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Hajo Mans gastierte mit "Tief im Westen" im Wermelskirchener Flm-Eck.

Theater im Film-Eck : Gelungenes Ein-Mann-Theater

Zum Jubiläumsabend hatte das Team um Peter Scheben das Ein-Personen-Stück „Tief im Westen“ von und mit Hajo Mans im Programm. In der Rolle des Johannes machte er sich unter anderem Gedanken zum Thema Heimat.

Es war ein besonderer Theaterabend im Film-Eck. Denn ziemlich genau vor fünf Jahren hieß es zum ersten Mal „Vorhang auf!“ für Theater im alten Kino an der Telegrafenstraße. Und zum Jubiläumsabend hatte das Team um Peter Scheben das Ein-Personen-Stück „Tief im Westen“ von und mit Hajo Mans im Programm. Und der Kinosaal war erfreulich gut gefüllt, das Publikum hatte sichtlich Lust auf einen humorvollen Theaterabend mit dem Vollblutschauspieler Mans, den es ja zudem bereits von einer Vorstellung der Musikerkomödie „Der Kontrabass“ von Patrick Süßkind her kannte.

Die Bühne war recht simpel dekoriert, was aber auch gar nicht so wichtig war, denn schließlich ging es in „Tief im Westen“ in erster Linie um einen Monolog, der mit ebenso witzigen wie tiefgründigen Anekdoten rund um die Erinnerungen an ein vergangenes Leben gefüllt war. Mans, der den Johannes spielte, einen Mann Anfang 50, den es als jungen Menschen aus der Heimat im titelgebenden Westen, genauer im Selfkant, in die Großstädte Berlin, Köln und München gezogen hatte, weil er die Spießigkeit der westlichsten Gemeinde Deutschlands nicht mehr haben wollte. „Mein Vater hat immer gesagt, als Mann muss man einen Baum pflanzen, ein Haus bauen, einen Sohn zeugen – und Schützenkönig werden“, sagte er und klang dabei leicht zynisch. Wobei er im Alter, in dem die meisten Männer kurz vor oder mitten in der Midlife-Crisis stecken, doch noch damit begann, seinen Frieden mit der alten Heimat zu schließen. „Spießigkeit – das ist doch heute beinahe sexy“, rief er beinahe befreit aus.

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Die Parallele zur Struktur von „Der Kontrabass“, den Mans ja auch schon gegeben hatte, war ganz offensichtlich: Ein Mann stand auf der Bühne, erzählte dem Publikum mal launig, mal traurig, dann wieder nachdenklich oder euphorisch über sein Leben. Und das, während er auf eine Renaissance mit seiner Jugendliebe Connie hoffte. In diesem Fall stand er in der Küche und bereitete eben jener Jugendliebe ein Abendessen zu, das er gemeinsam mit ihr genießen – und dabei vielleicht an vergangene Zeiten anknüpfen – wollte. Es war ein gutes Stück Selbstreflexion, die Johannes da vorlegte. Und Reflexion überhaupt, denn letztlich standen auch die verschiedenen Lebensentwürfe von Johannes und Connie im Mittelpunkt des Monologes. Und dann reifte in Johannes der Entschluss, es nicht nur mit der Jugendliebe noch einmal zu probieren, sondern vielleicht auch mit der alten Heimat. „Was spricht dagegen, dass wir es jetzt noch einmal versuchen miteinander? Warum eigentlich nicht?“

Und dann war „Tief im Westen“ am Ende eben genau das: Eine Liebeserklärung an die ländliche und manchmal, ja, spießige Gegend und vor allem an die Heimat. Frei nach dem Motto: Man kann den Jungen aus dem Selfkant nehmen - aber niemals den Selfkant aus dem Jungen. Und das war doch auch eine schöne Erkenntnis, die zudem auf herrliche Art und Weise präsentiert wurde und vom Publikum zurecht mit lautem Applaus bedacht wurde.

Nicht zuletzt kam auch Herbert Grönemeyer zu Wort – kurz wurde die titelgebende Textzeile aus „Bochum“ angesungen. Und auch wenn der Selfkant nicht der Ruhrpott ist, passte das doch ganz hervorragend. Das fand auch das Publikum, das mit Applaus nicht sparte.