Aus dem Tierheim: Herrchen oder Frauchen gesucht

Aus dem Tierheim: Herrchen oder Frauchen gesucht

Neben 17 Hunden und 50 Katzen leben auch Kaninchen im Tierheim Wermelskirchen - einige Bewohner stellen wir hier vor.

Hier herrscht Wohlfühlatmosphäre. Das zeigt die 13-jährige Hündin Emma. Der Mischling liegt gelassen auf der großen Matte unter dem Bürotisch und schläft. "Emma kam mit Übergewicht und Arthrose zu uns. Sie sollte damals eingeschläfert werden", sagt Günter Leuerer. Der Leiter des Tierheim Wermelskirchen und sein Team haben sie davor bewahrt und bei sich aufgenommen. Nun hat das Weibchen als einziger Hund einen Platz im Büro.

Dieses Privileg hat nicht jeder der 17 Hunde. Die anderen Vierbeiner sind in zwei beheizten sowie einem zum Hof hin offenen Hundehaus untergebracht. Die Katzen wiederum leben in vier und die Kaninchen in zwei beheizten Holzhütten.

Eine gemütliche Atmosphäre ist Leuerer sehr wichtig. "Hier soll sich jeder wohlfühlen - egal ob Zwei- oder Vierbeiner." Zu Weihnachten hat er zum Beispiel Deko und Lichter angebracht. "Es sind die Kleinigkeiten, die es ausmachen", sagt er. Jeden Sonntag beispielsweise bieten die Mitarbeiter Waffeln und Reibekuchen für ihre Gäste an.

Nicht nur abzugebende und verwaiste Haustiere nimmt das Team um Günter Leuerer in seine Obhut, sondern auch Vierbeiner aus Laboren. Seit 1986 wird das "Kölner Modell" unterstützt. Dabei handelt es sich um eine Einrichtung, die Versuchstiere an Privatpersonen vermittelt. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um Beagle und Katzen, die von Pharmaindustrien zur Weitervermittlung abgeben werden. Zumeist wurden bei ihnen Untersuchungen zur Erforschung von parasitären Erkrankungen durchgeführt.

Vor der Vermittlung werden sie von Tierärzten untersucht, geimpft und kastriert. Jede Woche kommt ein Arzt nach Wermelskirchen. Zur Aufnahme muss den neuen Besitzern bewusst sein: "Es sind Labortiere, und sie machen auch einfach mal unter sich auf den Boden. Außerdem sind sie es nicht gewohnt, an der Leine spazierenzugehen. Es muss viel Zeit und Mühe investiert werden", erklärt der Vorsitzende.

Derzeit kümmern sich sechs Mitarbeiter in Voll-und Teilzeit um die Pflege der 50 Katzen, sechs Kaninchen und 17 Hunde. Von Letzteren kommen einige auch aus Spanien und Rumänien. "Demnächst nehmen wir wieder neue Welpen aus Spanien auf", sagt Günter Leuerer. Eingefangene wild lebende Katzen oder auch Fundkatzen kommen zuerst in die Quarantänestation. Dort werden sie geimpft und untersucht, damit sie keine Krankheiten oder Seuchen übertragen.

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Wer Interesse an einem der Tiere hat, kann sich für ein Beratungsgespräch anmelden. Dabei werden die Wünsche und Vorstellungen des zukünftigen Besitzers besprochen und das passende Familienmitglied ermittelt. Um die Vierbeiner kennenzulernen, kann mit Katzen gespielt oder mit Hunden eine Runde spazieren gegangen werden.

Bevor es zu ihren neuen Besitzern geht, werden die Katzen kastriert, um die willkürliche Vermehrung zu stoppen.

Aber auch ehrenamtliche Helfer können mit Katzen kuscheln oder mit Hunden spazieren gehen. Dafür ist lediglich einen Sachkundenachweis nötig. Außerdem muss eine Mitgliedschaft im Tierschutzverein Wermelskirchen vorliegen, diese kostet im Jahr 15 Euro.

"Auf Unterstützung und Spenden sind wir sehr angewiesen", sagt Günter Leuerer. Die Betriebskosten belaufen sich auf 200.000 Euro im Jahr. Die Stadt Wermelskirchen bezuschusst die Einrichtung mit 8000 Euro, die Stadt Hückeswagen mit 3450 Euro. "Weil das nicht reicht, hängt viel an den Spenden und an den Einnahmen der Vermittlungen ab", erklärt Günter Leuerer.

Investiert wurde vergangenes Jahr in eine Waldfläche direkt neben dem Tierheim. "Hier haben wir einen neuen Hundeauslauf geplant", sagt der Vorsitzende.

(RP)