Wermelskirchen: Habring (Edeka): Die Stadt hat eine Tante-Emma-Ladenstruktur

Wermelskirchen : Habring (Edeka): Die Stadt hat eine Tante-Emma-Ladenstruktur

Eine moderne Lebensmittelinfrastruktur, wie sie jede andere Stadt hat, fordert Rolf Habring, Inhaber der Edeka-Märkte in Wermelskirchen. "Wir haben hier eine Tante-Emma-Einzelhandelsstruktur wie vor 30 Jahren", erklärte er jetzt. Das möge charmant sein, habe aber nichts mit moderner Marktwirtschaft und dem Recht auf eine zeitgemäße Lebensmittelversorgung zu tun.

Als moderne Lebensmittelinfrastruktur sieht er einen Nahversorger auf dem Loches-Platz (Norma), wobei der Platz kirmestauglich bleibe, mit "ein wenig Glück" noch einen Nahversorger im ehemaligen Kaufpark, und einen zeitgemäßen Vollsortimenter, "der in jede Stadt gehört", auf der Rhombus-Brache. Dann sei der Kaufkraftabfluss im Lebensmittelsortiment Geschichte, meinte Harbring.

Als schlechte Alternative sieht er den Loches-Platz als abgespeckte Großfläche — ohne Kirmes. Der Verbraucher erwarte eine schnelle Hin- und Abfahrt und bequeme, altersgerechte Parkflächen sowie eine Versorgung, die über die Grundversorgung hinausgehe. Das funktioniere nicht mehr auf 1000 Quadratmetern. "Und 2500 Quadratmeter sind jetzt kein Sprung, der ein Gefährdungspotenzial darstellt", argumentierte Habring.

Als Frequenzbringer in der Innenstadt könnten kleinere Flächen für Nahversorger auf dem Loches-Platz geschaffen werden. "Die Innenstadt wird nicht attraktiver, wenn wir den Verbraucher versuchen zu etwas zwingen, was er nicht will."

Mit dem XXL-Edeka auf der Rhombus-Brache werde nichts Überflüssiges geplant, sondern etwas, "was seit vielen Jahren überfällig" sei.

Bei allen Wünschen der politischen Entscheidungsträger sollten Historie und Realität nicht ausgeblendet werden, mahnte Henning Rehse (WN KUWG). Schon vor zehn Jahren sei ein Investor für den Loches-Platz abgesprungen, weil er keinen Ankermieter gefunden hätte. "Und so ein Mieter ist unverzichtbarer Frequenzbringer für Einzelhandelsstandort. Und Ankermieter sind durchweg Lebensmittelanbieter." Die bräuchten 2014 noch mehr Fläche als 2004.

Ein XXL-Edeka auf dem Loches-Platz, sagt Rehse, hätte Konsequenzen: Die Parkflächen ständen nicht mehr für die Kirmes zur Verfügung, der Loches-Platz wäre als zentraler Veranstaltungsplatz "tot". "Wermelskirchen kann sich seine Straßenkirmes ohne Loches-Platz abschminken", meinte der Politiker. Zudem sei, aus ökonomischen Gründen, als Baukörper nur ein "Freestander" darstellbar: "Wollen wir das neben den historischen Bürgerhäusern?"

Auch für seine Fraktion sei die Entwicklung des Loches-Platzes unverzichtbar, allerdings in bescheidenerem und realistischerem Umfang: Abriss des alten Norma-Gebäudes und Ärztehauses, Freestander auf dem unteren Loches-Platz, Erhalt des Loches-Platzes als zentralem Kirmes- und Parkplatz. "Mit XXL-Edeka ist das auf der Fläche nicht vereinbar." Er wolle nicht, dass die Wermelskirchener nach Bergisch Born oder Hilgen zu einem möglichen XXL-Markt fahren.

(RP)
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