schwimm- und Freibädern existieren im Bergischen keine bewachten Badestellen. Deshalb ist beim Schwimmen in jedem Gewässer größte Vorsicht geboten. Ein wenig Sicherheit geben die in den Talsperren ausgewiesenen Schwimmstellen; diese sind durch gelbe Bojen gekennzeichnet. Innerhalb dieser Wasserflächen wird der Grund regelmäßig von Hindernissen und Gefahren für Schwimmer gesäubert. Zudem herrscht innerhalb dieser Flächen ein Fahrverbot für Boote. Eine Sicherheit, das eigene Können richtig einzuschätzen, bieten diese Schwimmstellen allerdings nicht.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit den anderen Ortsvereinen der DLRG in der Region?

Borner Die DLRG ist im Oberbergischen Kreis in der allgemeinen Gefahrenabwehr gemeinsam organisiert. So erfolgen regelmäßige Abstimmungen zwischen den Ortsgruppen. Die Zusammenarbeit würde ich als sehr gut beschreiben. Auch außerhalb der überörtlichen Gefahrenabwehr tauschen wir uns regelmäßig aus.

Im Wasser lauern ja durchaus Gefahren. Worauf müssen Badefreunde besonders achten?

Borner Im Freigewässer gibt es eine Vielzahl von Gefahren, die nicht zu unterschätzen sind. Dazu gehören neben Scherben achtlos weggeworfener Flaschen auch natürliche Gefahren wie Wasserpflanzen oder Strömungen. Jeder Badegast sollte sich vor der Nutzung von Freigewässern über die örtlichen Begebenheiten und Gefahren informieren.

Welche Fehler begehen Schwimmer in freien Gewässern?

Borner Der größte Fehler ist die Überschätzung der eigenen Kräfte. Oft hören wir Aussagen wie diese: "Bis zur anderen Seite schwimme ich locker!" Doch vor allem auf dem Wasser kann man Entfernungen nur schwer einschätzen. Der Schwimmer sollte also immer daran denken, dass er die gleiche Strecke auch wieder zurückschwimmen muss.

Welche Vorsichtsmaßnahmen können Schwimmer treffen?

Borner Schwimmern, die größere Strecken zu Trainingszwecken zurücklegen wollen, raten wir, einen Schwimmkörper an einer Leine mitzuführen. Daran können sie sich festhalten, wenn die Kräfte nachlassen oder Krämpfe eintreten. Allen anderen Schwimmern sollten mit den eigenen Kräften vernünftig umgehen und haushalten.

Was macht man, wenn man beim Schwimmen ist und plötzlich Gewitterwolken aufziehen?

Borner Schon für das Schwimmabzeichen Bronze müssen die Kinder Baderegeln lernen. Eine Regel besagt: "Bei Gewitter ist Baden lebensgefährlich. Verlasse das Wasser sofort." Es sollte also schnellstens das nächstgelegene Ufer angeschwommen und das Wasser auf dem kürzesten Weg verlassen werden.

Gilt die Regel tatsächlich, dass man eine Stunde nach dem Essen warten muss, ehe man ins Wasser geht?

Borner Auch hier sei der Verweis auf die Baderegeln erlaubt. Diese besagen: "Gehe niemals mit vollem oder ganz leeren Magen ins Wasser." Die medizinische Begründung würde hier den Rahmen sprengen. Allerdings heißt es nicht umsonst, dass man nach dem Essen gern ein Verdauungsschläfchen machen sollte.

Worauf müssen Eltern besonders achten, wenn ihre Kinder im Wasser sind?

Borner Kinder sollten als Nichtschwimmer nicht weiter als bis zur Brust ins Wasser gehen. Allerdings kann auch diese Regel im Freigewässer tückisch sein, da der Untergrund des Gewässers häufig nicht eben ist und plötzlich steil abfallen oder Löcher haben kann. Auch wenn die Kinder schwimmen können, sollte man sie nie aus den Augen lassen und nah bei ihnen bleiben. Wichtig ist es an dieser Stelle anzumerken, dass Luftmatratze und Schwimmtiere keine Schwimmhilfen sind und den Kindern nur bedingt Sicherheit bieten können. Oft beobachten wir, dass es den Eltern Sicherheit zu geben scheint, wenn das Kind mit einem aufblasbaren Ring unterwegs ist. Auch Schwimmflügel legitimieren nicht, dass Nichtschwimmer alleine ins Wasser gehen.

Gehen Sie selbst eigentlich auch in den Talsperren schwimmen?

Borner Für mich ist es das schönste Gefühl, im Freigewässer schwimmen zu gehen. Es ist ein erfrischendes Freiheitsgefühl, das man mit dem Gefühl des Schwimmens in einem Hallenbad nicht vergleichen kann. Eine Lieblingsstelle habe ich nicht, da ich eher pragmatisch veranlagt bin.

DAS INTERVIEW FÜHRTE WOLFGANG WEITZDÖRFER

(wow)
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