Wermelskirchen: "Ich war nie linker als die SPD"

Wermelskirchen: "Ich war nie linker als die SPD"

Der Kommunalpolitiker und Rechtsanwalt Bernhard Schulte trat vor 50 Jahren den Sozialdemokraten bei - damals inspiriert von seinem Vorbild Willy Brandt. Bis heute hat der 75-Jährige nichts von seinem Gestaltungswillen eingebüßt.

Seine biografischen Eckdaten skizzieren nicht nur ein von Gestaltungswillen geprägtes (Politiker-)Leben, sondern ebenso die jüngste Geschichte Wermelskirchens. In Form eines Jubiläums gesellt sich nun ein weiterer Fakt zur Liste dieser Daten: Bernhard Schulte ist seit 50 Jahren Mitglied in der SPD. Für den 75-jährigen Rechtsanwalt, der im Jahr 2000 das Bundesverdienstkreuz verliehen bekam, ist die Motivation zur kommunalpolitischen Arbeit ungebrochen. "Bei mir ist der Impetus nach wie vor da. Ich habe noch keine Lust, die Brocken hinzuwerfen." Das würde auch solange so bleiben, wie der Spaß an der Sache überwiege.

Sowohl auf städtischer als auch auf Kreisebene gehört Bernhard Schulte zu den Urgesteinen, die wissen, wie "der Hase läuft": Seit 1969 sitzt er ununterbrochen im Stadtrat, seit 1975 im Kreistag. Eine Kandidatur für den nordrhein-westfälischen Landtag lehnte der Sozialdemokrat, der Willy Brandt als prägendes Vorbild sieht, in der Mitte der 1970er Jahre ab. Die Begründung, die Schulte damals zu dieser Entscheidung bewog, sagt viel über den Sprössling aus der Gründerfamilie von Tente-Rollen aus: "Ich war in dieser Zeit dabei, beruflich meine Anwaltskanzlei aufzubauen. Ich wollte Abhängigkeiten vermeiden, um nach einer Legislaturperiode meine Wiederwahl zu sichern - ohne Wiederwahl wäre ich mit der Kanzlei ja wieder bei Null angefangen."

Innerhalb der SPD gehörte Bernhard Schulte zu den Vorständen des Ortsverbandes und des Unterbezirks, unter anderem zehn Jahre als Vorsitzender der Wermelskirchener Sozialdemokraten (1976 bis 1986). Wegen zunehmender beruflicher Belastung und der kommunalpolitischen Mandate legte der Rechtsanwalt letztlich die Parteiämter nieder. Nach 50 Jahren mit "rotem" Parteibuch ist Bernhard Schulte ein treuer "Parteisoldat", der sich gut an die Zeiten seines Parteieintritts erinnert. "Die Politik von Willy Brandt hat mich dazu bewogen." Außerparlamentarische Opposition im Rahmen der Studentenbewegung sei für ihn, der in Würzburg und Köln studierte, nie in Frage gekommen: "Ich war nie linker als die SPD und wollte innerhalb der Parlamente etwas bewegen, und das schon gar nicht mit Gewalt."

Aktuell wünscht sich Bernhard Schulte mehr Arbeitnehmer in seiner Partei. Kritisch bemerkt er: "Dafür müssten wir mehr Politik für diese Klientel machen." Beispielsweise die Arbeitsmarktreformen mit dem SPD-Kanzler Gerhard Schröder ("Hartz IV") hätten vernünftige Ansätze gehabt, die jedoch nicht alle ausreichend umgesetzt worden seien, wie beispielsweise Fördermaßnahmen für Arbeitslose. Schulte ergänzt: "Ich kriege einen Schreck, wenn ich sehe, dass jemand nach 40 bis 45 Jahren Arbeit nur einen Rentenanspruch von 1000 Euro hat."

Bis heute bereut Bernhard Schulte seinen Eintritt in die SPD nicht: "Als ich 1972 als Anwalt anfing, war meine SPD-Zugehörigkeit für meinen Job nachteilig. Das hat sich im Laufe der Zeit gegeben, weil die Menschen gemerkt haben, dass ich Arbeit und Parteibuch klar trenne."

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Kommunalpolitisch fand Bernhard Schulte sein Steckenpferd im Bereich von Stadtentwicklung und Verkehr - dem entsprechenden Fachausschuss sitzt er aktuell zum wiederholten Male vor. Dazu passt, was der passionierte Pfeifenraucher als einschneidendstes Erlebnis seiner politischen Laufbahn bezeichnet: "Der Planfeststellungsbeschluss und Bau der B 51n." Das sei eine sehr langwierige, komplizierte Geschichte gewesen, die schließlich im Innenstadtumbau mündete. "Das hat sich gelohnt", urteilt Schulte und verweist gleichzeitig auf eine Aufgabe, die er als noch nicht erledigt ansieht: "Die Telegrafenstraße ist immer noch ein Problem, weil die Verkehrsentlastung nicht wie gewünscht passiert ist." Eine weitere Herausforderung für die Kommunalpolitik sieht Schulte in der Schaffung bezahlbaren Wohnraums im Innenstadtbereich: "Ich meine dabei nicht nur sozialen Wohnungsbau."

Zwei Mal kandidierte Bernhard Schulte für die Wermelskirchener SPD bei einer Bürgermeisterwahl und musste zwei Niederlagen einstecken: 1979 gegen Heinz Voetmann (CDU) und 1999 in einer Stichwahl gegen Michael Heckmann (CDU). Gelehrt haben ihn seine Erfahrungen, dass Politik das Bohren dicker Bretter sei. "Ich habe in den 1980er- und in den 1990er-Jahren schon mal die Idee zur Gestaltungssatzung für die Bebauung in der Innenstadt eingebracht. Jetzt erst scheinen das alle zu befürworten", sagt er.

Neben Beruf und Kommunalpolitik mischt Schulte rege in Vereinen mit: Er ist Mitbegründer des Bürgerbusvereins und der Städtepartnerschaft mit Loches, gehört seit 60 Jahren zum Ski-Club, dessen Vorsitzender er 32 Jahre war, zählt zum Vorstand des Wermelskirchener Verkehrs- und Verschönerungsvereins und steht seit 2005 dem Kunstverein als Vorsitzender vor.

Bleibt da noch Zeit für Hobbys? Ja, Schulte ist Fan von Jazzmusik - und vom 1. FC Köln.

(RP)