Wermelskirchen: Heiligabend in der Notfall-Ambulanz

Wermelskirchen : Heiligabend in der Notfall-Ambulanz

Während andere die Bescherung feiern, ist Jessica Fronert im Wermelskirchener Krankenhaus im Einsatz.

Dieses Jahr wird die Bescherung ohne sie stattfinden. "Ein bisschen traurig darüber bin ich schon" gibt Jessica Fronert zu. Seit 14 Jahren arbeitet sie in der Notfall-Ambulanz des Krankenhauses in Wermelskirchen. Gerade als Mutter eines 9-jährigen Kindes fällt es ihr besonders schwer, an Heiligabend nicht zuhause zu sein.

Zum ersten Mal seit der Geburt ihres Sohnes wurde sie für den Dienst zum Heiligabend eingeteilt. "Es fühlt sich komisch an, zu wissen, dass ich diesen besonderen Tag nicht mit meinem Mann und meinem Kind verbringen werde", erzählt die Krankenschwester. Normal würde sie ein festliches Essen zubereiten und dann im engen Kreis der Familie feiern.

Trotz der Umstände wollten die Fronerts die Bescherung nicht verschieben. "Es ist Tradition, dass man sich an Heiligabend beschenkt, deshalb werden mein Mann und mein Sohn ohne mich Geschenke auspacken. Würde man die Bescherung nicht am Heiligabend machen, würde die Magie dieses besonderen Momentes verlorengehen", findet sie. Etwas vom freudigen Ereignis wird sie trotzdem mitbekommen. Denn ihr Mann hat ihr versprochen, ihr ein Video der Bescherung zu schicken.

Auch organisatorisch ist der Dienst an Heiligabend für die Krankenschwester eine sehr große Umstellung. "Ich musste viel im Voraus planen, damit alles gut klappt. Aber ich bin dankbar dafür, dass meine Mutter mir dabei helfen kann. Sie wird das Essen für meine Familie vorbereiten. Das entlastet mich sehr". Den Kopf hängenlassen, will sie jedoch nicht. "Natürlich bin ich ein bisschen neidisch auf die Menschen, die bei den Festen bei ihren Lieblingen bleiben können. Trotzdem werde ich das Schönste aus diesem Tag machen", betont die 38-Jährige. Auch für die Patienten will sie versuchen den Abend möglichst positiv zu gestalten. "Ich weiß, dass es traurig ist, über Heiligabend im Krankenhaus zu sein. Aber wir bemühen uns, dass auch für sie ein bisschen weihnachtliche Stimmung aufkommt." Außerdem hofft sie, mit ihren Kollegen ein wenig feiern zu können: "Wir haben abgemacht, dass jeder etwas zu Essen mitbringt. Vielleicht schaffen wir es auch, gemeinsam zu essen. So feiern wir dann Heiligabend zumindest unter Kollegen". Ob es tatsächlich dazu kommen wird, weiß sie nicht. Es hängt stark davon ab, wie viele Notfälle in die Ambulanz eingehen werden. Denn an Heiligabend rechnet sie eigentlich mit einem regen Betrieb. "Die Ärzte haben drei Tage zu. Das ist eine sehr lange Zeit". Zudem sind viele Krankenhäuser im Umland ausgelastet, so dass viele auswärtige Patienten nach Wermelskirchen geleitet werden.

"Vor allem an den Feiertagen gehen viele auch wegen kleiner Lappalien wie Rückenschmerzen oder Schnupfen ins Krankenhaus. Sie wählen einfach den schnellsten und bequemsten Weg", berichtet Jessica Fronert. Nach 14 Jahren in der Krankenhaus-Ambulanz weiß sie schon, worauf sie sich während der Festtage einstellen muss. "Starke Bauchschmerzen und Alkoholkonsum gehören zu den häufigsten Notfällen an den Feiertagen", weiß sie aus Erfahrung. Obwohl sie am Heiligabend arbeiten muss, während die anderen gelassen feiern, bereut die 38-Jährige ihre Berufswahl keineswegs. "Ich liebe meinen Job. Ich habe Spaß daran und das gleicht alles andere aus", betont sie.

(doho)
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