Wermelskirchen: Illustrationen entkräften Ängste mit Fakten

Wermelskirchen: Illustrationen entkräften Ängste mit Fakten

Im Rahmen der Veranstaltungswoche "Widerrechts" ist im Rathaus eine Ausstellung unter dem Thema "Bildkorrektur - Bilder gegen Bürgerängste" zu sehen.

Die Zeichnung von Illustrator Aike Arndt zeigt eine rot und eine blau hinterlegte Waage, die mal in die eine, mal in die andere Richtung ausschlägt. Rot zeigt die Angst: "Am Ende gehen die nie wieder weg." Blau steht für die Tatsache, die ein Ergebnis von Prof. Dr. Oltmer vom Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien ist: "Die meisten Menschen möchten so schnell wie möglich zurück in ihre Heimat. Die meisten Aufenthalte sind auf Monate oder wenige Jahre beschränkt." Eigens aus Berlin reiste Aike Arndt zur Eröffnung der Ausstellung "Bildkorrektur - Bilder gegen Bürgerängste" im Rahmen der "Widerrechts"-Woche nach Wermelskirchen an. Das Werk des Illustrators ist eines von 15 Bildern, die bis zum 9. März auf der ersten Etage des Rathauses zu sehen sind.

15 Comiczeichner, Illustratoren und Karikaturisten fanden sich für das Non-Profit-Projekt "Bildkorrektur" zusammen, um mit ihren Zeichnungen die Top 15 der Vorurteile, die Ängste vermeintlich "besorgter Bürger" zu entkräften. Den Bildern gemein ist die Teilung in eine rote und eine blaue Hälfte, die mit Zitaten und recherchierten Fakten untermauert sind. Ursprünglich sei das Vorhaben als reines Internetprojekt gedacht gewesen, berichtete Aike Arndt. Dort habe es jedoch schnell Verbreitung und Zuspruch gefunden: "Schulen, Bibliotheken oder Kirchengemeinden suchen nach bildnerischem Material zu dem Thema." Dieses Motiv verfolgten auch die Organisatoren der Wermelskirchener "Widerrechts"-Woche für Vielfalt und Toleranz, die nach einer Möglichkeit für eine Ausstellung suchten. Uwe Engelbracht, der die Ausstellungseröffnung moderierte, sagte: "Die Illustrationen entkräften Ängste mit Fakten. Angst ist der Auslöser, mit dem wachsender Populismus versucht, die Leute zu fangen." Die Hauptaufgabe von "Widerrechts" sei es, sensibel zu machen. Das "Widerrechts"-Thema in diesem Jahr heißt: "Angst? - Wir lassen uns nicht ködern!"

Die Initiative zu "Bildkorrektur" ging von der Berlinerin Alexandra Klobouk im Herbst 2015 aus, erstmals gezeigt wurden die Bilder in 2016. Auf die Anfangsphase blickte Aike Arndt bei seinem Besuch in Wermelskirchen zurück: "Wir hatten die Befürchtung, dass die Idee versanden würde, weil wir genau zu dem Zeitpunkt online gingen, als nach den Silvestervorfällen in Köln ein Stimmungswechsel im Land eintrat." Ziel der Künstler seien Werke gewesen, die sich schnell verstehen und verbreiten lassen: "Wir können mit Zeichnungen natürlich nicht alles abschließend erklären."

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Bürgermeister Rainer Bleek bedauerte bei der Ausstellungseröffnung, dass politische Aktionen "nicht gerade häufig" in Wermelskirchen seien: "Auch die widerliche Diskriminierungspolitik der AfD muss ein Alarmsignal für uns alle sein." Er stellte weiter fest: "Angst vor Überfremdung ist dort am größten, wo am wenigsten Flüchtlinge leben."

Zu den Ausstellungsbesuchern zählte Stadtsparkassenvorstand Hans-Jörg Schumacher - das Kreditinstitut ist Sponsor von "Widerrechts": "Durch die spielerische Darstellung sind die Bilder zugänglich, sie wirken nicht belehrend."

(sng)