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Haus Eifgen: Crossover-Festival der Unterschiede​ in Wermelskirchen

Kultur in Wermelskirchen : Ein Festival der wunderbaren Unterschiede

Drei Gruppen, drei Stile: Beim Crossover-Festival im Haus Eifgen verband die Künstler vor allem ein Merkmal – die Weltklasse. Das Publikum war begeistert.

Es ist mucksmäuschenstill im Haus Eifgen. Kein Gläserklirren, kein Geplauder über den Tresen hinweg. Dann scheint aus den Tiefen der sibirischen Steppe ein Wolf zu heulen, ein Zwitschern und ein Krähen gesellen sich dazu. Und irgendwo scheint einer das Gespräch mit den Tieren aufzunehmen. Es ist eine Stimme, die sich tief aus der Seele von Kaigal-ool Khovalyg einen Weg an die Oberfläche zu suchen scheint. In ihr klingt so viel Tradition und Sehnsucht mit, dass trotz der fremden Sprache, Bilder entstehen.

Oberton- oder Kehlkopfgesang nennen Musiker diese Art der Klangerzeugung in unseren Breitengeraden. Am Sonntagnachmittag sind im Haus Eifgen die vielleicht weltbesten Musiker ihres Fachs zu Gast: Huun-Huur-Tu aus der russisch autonomen Republik Tuwa. Der kleine Staat mit bewegter Geschichte liegt an der Grenze zur Mongolei. Seine Bevölkerung trägt seine eigene, lange Geschichte mit sich, eine ganz eigene Kultur und eine eigene Musik. Im Gepäck haben die vier Musiker auf ihrer langen Reise durch Europa vor allem alte Streichinstrumente, für die der deutschen Sprache die Namen fehlen. Gelegentlich kommt auch eine Gitarre ins Spiel, eine traditionsreiche Flöte, dazu eine Art Mundharmonika. Und Alexei Saryglar spielt Percussioninstrumente mit Geschichte.

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In ihren Liedern, in denen die ungewöhnlichen Obertonklänge vorsichtigen Melodien der Instrumente und einem klaren Trommelschlag begegnen, erzählen sie die Geschichte ihres Volkes. Sie verwandeln die tiefen Töne in Bilder und bringen begeisternde Rhythmen mit. Das Publikum im Haus Eifgen jubelt, manchmal will der Applaus nach einem Stück gar nicht mehr aufhören. Und als die vier Musiker am Ende ihre Instrumente zur Seite legen, da bedanken sich die Zuhörer mit stehenden Ovationen.

Der Auftakt des Crossover-Festivals ist rundum gelungen. Michael Dierks und das engagierte Team der Kulturinitiative haben etwas gewagt: Sie haben neben Huun-Huur-Tu auch die Jazzgruppe Radius und das New Yorker Ensemble Hazmat Modine eingeladen. Drei Musikstile, ein Festival. „Alles sehr gute Musiker mit hohem Anspruch“, sagt Michael Dierks und erzählt, wie ihnen das Förderprogramm „Neustart Kultur“ die Möglichkeit gab, dieses Festival auf die Beine zu stellen. Die drei hochklassigen Gruppen hätte man sich ohne Fördergelder womöglich nicht leisten können. „Das Geld hilft uns, die Eintrittspreise so zu setzen, dass sie erschwinglich geblieben sind“, sagt Dierks. Und so bekommen die Besucher im Haus Eifgen am Sonntag geballte Klasse zu hören.

Schon der Soundcheck mit Radius wird für die Zuhörer zum Spektakel und macht Lust auf lauten, rockigen Jazz. Und der begeistert die Zuhörer schließlich im Biergarten – während es leise nieselt. Gerockt wird trotzdem – mit Saxophon und Hammondorgel, mit Schlagzeug und Bass. Es ist ein anderes Publikum, das inzwischen Platz genommen hat. Und am Eingang lassen sich die ersten Gäste blicken, die extra für Hazmat Modine gekommen sind.

Die New Yorker Gruppe setzt dem Festival am Abend die Krone auf. Was als Blues angekündigt ist, entpuppt sich als Spektakel der Musikstile. Salsa und Klezmer gesellen sich zum Blues. Das Publikum ist hin und weg. Er kenne die Gruppe aus einer New Yorker Bar, erzählt ein Besucher. Über den Auftritt des etwas abgespeckten Ensembles im Haus Eifgen habe er sich riesig gefreut, sagt er noch. „Weltklasse.“ Tuba und Schlagwerk, Violine, atemberaubende Stimmen und allerlei Instrumente, die Bandleader Wade Schuman aus dem Ärmel zaubert: Die Musik von Hazmat Modine reißt die Zuschauer vom Hocker.

Währenddessen atmet Michael Dierks am Mischpult zum ersten Mal an diesem Tag tief durch. „Drei so hochklassige Bands an einem Tag. Das ist auch für uns eine Herausforderung“, räumt er ein. Bis zu 25 Ehrenamtliche sind an diesem Tag im Einsatz – für Technik und Catering, Ticketverkauf und hinter den Kulissen. „Und Überraschung: Es passt komplett zusammen“, sagt Dierks. Trotz der verschiedenen Musikstile und der völlig unterschiedlichen Ensembles. Vielleicht sei das ein Konzept für die Zukunft. So verschiedene, hochklassige Musik an einem Tag: Das bekämen die Leute an anderen Orten nur selten geboten.