Wermelskirchen: Händler beklagen Umsatzeinbrüche

Wermelskirchen: Händler beklagen Umsatzeinbrüche

Seit der Schließung des Kaufparks vermissen die Einzelhändler der unteren Kölner Straße die "Laufkundschaft" – auch fehlen seit der Schließung des Kaufpark-Parkhauses wichtige Parkplätze im unteren Bereich der Innenstadt.

Seit der Schließung des Kaufparks vermissen die Einzelhändler der unteren Kölner Straße die "Laufkundschaft" — auch fehlen seit der Schließung des Kaufpark-Parkhauses wichtige Parkplätze im unteren Bereich der Innenstadt.

Die Sorgenfalten der Einzelhändler an der Kölner Straße werden immer tiefer, seitdem der Kaufpark im Dezember 2013 seine Türen abschloss und wenig später auch die Tiefgarage nicht mehr genutzt werden konnte. "Schauen Sie doch mal die Kölner Straße hoch", sagt Bernd vom Stein (12 Euro-Boutique). "Da ist doch kein Mensch." Vor gut einem Jahr war Eröffnung. "Der Start und das erste Jahr waren toll. Genau so hatten wir uns das vorgestellt. Diese Zeit reicht aber nicht, um einen großen Kundenstamm aufzubauen Es fehlt einfach die Laufkundschaft." Menschen eben, die unterwegs seien, die zufällig etwas sähen und dann spontan oder etwas später gezielt in die Geschäfte gingen.

"Irgendwann wird es einen Duden-Wortfriedhof geben", sagt Wolfgang Müllenmeister (Holzwürmchen). "Da tauchen dann alle Worte auf, die es nicht mehr gibt. Da steht auch dann die ,Laufkundschaft' drin." Auch er spürt die Veränderung. Ein weiterer Baustein für eine lebendige Stadt sind Parkplätze. "In einer Kleinstadt wollen die Leute bis vor das Geschäft fahren. Ob gut oder schlecht, das ist einfach so", sagt Rita Manger (Uhren Groß). "Das Parkhaus fehlt eindeutig. Es ist fast wie in Lennep. Die Stadt hat man auch tot saniert."

"Am Nachmittag ist die Straße leer", sagt Ina Theis (Bürowaren Siebel). "Der Lebensmittelmarkt fehlt unglaublich — und das Parkhaus auch. Sollte dieser XXL-Markt auf das Rhombus-Gelände kommen, ist die Stadt komplett tot", ist Theis sicher.

Das sehen die anderen Händler genauso. "In den Kaufpark-Leerstand muss ganz schnell wieder etwas rein", sagt Veronika Klatt (Engel Apotheke). "Den Umsatzrückgang kann ich noch nicht beziffern, aber er ist spürbar." "Der Markt regelt alles von allein — diese politische Einstellung kann ich nicht teilen", sagt Klatt. "Ohne Regeln wird dieser Markt die kleinen Händler kaputt regeln." Niemand der befragten Händler mag sich einen XXL-Markt auf dem Rhombus-Gelände vorstellen. "Dann brauchen wir uns keine Gedanken mehr um den Loches-Platz zu machen. Und die Innenstadt ist dann komplett erledigt", so der Tenor der Händler.

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Sie vermissen auch ein klares Konzept der Verwaltung. "Mal steht der Uhle-Bau im Mittelpunkt. Dann ist es wieder der Loches-Platz. Und jetzt ist auch noch dieser XXL-Markt im Gespräch", sagt Nadine Deppmeyer (Boutique Chamäleon). Mittlerweile wird sogar der Umbau der Innenstadt infrage gestellt. "Früher, als es noch mehr Parkplätze gab, war es zwar chaotisch aber lebhaft", sagt vom Stein. Breite Fußwege seien zwar schön — aber für wen?

"Einen Rückgang der Kunden können wir nicht feststellen", sagt Anne Schubert (Stola — Der Stoffladen). "Wir haben ganz viele Stammkunden — und die kommen gezielt. Die Parkplatzsituation ist nicht gut. Wenn die Kunden keinen Platz finden oder zu lange suchen müssen, kommen sie nicht wieder."

Kämen dann noch unterschiedliche Regelungen bei den Parkplätzen hinzu, sei das Chaos perfekt. "Mal eine Stunde, mal zwei Stunden, mal mit, mal ohne Parkscheibe. Wer will sich das merken?"

Alle hoffen jetzt auf die Ansiedlung der Postfiliale in der Marktpassage. Das bringe zwangsläufig Menschen und damit Leben in die untere Kölner Straße. Wo die Kunden der Post dann parken sollen, ist den Händlern nicht klar. "Wahrscheinlich stehen die dann auf dem Bürgersteig vor der Passage", vermutet vom Stein.

(wsb)
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