Wermelskirchen: Hospiz für mehr Mitmenschlichkeit

Wermelskirchen: Hospiz für mehr Mitmenschlichkeit

Mit vielen geladenen Gästen feierte der Hospizverein am Samstagmorgen sein 20-jähriges Bestehen. Neue Ehrenamtliche werden gesucht.

Eine Feier wie das Leben selbst hatten sich die Mitglieder des Hospizvereins zu ihrem 20. Geburtstag gewünscht. Mal heiter und fröhlich, dann nachdenklich, ohne den Themen um Sterben und Tod aus dem Weg zu gehen oder Angst vor Tränen zu haben. Mit Armin Himmelrath hatten sie einen Moderator gewählt, der beides konnte und beides aushielt.

Er nahm die vielen Besucher aus Politik und Vereinsleben, aus Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, viele Weggefährten der vergangenen 20 Jahre zu Anfang mit auf eine Reise in die Vergangenheit. "Die 22 Gründer des Vereins waren Menschen, die sich getraut haben, gegen den Strom zu schwimmen", erinnerte Vorsitzende Annegret Engels. Denn beliebt sei das Thema Hospiz damals nicht gewesen. "Heute begleiten wir im Jahr 50 Menschen", befand Engels, "wir werden wahr- und in Anspruch genommen."

Und dann hielt sie ein Plädoyer für Mitmenschlichkeit in hektischen Zeiten, für wohltuendes Handeln in einer Branche, in der immer mehr von Professionalität die Rede sei.

Dass die Wermelskirchener ihren Hospizverein und dessen Art, die Dinge anzugehen, schätzen, machten die Gratulanten anschließend deutlich. "Es ist eine der schwersten ehrenamtlichen Arbeiten", befand Bürgermeister Rainer Bleek, "und ohne den Hospizverein blieben viele Menschen allein." Er bescheinigte den vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern: "Sie sind mitten in dieser Stadt angekommen."

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Auch Helga Loepp, die den Hospizverein vor 20 Jahren mit gegründet hatte, gratulierte zum runden Geburtstag - mit persönlichen Erinnerungen an ihre Begegnungen mit Tod und Sterben und einem ehrlichen Einblick in ihre Familiengeschichte. Ganz verschiedene Perspektiven der Hospizarbeit lernten die Besucher dann während einer Gesprächsrunde kennen. Begleiterin Jasmin vom Hoff, Koordinatorin Annette Gennat, Ulla Blumberg vom Trauercafé und Mediziner Harald Bergerhoff kamen ins Gespräch über ihre Aufgaben im Verein. Annette Gennat warb um neue Mitarbeiter. 25 Ehrenamtliche engagieren sich aktuell - unter ihnen nur ein Mann.

Jasmin vom Hoff berichtete von ihrem Einsatz in der Sterbebegleitung, während Ulla Blumberg von Begegnungen mit Trauernden erzählte. Wer danach wollte, konnte einen Zettel am Wunschbaum anbinden: Was soll von mir bleiben? Was möchte ich hinterlassen? fragte der Hospizverein und brachte die Menschen zum Nachdenken.

Mit viel Musik dargeboten vom Cello-Quartett, der Stephanus-Combo und Max Erben, mit kulinarischen Genüssen und Gesprächen klang das Fest zum 20. Geburtstag schließlich aus.

(resa)
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