Schulsport „Matt“ und „Remis“ am Gymnasium

Wermelskirchen · Eine Handvoll Neuntklässler hat Schach in eigener Initiative wiederbelebt. Nun werden sie sogar bei Schulmeisterschaften antreten.

 Die Schulschach-Mannschaft des Gymnasiums. Jerimias (l.) und Vincent am Tisch sowie Gian, Sophie, Daria, Annalena, Lydia, Arian und Frank Hermes (h. v. l.).

Die Schulschach-Mannschaft des Gymnasiums. Jerimias (l.) und Vincent am Tisch sowie Gian, Sophie, Daria, Annalena, Lydia, Arian und Frank Hermes (h. v. l.).

Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Jeremias Schmincke musste nicht lange nachdenken, als er davon hörte, dass das Gymnasium zwei Mannschaften im Schulschach auf die Beine stellen wolle. Ohne zu wissen, gegen wen er da überhaupt antreten würde, signalisierte der talentierte Achtklässler sein Interesse. Nun wird der 12-jährige Wermelskirchener einer von insgesamt vier Schülern sein, die am 7. Februar des kommenden Jahres gegen die Vertreter zweier anderer Gymnasien in Rösrath um den Titel des Kreismeisters kämpfen werden. Die vier Gymnasiasten aus drei verschiedenen Jahrgangsstufen werden indes nicht alleine antreten, sondern in gemischten Teams mit vier Neuntklässlerinnen. Auch sie waren sofort mit von der Partie, als sich die Chance bot, im Rahmen des Landessportfests an einer Kreismeisterschaft teilzunehmen.

Für Christian Ovelhey, der sich als Leiter der Fachschaft Sport maßgeblich um die Organisation von Schulsport-Mannschaften kümmert, kam das Interesse am Schulschach völlig überraschend: „Es sprechen mich ja immer wieder Schülerinnen und Schüler an und wollen wissen, ob es für diese oder jene Sportart eine Schulmannschaft gibt. In Bezug auf Schach sind wir bisher aber nicht angefragt worden“, erzählt der junge Sportlehrer, der selbst gerne am Schachbrett sitzt.

Die Erfahrung eines turniererprobten Vereinsspielers kann Jeremias Schmincke in die Waagschale werfen, der mit einer vergleichsweise hohen Wertungszahl die Liste der Jugendmannschaft des Schachvereins Wermelskirchen aktuell anführt. Auf dieser Liste findet sich auch der Sechstklässler Vincent Waaler (12), ein weiterer Gymnasiast, der nun die Gelegenheit bekommen wird, sich mit seinem Vereinskollegen in einer gemeinsamen Schulschachmannschaft zu behaupten. Nicht in der Mannschaft der beiden Jungen, sondern eine Wettkampfklasse höher wird die Neuntklässlerin Daria Herbertz (14) antreten Die aktuelle Verbandsmeisterin, die in diesem Jahr zum vierten Mal in Folge Bergische Meisterin wurde und Anfang Dezember das NRW-Grand-Prix-Turnier, besitzt von allen teilnehmenden Gymnasiasten die größte Turniererfahrung. Sie hofft, als Spielerin der Frauen-Regionalliga auf Schulschach-Ebene auf keinen Fall zu verlieren.

Hohe Erwartungen an sich haben auch die 14-jährige Annalena Kovac und der 12-jährige Arian Herbertz, die beide längere Zeit Mitglied in einem Schachverein waren. Keine schlechten Voraussetzungen für die Kämpfe um den Meister-Titel im Rheinisch-Bergischen Kreis, wobei ein Sieg aus Sicht von Sportlehrer Ovelhey nicht die große Rolle spielt: „Für mich zählt, dass die Schule nach so vielen Jahren ohne der Teilnahme an einem Schach-Turnier wieder mitmischen kann.“ Zudem seien die neu gegründeten Schulschach-Mannschaften „eine gute Ergänzung zu unseren anderen 14 Schulsport-Mannschaften, in denen weniger das Denkvermögen, sondern eher Talente am Ball, auf der Judomatte oder in der Leichtathletik gefragt sind“. Vor allem aber freue ihn, „dass sich die Schach-Teams aus einer eigenen Intiative der Jugendlichen ergeben haben“.

Den Anfang habe dabei ein lockeres Sich-Treffen in den Mittagspausen gemacht: „Da kamen mehr oder weniger regelmäßig ein paar Neuntklässler in einem Gesellschaftsraum des Hauptgebäudes zusammen, um gegeneinander zu spielen.“ Er habe dann angeboten, das Ganze als Schach-Treff offiziell zu machen und sich um Spenden für schuleigenes Spielmaterial zu bemühen. Doch die Jugendlichen wollten es beim Unverbindlichen belassen. Umso erstaunter sei er gewesen, wie verbindlich sie sich zeigten, „als es darum ging, unsere Schulgemeinde über ihr Hobby bei einer Kreismeisterschaft zu repräsentieren“: Innerhalb kurzer Zeit habe er die nötigen Meldungen im digitalen Postfach gehabt, „nachdem sich die Schüler zuvor organisiert hatten“.

Eines habe ihm jedoch Kopfzerbrechen bereitet: „Ich habe selbst überhaupt keine Erfahrung mit Schachturnieren. Also musste ich unbedingt jemanden finden, der mich in Rösrath während der Wettkämpfe unterstützen wird.“ Hilfe sei dann unerwartet von außen gekommen: Frank Hermes, ein lizenzierter Schachtrainer und Leiter der Jugendmannschaft des Schachvereins Wermelskirchen, habe sich bereiterklärt, „die Schüler und mich zu den Kreismeisterschaften zu begleiten“. Ein Glücksfall, „weil Frank Hermes vor etlichen Jahren Leiter einer Schach AG an unserer Schule war“. Inzwischen habe auch Horst Halm seine Unterstützung zugesagt, „ein pensionierter Studiendirektor, der sich ebenfalls in der Schach AG engagierte“. Ovelhey hat damit ein Team an Bord, das frühere Talente in Sachen Schulschach auf die Spur zu bringen wusste: „Einmal qualifizierten sich unsere Schüler sogar für ein Landesfinale“, erinnert sich Hermes.

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